Sandra Günther gibt Lerntipps für Ältere. Foto: Silke Thiercy

Bei den Bildungsträgern starten die neuen Semester. Viele ältere Menschen überlegen sich, eine Fremdsprache zu lernen. Aber ist das als Senior so einfach? Sandra Günther erklärt, wie reifere Semester gut lernen können.

„Jeder kann in jedem Alter lernen“, sagt die Expertin. „Im Alter geht das vielleicht langsamer, aber es geht.“ Sandra Günther stammt aus Norddeutschland, seit zwei Jahren lebt die ehemalige Berufsschullehrerin in ihrer Wahlheimat Streichen.

 

In Buxtehude hat sie viele Jahre lang Englisch-Kurse für ältere Menschen gegeben. Ihre Erfahrungen möchte die 48-Jährige nun in der Eyachstadt teilen.

Französisch auffrischen? Englisch ganz neu lernen? Und das als Senior? „Übung macht den Meister“, erklärt Günther. Ältere Menschen würden vielleicht mehr Wiederholungen brauchen als junge Menschen oder Kinder. Aber durch das Wiederholen blieben die Vokabeln besser im Langzeitgedächtnis abgespeichert.

Sandra Günther: Ältere können das Erlernte besser verknüpfen

Und noch einen Bonus attestiert die Kursleiterin den Senioren: die Lebenserfahrung. „Ältere können das Erlernte besser verknüpfen und sich Eselsbrücken bauen.“ Anders als Schüler „lernen reife Erwachsene ja nicht nur für die nächste Klausur“, fügt sie hinzu und lacht.

Ums Vokabeln pauken kommen auch die älteren Schüler nicht herum. „Sprache lebt nun einmal von Wörtern“, erläutert Günther. Die Grammatik sei da nicht so wichtig, man müsse sich von den strengen Regeln aus der Schulzeit verabschieden.

Im Klassenzimmer sollte möglichst kein Fehler gemacht werden, denn nur was richtig gesagt wurde, war auch gut. Dabei seien Fehler wichtig, denn „nur daraus lernt man“.

Um die Scheu vor dem Sprechen zu verlieren, könne es hilfreich sein, in einer kleinen Gruppe zu lernen. Und zwar mit Menschen, die etwa gleich alt seien und etwa das gleiche Tempo hätten.

Senioren sind motiviert

Aus ihrer Erfahrung in Buxtehude weiß sie, dass die wöchentlichen Unterrichtsstunden für viele ältere Menschen auch ein wichtiger sozialer Faktor seien, um mal unter die Leute zu kommen. Oft geschehe es, dass Teilnehmer sich privat treffen. „So kann man der Einsamkeit entgehen und neue Freunde finden.“

Der Vorteil, im Alter eine neue Sprache zu erlernen, liege auch darin, dass die Menschen lernen wollten und nicht müssten wie Schüler. Die Senioren seien motiviert.

Zurück zur Grammatik: Der Satzbau sei nicht so wichtig. Günther gibt ein Beispiel: Wer auf Reisen ist, müsse manchmal nach dem Weg fragen oder Essen bestellen. Das funktioniere auch dann, wenn man nur einzelne Wörter kenne. Die Frage „train station?“, also Bahnhof, reiche aus, damit der Einheimische einem mit Gesten den Weg zeigen kann. Im Restaurant reiche es aus, wenn man ein Wasser mit dem Wort „water“ bestellt. „Wir werden das Wasser bekommen, ohne dass wir in einem ganzen Satz darum bitten.“

Erfahrungen aus Buxtehude

Auch empfehle es sich, Filme in Englisch zu schauen – auch wenn man erst mal nichts versteht. „Oder man schaltet die Untertitel ein“, rät Günther. Auch Apps könnten hilfreich sein.

„Oft wird gedacht, dass man im Alter kein Interesse mehr an Neuem hat“, räumt Günther ein. Das stimme so nicht. Das gelte nicht nur für Fremdsprachen. Wer Neues lernen wolle, der solle sich ein Gebiet suchen, dass ihn wirklich interessiert. „Wer sagt denn, dass man mit 70 oder 80 nicht noch malen oder töpfern lernen kann?“

Die älteste Teilnehmerin in Buxtehude sei „mindestens Mitte 80 gewesen“, erzählt die Dozentin. „Ihr genaues Alter wollte sie aber nicht verraten.“