Die Preisträger des Murre-Wettbewerbs 2025 präsentierten ihre Werke (von links): Wendelinus Wurth, Carola Horstmann, Uschi Walkenhorst und Willi Keller Foto: Vögele

Preisträger des Mundartwettbewerbs Lahrer Murre organisierten am Samstag eine Lesung in Reichenbach. Einen Tag später lud die VHS-Schreibgruppe in die Villa Jamm ein.

Zu einer literarisch-poetischen Lesung in alemannischer Mundart hatten der Schwarzwaldverein Reichenbach und die Mediathek Lahr am vergangenen Samstag in die historische Hammerschmiede in Reichenbach eingeladen. Trotz der sommerlichen Temperaturen fanden sich erfreulich viele Mundartfreunde zu der Veranstaltung im Rahmen der Literaturtage „Orte für Worte“ im Außenbereich des musealen Geländes ein.

 

Birgit König vom Schwarzwaldverein Reichenbach begrüßte auch im Namen von Katrin Schmidt von der Mediathek Lahr die Gewinner des Murre-Preises 2025 und die zahlreichen Liebhaber alemannischer Mundart, die gekommen waren, um die Preisträger zu hören und sich über die Wertschätzung der Mundart zu freuen.

Ludwig Hillenbrand führt in Reichenbach durch den gelungenen Abend

Der Abend bot ein Hineinhören in die nuancenreiche Vielfalt der alemannischen Mundart. Die Zwischentöne klingen von Ort zu Ort, von Tal zu Tal in den alemannischen Landen verschieden. Dabei konnte man versuchen, herauszuhören, in welcher Region die Preisträger beheimatet sind, im Markgräflerland, in der Ortenau, im Hochschwarzwald, am Bodensee oder in der Rheinebene.

Ludwig Hillenbrand, einer der Bannerträger der Mundartfreunde, führte in treffenden und liebevollen Anspielungen, wie man solche nur in der Mundart so recht zu Klingen bringt, durch den Abend. Den musikalischen Part hatte Heinz Siebold mit seinen fröhlich-nachdenklichen Liedern übernommen.

Die zweitplatzierten Preisträger in der Sparte Lyrik und Prosa kamen zunächst zu Wort. Carola Horstmann, gebürtig aus dem Wiesental, eröffnete mit ihren liebenswerten kleinen Meisterstücken den bunten Reigen. Der Renchtäler Willi Keller, ein begnadeter Erzähler, eröffnete den gespannt zuhörenden Gästen die Teilnahme am Gespräch zweier alter Freunde. Der in der der Ortenau lebende Lyriker Wendelinus Wurth ließ in wortgewaltigen Aphorismen in die stolze und herrische Welt knorriger Herrebuure blicken.

Über der Veranstaltung liegt ein Hauch von Wehmut

Den ersten Preis in der Sparte „Prosa“ hatte Valo Christiansen errungen, ein neuer Stern am alemannischen Dichterhimmel und gebürtig aus dem fernen Bochum. Die Beziehung liegt in den alemannischen Wurzeln. Da Valo Christiansen nicht anwesend sein konnte, las Heinz Siebold, in seiner unverfälschten, an Johann Peter Hebel geschulten Mundart, das kleine, aber geistreiche Werk. Uschi Walkenhorst aus dem Umfeld von Freiburg trug einige kleine Perlen ihrer lyrischen Werke vor, für die sie den ersten Preis in der Sparte Lyrik erhalten hatte.

Ein Hauch von Wehmut lag trotz der wunderbaren Stimmung über der Veranstaltung in Reichenbach. Denn, wie Ludwig Hillenbrand in seiner Laudatio am Ende ausführte, nach 13 Jahren endet nun das Projekt der Murre-Lesungen, die in den vergangenen Jahren immer wieder zu festlichen Veranstaltungen geführt und zur Stärkung der heimatlichen alemannischen Mundart in ihren vielen Verästelungen beigetragen haben.

Finale Veranstaltung in der Villa Jamm

Mit einem gut besuchten Lesefrühschoppen in der Villa Jamm gingen die Literaturtage „Orte für Worte“ am Sonntag zu Ende. Die Lahrer VHS-Schreibgruppe „Die Geschichtenschmiede“ präsentierte laut Mitteilung vor knapp 40 Gästen eigene Geschichten und Gedichte zum Thema „Emotionen“. In etwas mehr als einer Stunde spannte die Gruppe einen abwechslungsreichen Bogen von Trauer, Unsicherheit, Wut und Besorgnis bis hin zu Gelassenheit. Die fünf Geschichten wurden von Gedichten begleitet und ergänzt, sodass ein stimmungsvoller Wechsel zwischen nachdenklichen, berührenden und auch humorvollen Momenten entstand. Moderiert wurde die Veranstaltung von Michael Paul. Das Publikum zeigte sich laut Mitteilung bewegt und begeistert von der Vielfalt der Texte und der persönlichen Atmosphäre in der Villa. Viele Gäste nutzten im Anschluss die Gelegenheit zum Gespräch mit den Autorinnen und Autoren. So wurde der Lesefrühschoppen zu einem lebendigen und würdigen Abschluss der diesjährigen Literaturtage.