In der Kulturreihe „Lesereise quer Beet“ rund um Freudenstadt ging es in Dietersweiler um einen alternativen Lebensstil, dem sich die Moderatorin und Autorin Bärbel Schäfer hingab.
„Eine Herde Schafe, ein paar Gummistiefel und ein anderer Blick aufs Leben“: In einem Satz lässt sich der Selbsterfahrungstrip von Bärbel Schäfer zusammenfassen. So lautet auch der Titel ihres neuen Buches.
Da ist die deutschlandweit bekannte taffe Moderatorin, die es satt hat, weitestgehend nur Stadt- und Studioluft zu atmen und von den Freuden des Landlebens so gut wie keine Ahnung zu haben. Was die Scholle hervorbringt, kennt sie nur vom Gemüsehändler, zumindest Bio muss es sein. Das hat ihr bislang gereicht an ökologischen Einsichten und Horizonterweiterungen.
Auf der Suche nach etwas anderem, das einen ausfüllt
Verantwortung für die Umwelt und das Klima? Bärbel Schäfer graust es, wenn sie an die vielen Flugstunden und damit an den CO2-Ausstoß denkt, die ihre TV-Gäste der Umwelt antun mussten. Aber damit ist jetzt Schluss, sagt sie sich eines Tages. Schließlich muss es auch etwas anderes geben, das einen ausfüllt, mit sich ins Reine kommen lässt und das Klima-Gewissen halbwegs beruhigt.
Aus der Schaf-Affinität ihrer Kindheit heraus, schließt sie sich für ein Jahr, jeweils samstags, einer Schäferfamilie an, deren Leben und Beruf ihr neue Sinninhalte erschließen.
Weit mehr Gäste als zunächst erwartet
Im Garten der Familie Höß war gut leben an diesem Leseabend. Die Gastgeber Josephin und Manuel Höß hatten im Verein mit Angehörigen, Freunden und dem Ortschaftsrat eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die keine Wünsche offenließ. Am Ende kamen um die 85 Gäste zusammen, weit mehr als zunächst erwartet, die sich sowohl an der Gartengestaltung als auch am frisch gebackenen Flammkuchen aus dem hauseigenen Backhaus und einem großen Getränkeangebot erfreuten.
Der schaffige Ortsvorsteher Marius Dölker, der die Gelegenheit nutzte, um die Gemeinde Dietersweiler als „den schönsten und besten“ Teilort Freudenstadts hochleben zu lassen, eröffnete die Lesung. Tourismusdirektorin Carolin Schölzl hob in ihrer Begrüßung auf die Verdienste von Thalia-Geschäftsführerin Gudrun Krüper um die Betreuung der Kulturreihe ab. Oberbürgermeister Adrian Sonder war an diesem Abend aller Repräsentationspflichten ledig und konnte sich als Gast entspannt zurücklehnen.
Landleben lehrte Schäfer Verantwortung für Natur
Bärbel Schäfer demonstrierte höchste Professionalität mit ihrem Auftritt. Nicht nur, dass sie sich konditionell voll auf der Höhe zeigte, auch mit launigen Zwischenbemerkungen hielt sie die Gäste souverän auf Linie. Und das alles auch mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Das Publikum hatte großen Spaß an der leichtfüßigen, flüssigen Sprache.
Das selbstgewählte zeitweilige Landleben lehrte Schäfer eine ganze Menge: Ausgefüllt sein, Zufriedenheit mit dem Geleisteten, Verantwortung für Natur, Tiere und Menschen. Die Schafpsychologie machte ihr klar, dass sie sich nicht sehr von der menschlichen unterscheidet: „Auch Schafe mögen geregelte Abläufe und Routine. Sie sind die Beamten unter den Tieren.“
Ihr Appell: „Macht euch schmutzig“
Der Umgang mit den Schafen und Ziegen ging nicht ab ohne leichtere Blessuren, mitunter auftretende Selbstzweifel und das Hinterfragen eigener tradierter, fragwürdiger, Verhaltensweisen.
Am Ende appelliert sie an die Mitmenschen: „Glaubt mir, das Glück liegt nicht nur in digitalen Tools und Gadgets. Macht euch schmutzig, fasst Baumrinden an, sägt und schleppt, arbeitet in der Natur.“ Na dann.
Das Buch: Bärbel Schäfer: Eine Herde Schafe, ein paar Gummistiefel und ein anderer Blick aufs Leben. Kösel-Verlag München 2023. 256 Seiten kartoniert. 22 Euro.