Mit Headset vor der Lesung: der Rheinfelder Autor Klaus Köllisch, der unter dem Pseudonym Peter Klisa schreibt. Foto: Jürgen Scharf

Der Rheinfelder Autor Klaus Köllisch alias Peter Klisa hat einen Nachkriegs-Thriller im renommierten Heyne-Verlag herausgebracht. In Kürze stellt er ihn in Grenzach vor.

Immer samstags. Da schreibt Peter Klisa alias Klaus Köllisch an seinen Thrillern. Und, wenn es gut läuft, auch an Sonntagen. Ansonsten verteilt sich seine Produktivität des Bücherschreibens auf den Urlaub.

 

Schließlich ist Köllisch „nebenbei“ Romanautor, hauptberuflich arbeitet er als Chemiker in Rheinfelden. Dass bei dieser Arbeitsweise an die 500 Seiten ihre Zeit brauchen, ist klar. Deshalb hat es drei Jahre gedauert zwischen seinem gründlich recherchierten Debütroman „In den letzten Stunden der Dunkelheit“ (2023) und dem jetzt druckfrisch vorliegenden zweiten Thriller „Im Schatten der Ruinen“.

„Mehr Ideen als Zeit“

Nach eigenen Worten hat Köllisch „mehr Ideen als Zeit“ und den Zeitdruck bei der Deadline durchaus gespürt, weshalb das zweite Buch eine ganz andere Herausforderung war. Spielte das erste Buch im April 1945, also am Ende des Zweiten Weltkriegs, setzt das zweite in der frühen Nachkriegszeit im Dezember 1947 ein. Schauplatz ist wieder Berlin.

Einstieg in Kapitel zwei

Bei der letztjährigen „Nacht der Bibliotheken“ in Rheinfelden hat der Autor schon mal einen Vorgeschmack mit dem ersten Kapitel gegeben; dieses übersprang er bei der Buchvorstellung in der Stadtbibliothek und begann die Lesung mit dem zweiten Kapitel.

Blick ins Jahr 1947

Da lernt man gleich die männliche Hauptfigur Captain Matthew Wallet kennen, einen amerikanischen Militärpolizisten, der nach einem Disziplinarverfahren in die Besatzungszone in Berlin strafversetzt wurde. Er soll der Bandenkriminalität in der in vier Sektoren aufgeteilten Stadt einen Riegel vorschieben.

Man bekommt Einblick in das Berlin unmittelbar nach dem Krieg. Alles ist zerstört, es gibt nichts zu essen, viele Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Es herrscht Mangel - der beste Nährboden für organisiertes Verbrechen.

Köllisch, der unter dem Pseudonym Peter Klisa schreibt, spricht vom „Wilden Westen“. Es gilt das Gesetz des Stärkeren. Die Schwarzmärkte blühen, die Leute versuchen alles zu handeln und zu tauschen, und diese Stimmung fängt er ein.

Atmosphäre kommt rüber

Man muss sich vorstellen, dass es einen riesigen Schwarzmarkt gab mit 30 Plätzen in Berlin, wo alles getauscht wurde, was nicht niet- und nagelfest war. Denn die Währung (Reichsmark) war nichts wert. Köllisch stellte klar: „Der Schwarzmarkt ist kein Flohmarkt.“ Diese Atmosphäre bei den illegalen Tauschgeschäften kommt gut rüber.

Spannend ist das Kapitel, in dem ein amerikanischer Konvoi von einer Bande überfallen wird. Es gibt aber auch Szenen nach einer Schwarzmarkt-Razzia und Episoden, in denen Wallet den zwölfjährigen Heiner, der sich in Berlin wie in seiner Westentasche auskennt, als Spitzel und Informanten einsetzt. Der Autor charakterisiert seine Hauptfigur sehr plastisch: Dieser Captain ist ein Mann mit starkem Gerechtigkeitssinn, der die Deutschen hasst, weil sein Vater im Ersten Weltkrieg gefallen ist. So gibt es bald auch Konflikte mit Klara Feldmann, Heiners Mutter, die mitten in einem Entnazifizierungsverfahren steckt. Sie weckt widerstrebende Gefühle in ihm.

Köllisch las nicht nur längere Abschnitte, sondern erzählte viel über die Zeitläufte. So erfährt man einiges über das Rationierungssystem mit Lebensmittelmarken in einer Zeit blanker Not, die nach Kriminalität und Korruption geradezu schreit. Diese geschichtliche Epoche zwischen Kriegsende und Gründung der Bundesrepublik ist nicht so bekannt und war daher für den Autor sehr interessant und dankbar zum Schreiben.

Lesung in Grenzach

Mehr als Köllisch in Rheinfelden zu seinem neuen literarischen Werk sagte, sollte man gar nicht über den Inhalt verraten. Wie es weitergeht mit Wallet, Klara, Heiner und den „Brandenburgern“, einer Sondereinheit der ehemaligen Wehrmacht mit dumpfen Schlägern, und wie diese Romanfiguren ein Eigenleben entwickeln, kann man im Buch selber nachlesen.

Vielleicht wird man bei der anstehenden Grenzacher Lesung noch Einblicke in andere Kapitel bekommen. Aber eines steht fest: Peter Klisa hat schon den Plot für das dritte Buch im Kopf, das zeitlich und mit denselben Protagonisten an das zweite anschließen soll: „Die Idee ist da, denn einige Fragen sind im zweiten Band offen geblieben“.

Ritterschlag für Klisa

Wer die bittere Realität von Neuautoren kennt, einen Verlag zu finden, kann, wie Köllisch, von Glück reden, dass der renommierte Heyne-Verlag, bei dem Bestsellerautoren wie John Grisham und Stephen King verlegt werden, gleich nach seinem Erstling Interesse an einer Fortsetzung zeigte. Das darf geradezu als Ritterschlag in der Buchbranche gesehen werden.

Ein Buch müsse „super sein“ in der Qualität, vom Inhalt, Stil und Spannungsaufbau, weiß Köllisch. Denn bei 70 000 Neuerscheinungen im Jahr in Deutschland „wartet niemand auf ein Buch…“.

Lesung von Peter Klisa in der Buchhandlung in Grenzach am 18. März, 19 Uhr. Der Thriller „Im Schatten der Ruinen“ von Peter Klisa erschien im Heyne-Verlag zum Preis von 13 Euro.