Tenor André Schann, Kirchenmusiker und Pianist Florian Metz (von links) Foto: Regine Ounas-Kräusel

Kirchenmusiker Florian Metz am Klavier und der Tenor André Schann luden am Sonntag zum Liederabend in die Germanuskirche Lörrach-Brombach.

Dabei erklangen hierzulande selten gehörte Lieder des französischen Fin de siècle.

 

„Au clair de lune“ - „Im Schein des Mondes“ - unter diesem Titel trugen die beiden Künstler Lieder von Reynaldo Hahn und Henri Duparc vor, zwei bedeutenden Komponisten des französischen Fin de Siècle, deren Lieder in Deutschland bisher fast unbekannt sind. Ihre Zeit war geprägt vom Aufbruch aus der Romantik hin zu Impressionismus und den Anfängen der Avantgarde, von tiefem Gefühl und Todessehnsucht.

Mit leichter Eleganz

Mit Eleganz und Leichtigkeit brachten André Schann und Florian Metz dieses Lebensgefühl aus dem Frankreich um 1900 zu Gehör: Schann mit seinem klaren, schönen Tenor und Metz mit seinem vielseitigen, virtuosen Klavierspiel.

Mit feinem Gefühl

Als Florian Metz das Publikum in der Germanuskirche begrüßte, bat er zunächst noch für einen Moment um Geduld, um das Sieben-Uhr-Abendläuten abzuwarten. Dann stimmte André Schann Reynaldo Hahns Lied „Reverie“ („Träumerei“) an. Mit feinem Gefühl sang er von Schmerz und Freude der Liebe, von „Dornen und Rosen“, vom „Tau der Tränen“ und „Liebkosungen“. Florian Metz am Klavier umhüllte seinen Gesang mit schönen Harmonien. Die Komponisten Hahn und Duparc hatten in ihren Liedern Gedichte bedeutender französischer Dichter wie Victor Hugo und Charles Baudelaire vertont, die Gefühle oft auch mit Naturstimmungen ausdrückten.

Eine Prise Humor ließ die Zuhörer beim Lied „Incrédule“ („Ungläubig“) leise schmunzeln. „Du glaubst an Kaffeesatz, ich glaube nur an deine großen Augen“, hieß es darin. Lebhaft, mit schwellender Stimme trug André Schann diese humorvolle Liebeserklärung vor, temperamentvoll von Florian Metz am Klavier begleitet.

In Oper und Lied zu Hause

Florian Metz, Kirchenmusiker an der evangelischen Germanuskirche in Brombach, und Tenor André Schann, der in Oper und Lied zu Hause ist, haben schon mehrere Liederabende in der Brombacher Kirche gegeben. Kennengelernt hatten sie sich in Wyhlen: Dort wohnt André Schann und die Frau von Florian Metz, Anette Metz, wirkte dort bis 2017 als Pfarrerin, bevor sie nach Brombach wechselte.

„Clair de lune“

In der Mitte des Konzertes spielte Metz den Klavierzyklus „Clair de lune“, der dem Liederabend seinen Titel gab. Der Zyklus erzählt von einem Liebespaar, das im Wald ein stilles Plätzchen sucht, um sich seine Liebe zu gestehen. Fröhlich ließ Metz die Finger über die Tasten fliegen, als die beiden aufbrechen. Doch dann fürchten sie sich vor dem Licht der Glühwürmchen und vor dem munteren Bach, der ihr Geheimnis im Dorf erzählen könnte (Metz ließ die Töne glitzern, wie sprudelndes Wasser in der Sonne). Schließlich kehren die Liebenden traurig und ohne Geständnis zurück.

Zarter Humor blitzt auf

Als André Schann und Florian Metz nach diesem Stück voll zartem Humor das Konzert mit Liedern von Henri Duparc beendeten, waren wieder große Gefühle angesagt zwischen Todessehnsucht und der Süße der Liebe. Souverän und mit eleganter Leichtigkeit meisterten die beiden Künstler diese Herausforderung. André Schann berührte mal mit warmem Timbre, dann wieder mit kraftvoll schwellendem Vibrato.

Applaus und Apéro

Nach begeistertem Schlussapplaus und einer Zugabe lud Pfarrerin Metz zum Apéro ins Gemeindehaus ein. Die Veranstalter bedauerten, dass nur eine Hand voll Menschen zum Liederabend gekommen waren. Vielleicht lag’s am schönen Wetter oder am langen Wochenende, überlegte Florian Metz.

Ein zweites Mal ist der Liederabend „Au clair de lune“ am Muttertag, 10. Mai zu hören: um 20.15 Uhr in der evangelischen Pauluskirche, Badenweiler. Eintritt frei, Spenden erwünscht.