Für die Eisschicht im Polarion ist viel Strom notwendig. Und der wird immer teurer. Foto: Zilla

Seit März 2020 stellt die Corona-Krise die Betreiber von Freizeiteinrichtungen – wie das Polarion in Bad Liebenzell – vor besondere Herausforderungen. Jetzt kommt auch noch eine Energiekrise dazu.

Bad Liebenzell - Monika Schleicher, Eigentümerin und Geschäftsführerin des Polarions in Bad Liebenzell, will sich trotz der explodierenden Energiepreise nicht unterkriegen lassen. Am Freitag, 30. September, beginnt die Wintersaison. Ab diesem Zeitpunkt sind die Besucher im Polarion wieder auf Schlittschuhen unterwegs. Im Sommerhalbjahr von April bis September wird hier Paintball gespielt.

Flüssiges Ammoniak

Um auf den etwa 1800 Quadratmeter großen Boden des Polarions eine maximal drei Zentimeter dicke Eisschicht zu bekommen, sind nicht nur große Mengen Wasser, sondern auch viel Strom notwendig. Bereits am Montag, 26. September, fahren die Mitarbeiter die Maschinen hoch. Dann wird in die rund 20 Kilometer langen Rohre unterhalb des Bodens im Polarions flüssiges Ammoniak gepumpt. Die chemische Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff dient als Kältemittel. Ab Mittwoch, 28. September, wird mit einem Schlauch Wasser auf den Boden des Polarions gespritzt, damit sich eine Eisschicht bildet. 40 bis 50 Kubikmeter Wasser sind dazu notwendig.

Stark steigende Strompreise

In den vergangenen Jahren gab Schleicher jeden Monat allein wegen der Eisschicht 6000 bis 7000 Euro für den dazu notwendigen Strom aus. Auch der Strompreis kennt nur eine Richtung und zwar steil nach oben. In der bevorstehenden Saison wird es auf jeden Fall "erheblich teurer". Um wie viel wird man sehen.

Alternative für Gas

"Man muss an allen Fronten kämpfen", sagt Monika Schleicher im Hinblick auf die anstehenden Herausforderungen. Denn auch von der Gaskrise ist das Polarion betroffen. Schließlich werden die Umkleidekabinen und das Bistro mit Gas beheizt. Sollte es zum Äußersten kommen und dem Polarion der Gashahn abgedreht werden, hat sich Schleicher schon eine Alternative ausgedacht. So gibt es einen Holzkamin. Doch inzwischen ist selbst Brennholz nur noch schwer zu bekommen. Die Löhne der Beschäftigten steigen ebenfalls.

Inge Bay stellt Buch vor

Doch Schleicher gibt sich kämpferisch: "Wir machen auf alle Fälle auf." Sie hofft dabei auf viele Gäste aus der Region. Zusammen mit ihrer Familie und ihren Mitarbeitern hat sie sich für die anstehende Wintersaison einiges einfallen lassen. So wurde die Kuschelhütte vergrößert. Schleichers Mutter Inge Bay stellt am 16. Oktober ihr Buch vor. "Unser Polarion – Die Geschichte eines Eisstadions", heißt das Werk der 81-Jährigen. Das Polarion hat schließlich eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Das 1980 eröffnete Eisstadion hat schon früher schwierige Phasen überstanden. Am 3. November präsentieren Eiskunstläufer eine Freestyle-Gala.

Info: Geschichte

Der Name Polarion entstand aus den beiden Wörtern Polareis und Orion. Im November 1979 wurde das Richtfest für die Anlage gefeiert. Am 1. Januar 1980 war die Eröffnung. Zahlreiche Eishockeyspiele und Galas hat es im Polarion gegeben. Im Januar 2020 wurde das 40-jährige Bestehen gefeiert. Wegen der Corona-Krise hatte Eigentümerin und Betreiberin Monika Schleicher einige Herausforderungen zu meistern. Jetzt kommt auch noch die Energiekrise hinzu. Doch Schleicher bleibt zuversichtlich und will am 30. September das Polarion für die Schlittschuhläufer wieder öffnen. Die Wintersaison dauert in der Regel bis Anfang April. Im Sommerhalbjahr wird im Polarion Paintball gespielt.