Sozialarbeiter Matthias Bächle im Gespräch mit Mariam, eine aus Eritrea stammende Mutter von zwei kleinen Kindern. Die junge Frau ist dankbar für die Unterstützung durch das Integrationsmanagement. Foto: Siegfried Feuchter

Auch wenn die Lebenssituation einer alleinerziehenden jungen Frau aus Eritrea alles andere als einfach ist, ist sie voller Optimismus.

Mariam, wie wir die junge Mutter von zwei aufgeweckten vier und fünf Jahre alten Mädchen in diesem Bericht nennen, ist 29 Jahre alt, alleinerziehend und lebt seit sechs Jahren in Deutschland. Sie steckt voller Energie und lässt sich nicht so schnell unterkriegen.

 

In Eritrea, wo sie aufgewachsen ist, herrscht nicht nur politische Instabilität, in dem ostafrikanischen Land – wo weite Teile der Bevölkerung in Armut leben, ist es auch um die Sicherheit und die Freiheit nicht zum Besten bestellt. Schon deswegen und wegen fehlender Perspektiven war Mariam 2019 allein über den Sudan, Libyen und dann mit einem Boot nach Italien geflüchtet, ehe sie nach Deutschland gelangte.

Über die Landeserstaufnahmestelle in Heidelberg kam die junge Frau schließlich in die Gemeinschaftsunterkunft nach Efringen-Kirchen und 2021 in die Anschlussunterbringung nach Lörrach. „Es war eine schwierige Flucht“, stellt Mariam im Gespräch mit unserer Zeitung fest, die mit beiden Beinen im Leben steht und mittlerweile schon gut Deutsch spricht. Der Vater der beiden Kinder lebt seit der Trennung in Nordrhein-Westfalen.

Froh über kleine Wohnung

Zwischenzeitlich hat die 29-Jährige auch Dank der Bemühungen von Sozialarbeiter Matthias Bächle, der seit zehn Jahren bei der Caritas als Integrationsmanager in der Flüchtlingsbetreuung im Welcome-Center des Lörracher Rathauses tätig ist, das die Caritas und die Diakonie im Auftrag der Stadt Lörrach betreiben, eine kleine, 41 Quadratmeter große Wohnung für sich und ihre beiden Töchter gefunden. Ein Zimmer für Wohnen und Schlafen sowie eine kleine Küche und Bad – die junge Frau stellt keine Ansprüche und ist froh, jetzt bessere Wohnverhältnisse als in der Gemeinschaftsunterkunft gefunden zu haben.

„Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Mariam, die darüber hinaus auch zu schätzen weiß, welche Unterstützung sie zur Bewältigung des Alltags und Beratung zum neuen Lebensumfeld beim Integrationsmanagement erhält. Das fängt bei der Überwindung bürokratischer Hürden und beim Ausfüllen von Anträgen an. Die Sozialarbeiter wie Matthias Bächle leisten Beistand für ein selbstständiges Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Die Eriträerin fühlt sich in Lörrach wohl und will sich hier mit ihren beiden Töchtern etablieren.

Wichtige Anlaufstelle

Matthias Bächle und seine Kollegen von der Caritas und der Diakonie sind geflüchteten Menschen willkommene und wichtige Ansprechpartner. Sie begleiten die ratsuchenden Flüchtlinge, damit sie möglichst ein eigenständiges Leben führen können. Laut Gesetzgeber sollte dies innerhalb von drei Jahren möglich sein. „Wenn man sich aber die unterschiedlichen familiären Situationen der Geflüchteten anschaut, dann ist ein solcher Zeitraum oft illusorisch, da bedarf es einer längeren Starthilfe“, weiß Matthias Bächle.

Für die Betreuung geflüchteter Menschen hat das Welcome-Center viereinhalb Stellen, wobei rund 1000 Klienten betreut werden. Da vom Januar an die Finanzierung dieser Stellen gekürzt wird, weil die Bundesregierung Änderungen für Ukrainer beschlossen hat, gibt es im neuen Jahr eine Vollzeitkraft weniger. „Doch wir sind für diese Menschen nach wie vor erste Anlaufstelle“, sagt Bächle zu dem dadurch nicht geringer werdenden Betreuungsaufwand. „Immer mehr unserer Leute finden eine Beschäftigung, ob Praktikum, Minijob, Teilzeit oder Festanstellung.“

Der Sozialarbeiter bezeichnet Mariam als ein sehr positives Beispiel dafür, wie ein geflüchteter Mensch mit Willen und Tatkraft selbst viel zu ihrer Integration beiträgt. Die junge Frau drückt vormittags, wenn ihre Kinder in der Kita sind, bei der Ifas GmbH, einem zertifizierten Bildungsträger und Dienstleister für Bildung und Arbeit, die Schulbank und macht im kommenden Jahr ihren Hauptschulabschluss. Darüber hinaus lernt sie an zwei Nachmittagen in der Woche mit einem Ehrenamtlichen aus dem Helferkreis, um den Unterrichtsstoff zu vertiefen.

Hauptschulabschluss

Mariam will nach dem Schulabschluss im Juni nächsten Jahres einen Beruf erlernen. Ihr Traum: „Ich würde gern Krankenpflegerin werden.“ Wenn das wegen der Kinder nicht möglich ist, weil eine Krankenpflegerin auch an Wochenenden sowie an Nachmittagen und auch mal nachts arbeiten muss, ist sie auch für andere Berufe und Tätigkeiten offen: „Ich will in jedem Fall arbeiten“, sagt Mariam entschlossen. „Deutschland hat mich gut aufgenommen, da will ich etwas zurückgeben.“