Zur Schließung des Krankenhauses in Donaueschingen vertritt unsere Leserin Jeniffer Schaefer aus Donaueschingen folgende Meinung.
Mit der beschlossenen Schließung des Krankenhauses verliert Donaueschingen erneut ein wichtiges Stück öffentlicher Infrastruktur – und viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich inzwischen zurecht: Welche Zukunft hat diese Stadt eigentlich noch?
Seit Jahren fehlt eine erkennbare Stadtentwicklung mit Vision und Mut. Während andere Städte versuchen, Innenstädte zu beleben, junge Menschen anzuziehen und Lebensqualität zu schaffen, wirkt Donaueschingen zunehmend wie eine Stadt im Rückzug. Die Innenstadt leidet unter immer mehr leerstehenden Ladenlokalen.
Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass sich das Angebot fast nur noch auf Optiker, Hörgeräte-Anbieter und einige wenige Dienstleister konzentriert. Für junge Menschen gibt es dagegen kaum attraktive Treffpunkte, kulturelle Angebote oder Orte, an denen Leben entsteht. Wer jung ist, orientiert sich oft schnell Richtung Freiburg, Konstanz oder Villingen-Schwenningen – weil dort Perspektiven und Urbanität spürbar sind.
Städtische Angebot schrumpft
Besonders widersprüchlich wirkt dabei die Vielzahl neuer Wohnbauprojekte. Überall entstehen Neubauten und neue Wohnquartiere – doch gleichzeitig schrumpft das städtische Angebot immer weiter. Was nützen neue Wohnungen, wenn gleichzeitig Infrastruktur, medizinische Versorgung, Einzelhandel, Aufenthaltsqualität und Angebote für Familien und Jugendliche abgebaut werden? Eine Stadt wächst nicht allein durch neue Gebäude, sondern durch Lebensqualität und funktionierende Strukturen. Und nun verschwindet auch noch das Krankenhaus. Natürlich mögen wirtschaftliche Argumente vorgebracht werden. Aber ein Krankenhaus ist weit mehr als ein Kostenfaktor. Es ist Teil der Daseinsvorsorge, ein Standortfaktor und auch ein Stück Sicherheit und Identität für eine Stadt.
Stadt verliert an Bedeutung
Man muss sich deshalb die unbequeme Frage stellen: Welche Einrichtungen sollen eigentlich noch bleiben? Und was tut die Politik aktiv dafür, dass Donaueschingen nicht weiter an Bedeutung verliert? Eine Stadt lebt nicht allein von schöner Vergangenheit und Fürstenberg-Tradition. Sie braucht Zukunftsideen, Aufenthaltsqualität, Infrastruktur und Angebote für alle Generationen. Wenn all das nach und nach verschwindet, darf man sich über Frust und Resignation in der Bevölkerung nicht wundern.
Jennifer Schaefer, DonaueschingenSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.