Tagsüber Kindergartenleiterin, abends auf der Theaterbühne: Wie der Weilerin Sandra Trefzer dieser nicht ganz alltägliche Spagat „spielend“ gelingt.
Seit sie 22 Jahre alt ist, leitet Sandra Trefzer einen Kindergarten in Weil am Rhein. Ihr Karriereplan war das aber nie.
Eigentlich wollte Trefzer als junge Frau zur Schauspielschule gehen. Ihre Theaterbegeisterung war bereits in der Schule geweckt worden. Und im Theater am Mühlenrain (TAM) hatte sie auf Anhieb erfolgreich auf der Bühne gestanden.
Die damalige Regisseurin dort – Kathi Karrer – riet ihr, ihr Talent professionell weiterzuentwickeln.
Doch ihre Eltern bestanden auf einem seriösen Beruf.
Ihre Mutter schlug ihr den Beruf der Erzieherin vor. „Das wäre doch was“. Und so schloss Sandra Trefzer diese Ausbildung ab.
In Weil am Rhein hatte die 53-Jährige eine glückliche und gut behütete Kindheit erlebt, wie sie im Rückblick erzählt. „Ich hatte ein tolles Elternhaus.“
Eltern setzen kaum noch Grenzen
Dass das heute nicht mehr in allen Familien so selbstverständlich ist, merkt sie im Weiler Kindergarten „Haus der kleinen Stühle“ Tag für Tag. Das Gleichgewicht habe sich verschoben, sagt sie.
Mehr Kinder als früher seien verhaltensauffällig, Eltern oft überfordert. Trefzer beobachtet, dass oft keine Grenzen mehr gesetzt werden.
Es gebe Kinder, die noch nie ein „Nein“ gehört haben, sagt sie.
Stattdessen gebe es Streit um kleine Dinge: Etwa, wenn ein Kind sich am Morgen nicht zwischen fünf verschiedenen Hosen habe entscheiden können, nennt sie ein Beispiel.
Kinder stützen und stärken, ihnen eine „allerbeste Zeit“ zu ermöglichen, sogar dann, wenn zu Hause alles aus den Fugen gerät, nennt sie als wichtigstes Ziel.
Und: Die Kommunikation und die Beziehungsarbeit mit Kollegen, Kindern und Familien liegt ihr. Sie fühlt sich in ihrer verantwortungsvollen Rolle wohl.
Kita-Leiterin fast von Anfang an
Bis dahin war es ein langer, prägender Weg: Schon bald nach Beendigung ihrer Ausbildung und den ersten Schritten im Beruf bot sich die Gelegenheit, im Kindergarten „Arche“, der damals noch unter dem Dach der evangelischen Kirche bei der Johannesgemeinde angesiedelt war, die Leitung zu übernehmen.
„An Aufgaben wachsen“
Der damalige Weiler Pfarrer Gerd Siehl hatte Sandra Trefzer darauf angesprochen. Kurz darauf wurde sie zur jüngsten Kindergartenleiterin im Landkreis Lörrach.
Eine Riesenherausforderung, aber eben auch: eine Chance an den Aufgaben zu wachsen, stellt Trefzer im Rückblick zufrieden fest. Beim Einschlagen neuer Wege war sie oft mit dabei, etwa als in der „Arche“ der erste Hort in Weil eingerichtet wurde. Stillstand im Beruf – das gab es für sie nie.
Ein ganz besonderer Moment war der Umzug in die neuen Räume im Neubaugebiet „Hohe Straße“, wo der Kindergarten heute unter seinem neuen Namen „Haus der kleinen Stühle“ zu finden ist.
Den neuen Kindergarten hat sie mitgeplant
Trefzer war von Anfang an in die Planung des neuen Kindergartens eingebunden, der nun in städtische Trägerschaft übergegangen war. Und so trägt er bis heute auch ihre Handschrift. Von den farbigen, handgefertigten Möbeln in den Gruppenräumen über die hölzernen Sockelleisten sind hier verspielte Details zu finden, die es nur hier gibt.
Vor kurzem feierte das „Haus der kleinen Stühle“ seinen zehnten Geburtstag und hat mittlerweile Zuwachs durch die neue Kita „Kleine Stühle 2“ gewonnen.
Im Theater – auf den sprichwörtlichen Brettern, die die Welt bedeuten – ging es für die junge Frau trotz ihres neuen Brotberufs weiter, bis heute.
Nicht nur im TAM stand sie auf der Bühne, sondern auch auf Schloss Beuggen, auf der Rheinfelder Theaterbühne, auf der Musical-Bühne in Schopfheim und etliche Jahre bei den Burgfestspielen auf Burg Rötteln.
Einige Jahre machte sie zusammen mit Simon Rösch Radiowerbung für Migros beim Basler Radio Basilisk.
Auch schwanger stand sie auf der Bühne. Als ihre zwei Söhne zur Welt kamen, legte sie jeweils nur eine kurze Pause ein. „Im Nachhinein denke ich, toll, dass ich das durchgezogen habe.“
Bei Premieren habe sie „Lampenfieber ohne Ende“ gesteht Trefzer. Jedes Mal aufs Neue steht dann die Frage im Raum: Funktioniert das Stück? Kommt es beim Publikum gut an?
Ist der erste Abend geschafft, kommt der Genuss beim Spielen. Das Schauspielen verlange ihr aber auch Disziplin ab: Sich Woche für Woche durch die Proben und während der Spielzeit zusätzlich durch die Aufführungen am Wochenende zu beißen und dranzubleiben, all das neben dem Beruf, koste Kraft.
Theaterleiter Klein legt Wert auf ihren Rat
Doch es sei nun mal so: „Das Schauspielen ist einfach ein großer Teil von mir.“
Auch hinter den Kulissen bringt Trefzer sich ein. Theaterleiter Klaus-Peter Klein legt großen Wert auf ihren Rat, etwa bei der Auswahl der Stücke.
Schon wenn sie ein Stück erstmals lese, habe sie die handelnden Personen vor Augen und sehe so, ob das Stück zur Gruppe passt, führt sie aus.
Ein Höhepunkt im Theaterjahr ist für sie jedes Jahr die Freilicht-Vorführung „Theater uf dr Gass“ in Binzen, wo sie mit ihrer Familie seit vielen Jahren wohnt.