Ullrich Dittler erforscht an der Hochschule Furtwangen moderne Lernformen und Wege der Wissensvermittlung im digitalen Zeitalter. Er ist Autor und Herausgeber von Büchern.
Die Fragen, auf welchen Wegen sich Wissen am besten vermitteln lässt und welche Medien und didaktische beschäftigen Ullrich Dittler, der an der Hochschule Furtwangen (HFU) als Professor für Interaktive Medien unter anderem die Fächer „E-Learning“ und „Medienpsychologie“ lehrt.
„Angefangen hat meine Begeisterung für das Thema Wissen während meines Pädagogikstudiums mit Schwerpunkt Psychologie und Soziologie. In einem Forschungsprojekt der Uni München in Kooperation mit einer Münchner Großbank habe ich mich zum ersten Mal mit der Entwicklung von E-Learning beschäftigt“, erinnert sich Dittler.
Er studierte in der bayrischen Landeshauptstadt und hatte auch einen Nebenjob bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK).
„Software statt Teddybär“
„Einmal im Monat flog ich von München nach Berlin und beurteilte gemeinsam mit anderen Medienpädagogen einen ganzen Tag lang Videospiele. Dabei ging es um die Frage, welche Altersfreigabe einzelne Titel bekommen. Für meine Magisterarbeit habe ich mich dann auch mit Computerspielen beschäftigt“, erzählt Dittler. Er wählte den Titel „Software statt Teddybär“ und beschäftigte sich damit, ob sich Elemente aus Videospielen auch zur Wissensvermittlung eignen und in Lernprogramme übertragen lassen.
„Heute gibt es dafür den Begriff Gamification, damals was das Thema so neu, dass ein Verlag für eine Veröffentlichung auf mich zukam“, berichtet Dittler. Daraus entstand sein erstes Buch, das zweite folgte umgehend: „Während meiner Zeit bei der USK habe ich regelmäßig Artikel über Computerspiele und Jugendschutz geschrieben, das waren dann so viele, dass auch sie als Buch veröffentlicht wurden. Aktiv war ich auch im Vorstand der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft und habe lange Jahre deren Buchreihe mitverantwortet, die sich mit den Erkenntnissen im stetig wachsenden Bereich des E-Learnings beschäftigt“, erzählt Dittler. Dass diese Buchreihe bis heute ein Erfolg ist, zeigt das Regal hinter dem Professor, in dem sich Dutzende Ausgaben aneinanderreihen.
Zwischenstation bei Bank
Nach seinem Studium leitete Dittler die Abteilung für E-Learning bei der Bank in München. Sein Tätigkeitsfeld sei gewachsen, als es zur Fusion zweier Banken kam und Schulungen für bis zu 20.000 Bankmitarbeiter gefragt gewesen seien. So entwickelte seine Abteilung computergestützte Lernanwendungen.
„Im Rahmen dieser Tätigkeit absolvierte ich auch den Online-Kurs ‚Experte für neue Lerntechnologien‘ der damaligen Tele-Akademie der HFU. Teil dieses Weiterbildungsangebots war auch ein Besuch am Standort im Schwarzwald. Das war mein erster Berührungspunkt mit Furtwangen und der Hochschule“. Dementsprechend interessiert war Dittler, als er im Jahr 2000 die Stelle als Professor für Interaktive Medien an der HFU entdeckte. Sei die grundsätzliche Frage „Wie kann man Wissen optimal vermitteln?“ doch die gleiche.
Lange war Dittler in die Leitung des Informations- und Medienzentrums der HFU involviert, während der Corona-Pandemie übernahm er die neue Koordinierungsstelle für digitales Lehren und Lernen (KDLL). „Pandemiebedingt musste die Hochschullehre praktisch über Nacht digital werden.“ Inzwischen leitet er das Zentrum für Lehren und Lernen (ZLL).
Wenig Lichtverschmutzung
Während Dittler als Wissenschaftler ein Auge auf die Zukunft hat, schaut er für sein Hobby tausende Jahre in die Vergangenheit. Für die Astrofotografie hat er sogar eine Sternwarte im Garten.
„In Furtwangen haben wir wenig Lichtverschmutzung und liegen auch sehr hoch – das sind ideale Bedingungen für die Astrofotografie. Es setzt alles in eine neue Perspektive, wenn man weiß, dass das Licht, das man gerade sieht, tausende von Jahren unterwegs war. Deepsky-Fotografie ist zwar die Königsdisziplin der Astrofotografie, aber gerne fotografiere ich auch die Sonne in verschiedenen Wellenlängen. Das geht deutlich schneller als die meist mehrere Stunden dauernde Deepsky-Fotografie. Man kann schon in einer Mittagspause schöne Aufnahmen machen, die die sich täglich verändernde Ansicht der Sonne dokumentieren“, schwärmt Dittler.
Artikel zu Astrofotografie und Equipment veröffentlicht
Sein Spezialwissen gibt Dittler im Wahlpflichtmodul Astrofotografie an Studierende weiter. Und seit über 20 Jahren veröffentlicht er Artikel zu Astrofotografie und Equipment in einer Fachzeitschrift. Wenig überraschend sagt er: „Die zahlreichen Artikel habe ich dann vor ein paar Jahren für ein Buch aufbereitet, das der Verlag als ‚umfangreichstes deutschsprachiges Werk zu Astrofotografie‘ bezeichnet – das ist ein ziemlicher Schinken“.
Mittlerweile ist er Autor und Herausgeber von 26 Büchern. Sein neues Werk befasst sich mit den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Hochschulen, ein weiteres Buch befindet sich auf der Zielgeraden und erscheint im Sommer. „Mich beschäftigt immer wieder die Frage, wie man Wissen zeitgemäß an bestimmte Zielgruppen vermitteln kann. Es ist wichtig das Thema immer wieder neu zu betrachten, denn bereits eine fünf Jahre alte Technologie kann für Jugendliche uralt wirken“, erläutert er.
Flexible Studiengänge
Besonders freut sich der Medienprofi daher darüber, dass seit 2025 die Geschäftsstelle für „The Bländed Learning“ an der HFU angesiedelt ist. In diesem Projekt werden flexible, neue Lern- und Studiengangsformate an neun Hochschulen in Baden-Württemberg koordiniert. Diese spannende Entwicklung möchte er unbedingt weiterverfolgen – vermutlich plant er schon sein nächstes Buch dazu.