War es ein Komet? Oder doch ein Meteor? Ein helles Leuchten am Himmel hat die Lahrer am Dienstagabend in ihren Bann gezogen. Die Spekulationen in den sozialen Medien waren vielfältiges, einige riefen gar die Polizei an. Hobbyastronom Herbert Glatt erläutert, was dahinter steckt.
Ein hell leuchtender Strahl erscheint gegen 22 Uhr plötzlich am Himmel über der Region. Ein Objekt stürzt offenkundig Richtung Erde, zieht einen glühenden Schweif hinter sich her. Mehr als eine halbe Minute lang ist es am Himmel zu sehen, bis es zerfällt und das Glühen verschwindet.
Zahlreiche Menschen haben das Phänomen am Dienstagabend nicht nur beobachtet, sondern auch gefilmt. Die Videos vom vermeintlichen Meteoriten verbreiteten sich schnell in den Sozialen Medien. „Es war richtig hell und rot sichtbar, bis es sich in viele kleine Funken aufgelöst hat und dunkel wurde“, beschreibt ein Mitglied der Facebook-Guppe „Du bist aus Lahr, wenn...“ die Erscheinung. Auch in entsprechenden Gruppen für Ettenheim oder Schuttertal wurden Aufnahmen geteilt und kommentiert. „Wunderschön“, „der Hammer“, aber auch „ein bisschen unheimlich“ lauteten die Kommentare.
Tatsächlich war vielen Menschen in der Region das Schauspiel nicht geheuer. Wie das Polizeipräsidium Offenburg am Mittwoch auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, gingen am Dienstagabend mehrere Anrufe ein. Unter anderem aus Offenburg, Gengenbach und auch Rastatt. Die Beobachter konnten sich das Schauspiel offenkundig nicht schlüssig erklären, die meisten vermuteten einen Meteor oder einen Kometen dahinter, einige dachten an ein Flugzeug. Nur die wenigsten lagen richtig. Es war nämlich Weltraumschrott.
Meteore glühen maximal eine Sekunde lang
„Anhand der Dauer der Erscheinung hätte man ausschließen können, dass es sich um einen Meteor handelt“, erklärt der Lahrer Hobbyastronom Herbert Glatt am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Meteor glühe maximal eine Sekunde, wie vor zwei Wochen beim Perseiden-Meteoritenschauer deutlich geworden sei. Die Sternschnuppe sei eine eher bläuliche Lichterscheinung, hervorgerufen durch ionisierte Luft. Der Feuerball am Himmel am Dienstagabend glühte jedoch orange bis rötlich.
Doch was war es nun genau? „Es war der ,Starlink 2382’-Satellit“, bringt Glatt Licht ins Dunkel. Diese Satelliten gehörten zu „Space X“, dem US-Raumfahrtunternehmen von Elon Musk (siehe Info). Anfang des Jahres hatte das Unternehmen bekanntgegeben, 100 alte Satelliten kontrolliert zum Absturz bringen zu wollen und in der Erdatmosphäre verglühen zu lassen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bestätigte dies am Mittwochmorgen. „Der Eintritt des Satelliten wurde vorausgesagt“, erläutert Glatt weiter. Entsprechend sei die Erscheinung für ihn keine große Überraschung gewesen und er konnte das Phänomen am Dienstagabend entspannt beobachten.
Dass Weltraumschrott wie alte Satelliten in der Atmosphäre verglüht, komme relativ häufig vor, so der Hobbyastronom. Und zwar dann, wenn die Geschwindigkeit des Objekts 28 000 Stundenkilometer unterschreite. In einer Höhe von 180 Kilometern sei diese Geschwindigkeit nötig, um im Orbit zu bleiben. Verliert das Objekt nun – aus welchen Gründen auch immer – an Tempo, ziehe die Anziehungskraft der Erde es an – es „desorbitiert“, erläutert Glatt. Am Tag oder in der Nacht, wenn der Himmel bedeckt ist, geschehe dies unbemerkt. Um das Schauspiel mitanzusehen, waren die Bedingungen am Dienstagabend bei sternenklarer Nacht also ideal.
Und wann lohnt sich der Blick in den Himmel das nächste Mal? Glatt erklärt, dass das spontan immer schwer zu sagen sei. Für leidenschaftliche Sternengucker hat er dann doch noch gute Nachrichten: Im Oktober gebe es wieder eine gute Gelegenheit, Sternschnuppen zu beobachten.