Sie hatte Respekt vor der Aufgabe, jetzt ist Liane Künstler dankbar dafür, dass sie Präsidentin des Rotary-Club VS-Mitte sein darf. Und informiert über ein besonderes Projekt.
Dankbarkeit – darauf werde sie bei ihrer Weihnachtsansprache im Club auch den Schwerpunkt legen, verrät sie.
Seit zehn Jahren ist Liane Künstler Rotary-Mitglied, doch erst jetzt werde ihr so richtig bewusst, „was wir eigentlich alles schaffen und ich ein Teil davon sein darf“.
Sie genießt den Dienst am Nächsten, insbesondere an den Schwächsten der Gesellschaft, den sich der weltweit agierende und in Chicago gegründete Club schon vor 120 Jahren zur Aufgabe machte.
Sozial eingestellt sei sie schon immer gewesen, doch ein Ehrenamt kam für die stets berufstätige vierfache Mutter und Hobbysportlerin aus zeitlichen Gründen zunächst nicht in Frage.
Als sie 2015 schließlich gefragt wurde, ob sie sich ein Engagement bei Rotary vorstellen könne, sagte sie zu. Und kommt damit auf eine der Besonderheiten des Clubs zu sprechen: hier kann man nicht einfach beitreten, sondern wird von einem Mitglied vorgeschlagen. Ist eine Mehrheit dafür, ist man dabei. Gefragt werden in der Regel „lebens- und berufserfahrene Menschen mit sozialer Ader“, umschreibt Liane Künstler den typischen Rotarier.
Aus Hochemmingen
Liane Künstler ist in Hochemmingen geboren und aufgewachsen und hat den kleinen Ort – abgesehen von einem beruflichen halben Jahr auf Sylt – nie verlassen. Nach der Schule wurde sie Bankkauffrau, später Sparkassen-Betriebswirtin, arbeitete 13 Jahre lang in Villingen, zuletzt als Baufinanzierungsberaterin.
1993 stieg sie in das Hochemminger Fuhrunternehmen ein, das ihr Vater Rudolf Fischer einst gründete und ihr Bruder Siegfried als Baulogistikunternehmen und Spedition fortführt. Bis heute kümmert sich die Fachfrau dort um die Finanzen und das Personal. In Hochemmingen ist die 63-Jährige mittlerweile auch eingespannt als Großmutter von sechs Enkeln, denn alle vier Kinder haben hier ihren Lebensmittelpunkt.
„Gemeinsam Gutes tun“ – diese Maxime von Rotary überzeugte sie sofort und sie wusste auch, dass „jedes Rotary-Mitglied einmal ein Jahr lang das Präsidentenamt übernehmen muss“. Im Sommer 2025 war es soweit, aus der Incoming-Präsidentin wurde die Clubpräsidentin, die einen zwölfköpfigen Vorstand leitet und bis zum Sommer 2026 soziale Projekte aufnimmt und durchführt. Der jährliche Wechsel gewährleistet, dass immer wieder andere Einrichtungen und Organisationen mit Spenden bedacht werden.
Das Benefizkonzert
Für Liane Künstler stehen die proKids-Stiftung und die „Sternenkinder“ an erster Stelle. Dafür veranstaltet sie mit einem Orga-Team am 27. März im Klosterhof in VS ein Benefizkonzert mit Joel Da Silva’s Soul Family. Wie jedes Jahr werden zudem die Vesperkirche und die Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe unterstützt. Und auch die aktuelle Anfrage der DLRG, die ein neues Schlauchboot braucht, werde sicher nicht ungehört verhallen, verrät Liane Künstler.
Hilfsprojekt an Weihnachten
Und durch ihre berufliche Nähe zur Truckerszene fiel ihr ein Projekt von Rotary Deutschland sofort ins Auge, das sie nun übernehmen wird. Am zweiten Weihnachtsfeiertag suchen sie und weitere Rotarier LKW-Fahrer auf dem Autobahn-Parkplatz Haldenwald an der A 81 zwischen Tuningen und Bad Dürrheim auf und überraschen sie mit einer lecker und praktisch gefüllten Weihnachtstüte. „Vielleicht reichen die 50 Tüten auch noch für die Plätze Unterhölzerwald und Räthisgraben“, spekuliert sie.
Vortrag mit Olympiasiegerin
Gutes will Liane Künstler in ihrem Amtsjahr auch ihren 47 Clubfreunde und -freundinnen tun. Sie gewann die Olympiasiegerin im Ringen, Alina Rotter-Focken aus Triberg, für einen vereinsinternen Vortrag unter dem Titel „Wille schlägt Talent“ – gegen eine Spende an die Nachsorgeklinik „Katharinenhöhe“. Darauf ist sie schon ein wenig stolz.
Wer Spenden verteilt, muss sie auch verdienen. Bei Rotary VS-Mitte geschieht das alljährlich bei der Schwenninger Kulturnacht, wo die Clubmitglieder einen Bier- und Weinstand betreiben und eine Band bereitstellen.
Außerdem hat sich der Flohmarkt in Furtwangen in den vergangenen zwei Jahren als lohnende Einnahmequelle erwiesen, insbesondere für Second-Hand-Kleidung.
„Es ist schließlich nicht so, dass unsere Mitglieder alle reich sind und einfach nur den Geldbeutel aufmachen“. Deshalb freue man sich auch über jeden Sponsoren, der eine Rotary-Idee mittrage, sagt Liane Künstler.