Foto: Schwarzwälder Bote

Unser Leser Berthold Geyer zeichnet ein differenziertes Bild gegenwärtiger Entwicklungen mit Blick auf Donaueschingen.

Sicherlich ist die Schließung des Donaueschinger Krankenhauses ein Verlust bei der öffentlichen Infrastruktur. Das gilt auch für die ganze Südbaar. Dennoch scheint mir die Meinung zur zunehmenden Bedeutungslosigkeit der „kleinen“ Großen Kreisstadt Donaueschingen doch sehr von Frust und Resignation geprägt. Etwas Relativierung wäre angebracht. Es ist ein generelles Problem aller Städte. Läden schließen, die Disco und das Kino öffnen zum letzten Mal. Bei der Gastronomie sieht es nicht besser aus. Da wäre es doch Zeit, auch nach den Gründen zu fragen.

 

Ist es zwischenzeitlich nicht gang und gäbe, bequem und billiger im Internet bei Amazon und Temu zu shoppen? Aus dem Kinobesuch wird das Heimkino mit dem privaten Mega-Bildschirm. Fassen wir uns an die eigene Nase – an dieser Entwicklung sind wir alle beteiligt. Daraus ein Stadt- oder Staatsversagen zu konstruieren, ist derzeit in Deutschland leider üblich. Infrastruktur: Kita, Kindergarten, Schulen, Wasserversorgung, Abwasser, Feuerwehr, Bibliothek, und, und, und – sind keine Daseinsvorsorge? Dass Städte intensiv versuchen, Industrie- und Gewerbebetriebe anzusiedeln, ebenfalls.

In der eigenen Stadt einen Arbeitsplatz zu finden – egal? Dass zu viele neue Wohnungen gebaut werden, ist eine Kritik, die äußerst selten zu hören ist. In Städten wie Freiburg oder Konstanz, mit der von der Leserin gewünschten Urbanität und Perspektive, wären Menschen und Familien glücklich über neue Wohnungen. Eine ganz andere Sichtweise auf das tägliche Leben.

Augenmaß nicht verlieren

Bei aller in Teilen vielleicht berechtigten Kritik darf das Augenmaß nicht verloren gehen. Auch Stadtverwaltung und Gemeinderat haben keine Handhabe, unrentable Geschäfte am Leben zu erhalten. Die Zulassung von Ärzten liegt letztlich in der Hand der Kassenärztlichen Vereinigung. Und der Donauquellsommer 2025 war ein Versuch – ich glaube, es wurde mehr kritisiert als gelobt. Es ist nicht als Moralpredigt gemeint, aber ist in unserem Land wirklich alles so frustrierend, dass wir resignieren müssen?

Liegt es nicht zum Teil auch an unseren Ansprüchen und der hohen Erwartungshaltung an den Staat und die Kommunen allgemein? Dies ist meine Sichtweise als ehemaliger Gemeinderat aus der Kleinstadt Bräunlingen.

Berthold Geyer, Bräunlingen

Schreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.