Geplant war eine Lesung des neuen Buches „Wenn ich tanzen will“ von Gaby Hauptmann in ihrer Heimatstadt Trossingen, es wurde aber eine lockere Session mit viel Improvisation daraus.
Die seit 1982 in Allensbach am Bodensee lebende Bestseller-Autorin, Journalistin, Moderatorin und Regisseurin Gaby Hauptmann kommt in lockerer Regelmäßigkeit gerne in ihre Heimatstadt Trossingen zurück, um ein neues Werk zu präsentieren.
Mit Blick in das fast ausverkaufte Kesselhaus meinte der Trossinger Kulturbeauftragte Frank Golischewski: „Das ist heute wieder wie ein Treffen mit Freunden und Familie.“
Tatsächlich, von der Abiturklasse 1977 – die weiteste Anreise hatte ein Schulfreund aus Hamburg – bis zu einer weit über 90-jährigen ehemaligen Nachbarin waren alle gekommen, um sich vom neuesten Buch Gaby Hauptmanns, das im Oktober erschienen ist, überraschen zu lassen.
Vor 68 Jahren in Trossinger Modegeschäft gekauft
An Überraschungen mangelte es an diesem Abend wahrlich nicht. So trug die Autorin als sie auf die Bühne kam, wie zuletzt vor fünf Jahren den beigefarbenen Mantel in Cape-Form ihrer vor sieben Jahren verstorbenen Mutter, den jene vor 68 Jahren in einem Trossinger Modegeschäft gekauft hatte. Das gute alte Stück passte Gaby Hauptmann perfekt.
„Auch wenn ich schon viele Jahre nicht mehr in Trossingen lebe, ist es immer wie ein Heimkommen – hier sind die Freunde, viele reisen eigens an, und Trossingen ist der Mittelpunkt“.
Mitgebracht hatte sie den in Konstanz lebenden Bernd Konrad, der in ihrem Buch „Wenn ich tanzen will“ eine authentische Rolle als junger Musiker in den 1960er-Jahren in Konstanz spielt.
Die heute 77-jährige Saxophon-Legende Bernd Konrad war einst Professor an der Trossinger Hochschule für Musik. Er erinnerte sich, wie er im Jahr 1968 erstmals nach Trossingen zur Hochschule gekommen ist in „ein altes Haus, es roch nach Bohnerwachs“.
Ein weiterer Überraschungsgast, der direkt von einem Besuch aus Indien kam, war der Trossinger Saxophon-Professor Matthias Anton, wie einst Frank Golischewski Schüler von Bernd Konrad.
Um den Kreis der Freundes- und Familienbande zu schließen – der Großvater von Matthias Anton war der Schriftsteller Herbert Walz (bekannt mit dem Zauberer Popilus) „und ich war früher sehr oft bei den Walzens zuhause“, betonte Gaby Hauptmann, um nach einem ersten Saxophon-Stück von Bernd Konrad mit Klavierbegleitung von Matthias Anton vom mysteriösen Tod des Vaters der zwanzigjährigen Eva König, der einen Pfandleihladen in Konstanz betrieb, zu lesen.
Doch in den 1960er-Jahren habe es auch ein vergnügtes Leben am „Hörnle“, dem Strandbad von Konstanz gegeben für Eva König, ihre Freundin Ingrid, zwei junge Schwedinnen und vier Musiker. Einer davon war Bernd Konrad, der in Begleitung von Frank Golischewski am Klavier so wie damals am Hörnle in Konstanz „Petit fleur“ spielte.
Jeder hatte die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen
Gaby Hauptmanns Roman gefalle ihm sehr gut, meinte Konrad „sie hat alles was ich ihr erzählte, sehr gut umgesetzt“. Dass die 1960er-Jahre sehr schön gewesen sind, daran erinnerten sich Golischewski und auch Gaby Hauptmann: „Meine Nachbarin, Frau Birk hatte immer die Kittelschürze an, sie war eben die gute Hausfrau“. Trossingen sei damals für Kinder sehr schön gewesen „es war immer richtig was los, und jeder hatte die Möglichkeit, ein Instrument zu erlernen“, betonte Hauptmann und spann den Bogen wieder zu ihrem Buch: „Alle gesellschaftlichen Entwicklungen kommen darin vor.“
So war es eine große Hürde für die damals minderjährige Eva König, das Geschäft ihres verstorbenen Vaters zu übernehmen, doch schließlich wurde die Musik der Schlüssel sein für sie.
Improvisationen am Saxophon und am Klavier
Der Schlussakkord an diesem Abend war den Vollblutmusikern Bernd Konrad und Matthias Anton vorbehalten, die mit ihren Improvisationen am Saxophon und am Klavier das Publikum restlos begeisterten.
Danach bildete sich eine lange Schlange vor der Bühne, schließlich musste die Autorin ihre Bücher signieren, um danach mit ihrer großen „Trossinger Familienbande“ den Abend mit vielen Geschichten und Anekdoten gemütlich ausklingen zu lassen.
Bereits am 19. Dezember wird sie wieder Gast in Trossingen sein bei der Best-Off-Show anlässlich der Jubiläen 65 Jahre Konzerthaus Trossingen und 30 Jahre Rififi.