In einer Lesung im Heimathaus verpasste der ehemalige Lehrer in der Grund- und Hauptschule Tennenbronn seinen Erinnerungen einen Fassonschnitt.
Etliche seiner ehemaligen Schüler wollten gerne hören, was Werner K. Bliß „von Nackenpinseln und Effilierscheren“ zu erzählen hatte. Der ehemalige Mathelehrer in Tennenbronn (1972 bis 1985) hatte das Handwerkszeug von Friseuren zum Titel seines gerade erschienenen Buches über seine Kindheit und Jugend in Schiltach gemacht.
Der Autor war mit einem älteren Bruder im Haus mit dem „Salon E. Bliß“ aufgewachsen, wo längst der „Grohe-Klaus“ seine erfolgreiche Firma angesiedelt hat. Werner K. Bliß ist mit dem rasierenden und kämmenden Handwerk so eng verbunden, dass er nicht nur seine frühe Vergangenheit mit vielen Personen und ihren Geschichten in „Schdädle“ verbindet; auch seine Erlebnisse in einer Barbearia aus seiner Zeit als Lehrer in Porto (1985 bis 1991) und Lissabon flossen immer wieder als Replik in die Erzählung ein.
Als Geselle nach Schiltach
Der Vater war 1936 zu Meister Anton Schetter als Friseurgeselle nach Schiltach gekommen, hatte die Mutter kennengelernt und sich schnell als Fußballer und Sänger beliebt gemacht und auch weiterhin das Vereinsleben in vollen Zügen (auch im Glas) genossen. Die heute geschlossenen Wirtschaften standen damals in voller Blüte durch regen Zuspruch an Stammtischen, mit Kartenspielern, Vereinen.
So werden sie alle aufgezählt als Kunden im Salon, der Dinger-Fritz von der Spielvereinigung, die Wöhrles, die Bühlers, der Wortjongleur Ketterer-Sepp, der Traubewirt Erich, der Trautwein-Schorsch und der Sauerbrunn-Alfred, um nur einige zu nennen, die Werner K. in seinem Buch erwähnt.
Autogramme von Fußballhelden vergangener Zeiten
Zur Katastrophe des Buele kommt es als seine Sammlung der Tierle beim Friseurbesuch vom Bühler-Adolf vom hinteren Reichebächle von dessen Kindern Wilhelm, Franzle und vom Adolfle einfach „kabudd“ gemacht und wieder in den Karton gestopft werden. Dagegen war die Post vom ehemaligen Lehrmädchen Rosemarie 1962 ein Fest mit zwei Blockzetteln A4 mit Autogrammen von Uwe Seeler, Sepp Herberger, Hans Schäfer, Günter Sawitzki – Fußballhelden vergangener Zeiten. Fußball verbindet mit Portugal, wo der Friseur eine „Uwe-Seeler-Glatze“ hat und sich das Land mit Ballkünstler Eusebio 1966 die WM-Teilnahme sichert.
Gegen Ende regen sich auch zärtliche Gefühle
Gegen Ende der Erzählung regen sich beim Buele auch zärtliche Gefühle zu einem lieblichen Wesen Linda von einer Bahnstation über Hausach hinaus. Aber die Liebliche aus der Untertertia hält lieber Händchen mit einem zwei Jahre Älteren mit Beatlesmähne. Da hat der Sohn eines Friseurs mit exaktem Haarschnitt eines Hitlerjungen keine Chance, auch wenn vom Vater Erwin dem Grohe-Klaus längst der Typ Elvis verpasst wurde. Auf dem Buchtitel ist der gerettete Perückenkopf aus dem Salon E. Bliß abgebildet und auch die Rosen im kleinen Vorgarten an der Hauptstraße in Schiltach. Daran und an die kleinen Geschichten um den verschwundenen Salon könnten sich viele Leute in „Schdädle“ gerne erinnern.