Bruno Klimek hat Bert van Derghems Komödie „Letzte Gefechte“ am Theater der Altstadt uraufgeführt. Trotz schöner Regie-Einfälle fehlt es dem Stück an Substanz.
Ein Fitnessstudio, möglicherweise in einem Bunker. An der hinteren, schwarz getünchten Wand fünf Metronome, nur vier davon ticken noch, das fünfte ist mit rotem Klebeband still gestellt. Vier Gewichte, vier Gasmasken. Auf einer großen Tafel sind chinesische Schriftzeichen und die Zeitangabe „366 Tage“ zu lesen, darunter die Kürzel zu fünf Namen mitsamt Strichlisten, eine davon rot durchgestrichen. Fünf Spinde auf der rechten Seite des Raums, von den Postern neben der Sprossenwand gegenüber starren Schurken wie Putin und Trump.
Dialogsequenzen von Blackouts unterbrochen
Etwas stimmt nicht mit der Welt in Bert van Derghems Vier-Personen-Stück „Letzte Gefechte“. Bruno Klimek hat den als „Komödie“ ausgewiesenen Text des 1978 am Niederrhein geborenen Autors am Stuttgarter Theater der Altstadt uraufgeführt, auch den beunruhigenden, mit Anspielungen gespickten Raum hat Klimek entworfen. In diesem Endzeitlabor treten Stefanie Friedrich, Lou Bertalan, Selina Fröhlich und Christian Werner als einsilbige Workout-Krieger gegeneinander an. Einmal versuchen Stefanie Friedrich und Christian Werner, ein Transparent aus Packpapier mit der alles erklärenden Aufschrift „Wir trainieren für den Weltuntergang“ an der Bühnenrückwand zu befestigen. Selina Fröhlich hockt mit Kopfhörern an der Rampe und singt stumm Bob Dylans „Don’t think twice, it’s alright“ mit.
„Letzte Gefechte“ besteht aus unverbundenen, kurzen Dialogsequenzen, in denen nichts Substanzielles gesagt wird. In den Blackouts dazwischen gruppieren sich die Darsteller neu im Raum. Mal strampelt Stefanie Friedrich auf dem Fahrrad während Lou Bertalan mit ihr streitet. Mal geht es um das Vergessen, mal um den Regen. Später kommt es zu einem Konflikt, weil Selina Fröhlich ein Foto in ihrem Spind anzuhimmeln scheint,was der von Christian Werner verkörperten Figur eifersüchtig missfällt. „Wir drehen uns im Kreis!“ - „Ich nicht. Ich trete auf der Stelle“, so ein Wortwechsel. Er klingt wie ein resigniertes Resumée des Abends.
Musik rettet den Text etwas
Zu den witzigsten Momenten gehört Stefanie Friedrichs Wutanfall mit einem Stapel dünner Plastikbecher. In zackigem Rhythmus knallt sie Becher um Becher in einen Spind. Einmal läuft Lou Bertalan nackt von rechts nach links, das Publikum kichert. Dann das Rauschen einer Dusche. Ein Hauch von Inhalt scheint auf in Christian Werners Monolog für einen Totenkopf in Anlehnung an Shakespeares „Hamlet“, mit Slogans wie „Freiheit bietet keine Überlebensgarantie“.
Angesichts der leeren Dialoge fällt selbst in der knappen Spielzeit von gerade einmal 70 Minuten das Zuhören irgendwann schwer. An der Regie und dem Spiel liegt das nicht. Bruno Klimek und das Ensemble versuchen ihr Bestes, den Text mit Bedeutung aufzuladen. Viel schultert Klimek dabei auch über den Einsatz von Musikkonserven. Neben Dylan gibt es David Bowies „Heroes“ und Reinhard Meys „Gute Nacht, Freunde“. Mit dem bedrückenden Hier und Jetzt aber hat das wenig zu tun.
Weitere Termine: 28. und 30. März, 4. bis 7. April, 10. und 11. Mai.