Zum Umzug des Vermarkters des Wohnprojekts an der Rochus-Merz-Straße hat der Schramberger Leser Howard Nagel folgende Meinung.
„Zero Bills“
Im Redaktionsbeitrag sowie in den aktuellen Verkaufsunterlagen zum Bauprojekt an der Rochus-Merz-Straße wird wiederholt mit dem Begriff „Null-Energiekosten-Haus“, beziehungsweise „Zero Bills“ geworben. Diese Darstellung erscheint aus meiner Sicht missverständlich. Ein Gebäude kann physikalisch keine dauerhaft energiekostenfreien Zustände aufweisen.
Tatsächlich handelt es sich um ein Effizienzhaus-40-Gebäude mit Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und Wärmepumpe – also um bewährte, aber kostenintensive Technik, deren Herstellung, Betrieb und Instandhaltung und Wartung mit Aufwendungen verbunden sind. Die beworbenen „0 Euro Stromkosten“ beruhen nach den öffentlich zugänglichen Unterlagen auf einem zeitlich befristeten Tarifmodell eines Energieanbieters. Diese Zusage gilt ausdrücklich nur für mehrere Jahre. Welche Regelungen danach greifen – etwa bei veränderten Strompreisen, sinkenden Erträgen durch Alterung der Batteriespeicher, Wartungs- und Instandhaltungskosten oder geänderten Tarifbedingungen – bleibt offen.
Zudem wird in den Darstellungen die reale Hanglage des avisierten Bauprojektes mit erheblicher Verschattung, insbesondere im Winterhalbjahr, kaum thematisiert, obwohl sie für den tatsächlichen Solarertrag von wesentlicher Bedeutung ist. Hinzu kommt, dass Wärmepumpen einen nicht unerheblichen Strombedarf aufweisen und ihre Wirtschaftlichkeit maßgeblich davon abhängt, in welchem Umfang der erforderliche Strom tatsächlich vor Ort durch Photovoltaik erzeugt werden kann.
Nachhaltiges Bauen ist wichtig und notwendig. Gerade deshalb sollte die Kommunikation klar zwischen baulichem Energiestandard, technischer Ausstattung und zeitlich begrenzten vertraglichen Modellen unterscheiden. Begriffe wie „Zero Bills“ können eine Dauerhaftigkeit suggerieren, die so nicht gegeben ist.
Nach eigener Recherche kommt hinzu, dass es in Deutschland bislang keine belastbare, flächendeckende Zahl tatsächlich fertiggestellter und dauerhaft betriebener „Zero-Bills-Häuser“ gibt. Der Begriff bezeichnet derzeit keinen einheitlichen Gebäudestandard, sondern eine Kombination aus Pilotprojekten, Herstellerkooperationen und befristeten Tarifmodellen, die je nach Projekt unterschiedlich umgesetzt sind. Für Kaufinteressenten bleibt m. E. damit unklar, wie viele dieser Häuser real existieren und unter welchen konkreten Voraussetzungen die beworbenen Nullkosten gelten.
Abschließend sei richtiggestellt, dass der beim Regierungspräsidium Freiburg anhängige Widerspruch gegen das Bauvorhaben nicht von einem einzelnen Anlieger, sondern von mehreren Betroffenen erhoben wurde.
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