Bürger aus Rottweil teilen gespaltene Meinungen über die Sparmaßnahmen der Stadt. (Archivbild) Foto: Haberer

Die verkündeten Sparmaßnahmen in Rottweil sowie die Parkgebühr im Rottweiler Parkhaus sind ein ständiges Diskussionsthema. Unsere Leserin Beate Kalmbach entgegnet der Kritik.

Parkgebühren und „Sparhammer“ auf einer Seite: Oben regt man sich auf, dass etwas Geld kostet, was man gerne umsonst hätte, unten werden Ausgaben gestrichen. Der Hammer wird „alle treffen“. Das stimmt so sicher nicht. Er trifft die, die sich nicht mehr an eine Quartiersmanagerin oder Integrationsbeauftragte wenden können, ungleich stärker als jene, die halt ein subventioniertes Event weniger besuchen oder dafür einfach ins Umland fahren – wofür man dann gerne Kosten in Kauf nimmt. Dann deckt sich der Kreis derer, die sich über Parkgebühren echauffieren, in weiten Teilen mit denen, die Soziales für verzichtbar halten.

 

Rottweil war nie ein Einkaufs- oder Erlebniseldorado, wie manch Oberzentrum in der Nähe, wo die Parkhäuser mehr kosten und niemand sich über drei Minuten Fußweg ins Zentrum mokiert. In Rottweil gibt es gleichwohl tiptop Gastronomie und klasse Läden für alles, was es braucht im Dasein.

Wer sich über etwas Parkgebühr aufregt, weiß das nicht zu würdigen und ist, freundlich umschrieben, wenigstens kleinlich.

Und weshalb kalkuliert jemand beim sonntäglichen Kirchgang klaglos Geld für den Klingelbeutel ein, hat aber keinen Euro übrig für die Stadt, in der die Kirche steht? Der öffentliche Raum ist nicht umsonst. Aufregung und Boykott der Parkhäuser drücken ja etwas ganz anderes aus: den Anspruch, Straße und öffentlicher Raum gehörtem dem Autobesitzer, der Vorfahrt hat bis vor die Ladenkasse. Der „Sparhammer“ soll andere treffen. Ausgaben für gesellschaftlichen Zusammenhalt kann man sich leider nicht mehr leisten. Dabei ist ein Euro Parkgebühr die Stunde gar keine Kröte, sondern allenfalls eine Kaulquappe.

Beate Kalmbach, Rottweil

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