Eng geht es zu in Horbs neuem Literatur-Hotspot: Die Lesung von Jürgen Sesterheim in Hackenbergs Antiquariat. Foto: Jürgen Lück

Andreas Hackenbergs Antiquariat wird zum neuen Literatur-Hotspot. Wer dabei war und warum (auch) das für Horb wichtig ist.

21 Quadratmeter. Jede Menge antiquarische Bücher in Regalen und auf Ständern. Zwischendrin sind 17 Gäste, die der Lesung lauschen. Der wahrscheinlich engste Kultur-Hotspot in Horb.

 

Freitagabend, 19.30 Uhr. Das Antiquariat von Hackenberg in der Neckarstraße ist schon voll. Gäste unter anderem: Ur-Grüne Kristina Sauter, Förderverein Stadtbibliothek, Stefan Dreher, Autor des ersten Horb-Krimis, Claudia Beuter, Leiterin des Stadtmarketings. Und Peter Haipt steht ganz hinten. Er hat den Wein spendiert.

Andreas Hackenberg begrüßt die Gäste: „Wie haben so viel Gäste wie nie hier auf den 21 Quadratmetern.“ Er startet die Lesung mit einem Auszug aus den „Fantastischen Geschichten rund um Nord- und Ostsee.“ Nach seinem Roman „Mörike, aber anders“ das nächste Projekt.

Veranstalter Hackenberg plant neue Buchreihe

Andreas Hackenberg: „Ich plane in meinem Verlag eine Bibliothek der schiefen Ebene. Ein Buch wird von meinem Bruder sein, der sich mit Demenz auseinandersetzt. Der zweite Band wird der von Jürgen Sesterheim mit seinen Taxigeschichten sein.“

Andreas Hackenberg lässt in seinen fantastischen Geschichten Willy Brandt mit Bruno Kreisky und Olof Palme Skat spielen. Foto: Jürgen Lück

Jürgen Sesterheim – bekannt von diversen Auftritten mit Bands oder Solo mit Saxofon. Doch bevor der studierte Architekt loslegt, steigt Hackenberg mit seinem subtilen Humor ein: „Die Sozialistische Alt-Internationale tagt. Das heißt, sie spielte Skat.“ In Lübeck. Klar, das Willy Brandt ein Herz mit vier Damen spielt und Bruno Kreisky und Olof Palme abzieht.

Jürgen Sesterheim bei der Lesung seiner Taxi-Geschichten im Antiquariat Hackenberg in Horb. Foto: Jürgen Lück

Dann startet Jürgen Sesterheim. Er hat von ihm gezeichnete Illustrationen vors Schaufenster gehängt, zeigt auf das mit dem Taxi: „Ich habe in Stuttgart Architektur studiert. Nebenbei bin ich Taxi gefahren. Das war eine unglaublich andere Welt. Ich hätte mein Studium fast an dem Nagel gehängt und ein Taxi gekauft.“

Taxigeschichten hautnah – so ist die Sesterheim-Lesung

Seine erste Lesung. Sesterheim singt die Zeile: „And the only thing a gambler needs, is a suitcase and a trunk“ aus „House of the Rising Sun“. Und schon sitzen alle im Taxi, hören das Autoradio frühmorgens um 4 Uhr in Stuttgart-Zuffenhausen. Sesterheim zeigt die Zeichnung des Gastes, der gleich einsteigen wird. Der Autor: „Er flüstert: Ich habe meine Hose verschissen. Fährst Du mich heim? Ich zahle den doppelten Preis.“

Er bugsiert ihn auf eine Fußmattencollage hinten auf den Boden, den Hintern nach oben. Die Füße schauen aus dem Rückfenster: „An jeder Kreuzung mit roter Ampel war ein Gelächter. ,Tod im Taxi’ war einer der Kommentare, als die Fahrer nebenan Füße aus dem Rückfenster sahen.“

Warum die Lesung nicht nur Claudia Beuter begeistert

Das Ende der Geschichte: Der Gast steigt in Möhringen aus, zahlt 50 Mark. Und sagt: „Du kannst nach Hause fahren und hast deine Ruhe. Ich muss jetzt hoch mit der verschissenen Hose zu meiner Frau.“

Autor Jürgen Sesterheim hat Illustrationen aus seiner Taxifahrer-Zeit gemacht: Hier vom Rotlichtviertel in Stuttgart. Foto: Jürgen Lück

So geht es Schlag auf Schlag. Kurzweilig, spannend, atmosphärisch und nachdenklich. Die Lesung schlägt voll ein, reißt alle mit. Auch Dank Sesterheims Zeichnungen, die das Gelesene illustrieren und seinen Taxi-Geheimnissen, die er zwischendurch ausplaudert.

Nach gut zwei Stunden mit Pause ist die Lesung vorbei. Und die Gäste sind begeistert. Claudia Beuter, bis zur Ernennung von Sven Gnass auch erfolgreiche Interims-Kulturmanagerin: „Das hat mir gefallen. Es war schön gemütlich – und Jürgen Sesterheim ist ein echter Entertainer.“

Ein Literaturzirkel wie früher. Klein, intim. Eine neue Perle in Horb. Das nächste Mal zu genießen am 2. Mai. Hackenberg: „Da wird zwischen 10 und 19 Uhr mein erster Ladengeburtstag gefeiert.“ Lesungen gibt es unter anderem von Sesterheim, Walle Sayer, Georg Djuga, Kristina Sauter, Stefan Dreher und Kultur mit Cello-Gang, Puppentheater und Martin vom Ende.

Das steckt hinter dem „Horber Bücherfrühling“ bei Hackenbergs Ladengeburtstag

Anlass.
 Zum ersten Ladengeburtstag vom Hackenbergs Antiquariat in der Neckarstraße 40 gibt es ein großes Fest am Samstag, 2. Mai, von 10 bis 19 Uhr.

Lesungen.
 Es lesen Horber Autoren, die mit ihren Werken zum „Horber Bücherfrühling“ beitragen. Georg Djuga: „Ein Sommelier auf dem Weg nach Santiago“ (10 Uhr). Walle Sayer: „Prosaminiaturen“ (11 Uhr). Jürgen Sesterheim: „Taxigeschichten“. (14 Uhr). Ur-Grüne Kristina Sauter (15 Uhr). Andreas Hackenberg: „Mörike, aber anders“ mit Jürgen Sesterheim (17 Uhr). Stefan Dreher: „Disneyland in Horb“. (18 Uhr).

Kultur.
12 Uhr. Cello-Gang der Musikschule. 13 Uhr. Puppentheater Tereschdin aus Stuttgart. 16 Uhr. Martin vom Emde (Songs und Tunes).