Die Reihe „Orte für Worte“ hat in der Lahrer Moschee Station gemacht. Mitarbeiter der Mediathek haben dort verschiedene Märchen und Mythen vorgestellt. Mit dabei waren unter anderem eine Geschichte aus „1001 Nacht“ sowie „Dornröschen“.
Die Moschee in der Vogesenstraße ist zur Kulisse für Erzählungen geworden. In der Reihe „Orte für Worte“ haben Petra Fenstermacher, Leiterin der Mediathek, Bibliothekarin Hava Yildiz und die ehemalige Leiterin Birgit König Märchen und Mythen vorgestellt. Erstaunlich ist, was die Mediathek dazu alles im Bestand hat.
Yildiz, die neben ihrer Arbeit in der Mediathek auch zur Gemeinde der Moschee gehört, fing mit der Ouvertüre aus „1001 Nacht“ an. Ein von der Liebe enttäuschter König sucht sich jede Nacht eine junge Braut und tötet diese am Morgen, damit sie ihn nicht auch enttäuschen kann. Bis Scheherezade, die Tochter des Wesirs, anfängt, dem Sultan Geschichten zu erzählen und diese am Morgen unterbricht. Neudeutsch würde man von einem „Cliffhanger“ sprechen. Das geht über 1001 Nacht, am Ende leben der Sultan und Scheherezade glücklich bis an ihr Lebensende.
Das Trio in der Moschee, das den gut 30 Zuhörern abwechselnd Geschichten vorlas, nahm den Faden aus der orientalischen Erzählsammlung auf. Zu jeder der Geschichten gab es eine kurze Einleitung. Gut kamen dabei moderne und in Reimform nacherzählte Märchen an.
Yildiz, die mitunter selbst schmunzelte, las ein Kunstmärchen des berühmten dänischen Autors Hans Christian Andersen vor, der ein altes Thema aufgegriffen hatte: Eine Prinzessin kann sich nicht für einen Bräutigam entscheiden und hat dann am Ende das Nachsehen. Sie muss in diesem Fall einen vermeintlichen Schweinehirten 100 Mal küssen. Ganz so wild wird es aber nicht, denn der Schweinehirte ist in Wahrheit der zuerst verschmähte Prinz.
König folgte mit „Dornröschen“, das zur Sammlung von Jacob und Wilhelm Grimm gehört. Allerdings ist die Geschichte keine traditionelle deutsche Legende, sondern gehört zu einer Märchensammlung des Franzosen Charles Perrault, der die Geschichte als „La belle au bois dormant“ 1697 veröffentlichte.
Parabel über Alexander den Großen
Eine Parabel des Schriftstellers Rafik Schami über Alexander den Großen, der nach der Eroberung eines Teils Indiens nach China einmarschierte, zeigte, welche Bedeutung diese Art Geschichten auch für Autoren der Gegenwart haben. Der Kaiser überlistet den makedonischen Eroberer. Alexander beschließt, durch die Weisheit seines Gegenüber geläutert, den Feldzug in China friedlich zu beenden. Kein Schelm, wer da an die leider sehr aktuelle Gegenwart denkt. Eine Reihe von Fabeln von Hodscha Nasreddin, die Paul Maar nacherzählt hat, mit einem immer lustigen und unerwarteten Ende, waren ein gelungener Abschluss.
Der Wolf spielt Saxofon
Die drei Vorleserinnen kennen die Bücher der Mediathek. Mit Ausnahme der Fabeln stammen die Bücher, aus denen sie in der Lahrer Moschee vorlasen, aus dem Bestand der Bücherei im Haus zum Pflug. Gerade die gereimten Kinder- und Hausmärchen sind sicher eine heute interessante Alternative zu der traditionellen Sammlung, wie sie die Brüder Grimm ursprünglich einmal veröffentlicht haben.
Und wer die Geschichte von Blaukäppchen kennengelernt hat, der wird wohl künftig keine Angst vor dem bösen Wolf haben. In dem Märchen hat dieser nämlich einen großen Mund, weil er gerade lernt, Saxofon zu spielen. Und seine großen Zähne helfen dem Wolf beim Lächeln.
„Spätlese“
Am Mittwoch, 29. Mai, zwischen 18.30 Uhr und 21.30 Uhr hat die Mediathek länger geöffnet. Unter dem Titel „Spätlese“ können Besucher das multimediale Angebot der ehemaligen Stadtbücherei am Abend kennenlernen. Dabei gibt es Getränke und bei schönem Wetter Platz, um im Innenhof zu schmökern und auch zu plauschen.