Lesung mit Vincent Klink im Nagolder Kubus, begleitet von Jazzgitarrist Lorenz Petrocca Foto: Stadler

Ausverkauft: Die erste Auflage der Nagolder Literaturtage fand mit der Abendveranstaltung mit Vincent Klink im Kubus ihren krönenden Abschluss.

Nagold - Zusammen mit dem gefeierten Jazzgitarristen Lorenzo Petrocca untermalte der preisgekrönte Koch, Autor und Publizist Klink seine Lesung und die charmant authentischen Erzählungen rund um 40 Jahre begeisterter Reisen nach Venezien, nachzulesen in seinem Buch "Ein Bauch spaziert durch Venedig".

Mit 200 Gästen war die Abschlussveranstaltung der 1. Nagolder Literaturtage ausverkauft. Die gemeinsame Veranstaltung von Volkshochschule, Stadtbibliothek und Buchhandlung Zaiser erzielte eine "überwältigende Resonanz", so Mario Gotterbarm, Leiter der VHS Oberes Nagoldtal.

75 gelistete Buchtitel

Trotzdem hoffe man zusätzlich zu den Sponsoren, denen sein großer Dank galt, noch weitere Unterstützer zu finden, um bei einer Fortsetzung der Literaturtage niedrigere Eintrittspreise anbieten zu können. Vincent Klink müsse man zwar nicht vorstellen, der VHS-Leiter kündigte den preisgekrönten Sternekoch, Autor, Herausgeber und Publizist beim Publikum dennoch an und nannte 75 gelistete Buchtitel.

Das aktuelle Druckwerk "Ein Bauch spaziert durch Venedig" setzt die Reihe fort, bei der bereits Paris und Wien Ausgangsorte für Kunst- und Kulturbetrachtungen mit Sehenswertem abseits des Mainstreams, gepaart mit besonderen Rezepten kulinarischer Versuchungen, die würzigen Zutaten für seine literarischen Werke lieferten.

Jazzmusiker übernimmt die musikalische Begleitung

Nach Nagold hatte Klink den gefeierten deutsch-italienischen Jazzmusiker Lorenzo Petrocca mitgebracht. Mit halbakustischer Gitarre begleitete er Klink, der mit seiner Querflöte rund um die Erzählungen und gelesenen Passagen Bossa Nova und Jazzstücke erklingen ließ.

"Welcome Nagold", diese bislang von Vincent nie gesagten Worte, eröffneten seinen mit einem Lächeln begleiteten Auftritt im Kubus, für den er sich als "Betreuer" den virtuosen Jazzgitarristen mitgebracht hatte. Der Abend war eine lockere Plauderei von Klink über Venedig und die Region Venezien, die sich bis zu den Dolomiten erstreckt.

Das "schönste Wohnzimmer der Welt"

Im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte reiste er mehr als 40 Mal dorthin, aber immer nur ganz kurz, da ihm seine Kochkünste und sein Restaurant dafür zu wenig freie Zeit ermöglichen. Dabei beschrieb er die Lagunenstadt mit ihren tollen Palazzi samt der Fülle an Kunst- und Kulturschätzen aus der Renaissance, aber auch den Markusplatz und bezeichnete ihn als das "schönste Wohnzimmer der Welt".

Venedig ist für Klink mal Museum, mal lebendige Stadt. Klink gab Tipps, wie man den preiswertesten Espresso genießen kann, aber auch, wie sich mit wenig Geld Gondel, genannt Traghetto, über den Canale Grande fahren lässt. Und wie wichtig es sei, obwohl Venedig am Wasser liegt, keine Badeschuhe für einen Stadtbesuch, sondern Wanderschuhe zu tragen.

Politik von morgen in Frauenhänden?

Zwischen den interessanten und abwechslungsreichen Sichten und Erzählungen über die Stadt auf Stelzen, die den Gebäuden auf den Betonplattformen ihren Halt am Standort geben, hält er auch mit politischen Seitenhieben nicht hinterm Berg. So sieht der Fan der russischen Kulturnation beispielsweise die Politik von morgen in Frauenhänden, weg von Testosteron gesteuerten Männern.

Er spricht über den "Saustall" zwischen den 55 000 echten Venezianern und den bestimmenden Familien, die in Maestre leben, aber auch über die Ursprünge Venedigs, ausgehend von den früheren Völkerwanderungen. Sein Tipp für einen Museumsbesuch lautete: "Suchen Sie sich ein Gemälde aus und verharren sie davor für 30 Minuten." Alle Kunstschätze in einem Museum betrachten zu wollen, mache einen ansonsten kirre.

Er verrät, dass er als nächstes ein Buch über die deutsche Renaissance schreiben wolle. Und außerdem empfiehlt er bei der Rückfahrt die Route durch das Vinschgau über den Reschenpass mit Abstecher in einem von sieben Nonnen geführten Kloster in einem Schweizer Seitental zu nehmen.

Zum Abschied von seinem begeistert bejubelten und viel beklatschten literarisch-musikalischen Abend in Nagold spielte er zusammen mit Lorenzo Petrocca das Jazzstück "All Blues". Im Anschluss war Vincent Klink vor der Bühne zum Signieren seiner Bücher anzutreffen.