Wer sich im Internet beispielsweise Musik herunterladen will, muss mancherorts sehr lange warten. Foto: dpa

In Lenningen testet das Land ein besonderes Modell, um schnelles Internet auch auf dem Land zu ermöglichen.

Stuttgart/Lenningen - Während in Ballungsgebieten die großen Betreibergesellschaften viel Geld in den Ausbau von DSL- und Glasfasernetzen investieren, bleiben Dörfer in Randgebieten außen vor. Immerhin geht die Landesanstalt für Kommunikation davon aus, dass es inzwischen eine flächendeckende Versorgung mit einem MBit pro Sekunde gibt. Im Ballungsgebiet werden die Daten aber sehr viel schneller übertragen. Kabel BW versorgt 75 Prozent aller Haus­halte im Land mit 100 MBit pro Sekunde. „Unser Netz ist sogar so leistungsfähig, dass wir bei Nachfrage durch unsere Kunden bis zu 400 MBit pro Sekunde anbieten könnten“, sagt Unternehmenssprecherin Melanie ­Degueldre-Beyer.

Der wesentliche Kostenfaktor bei der Verlegung der Kabel sei der Tiefbau. Interessant wird es, wenn eine Gemeinde ohnehin buddeln muss , wenn also etwa der Strom- oder Telefonanbieter Kabel und Rohre verlegen muss. „Wir sind ständig im Gespräch mit den betroffenen Städten und Gemeinden“, so Degueldre-Beyer. „Schließlich wollen wir so viele Kunden wie möglich erreichen.“ Ein schönes Beispiel etwa sei Leinfelden-Echterdingen. Dort kooperiert Kabel BW bei zwei Neubaugebieten jetzt mit den Stadtwerken. Gemeinsam werden Glasfaserleitungen bis in die Wohnungen verlegt. Diese Fibre-to-Home-Technik (FTTH) erlaubt eine Geschwindigkeit von einem GBit pro Sekunde. Das ist die derzeit schnellste Variante. Über diese Glasfaserleitungen werden die Nutzer mit Fernsehen, Internet und Telefon versorgt.

Grundsätzlich raten die Anbieter den Bürgern, die in noch nicht gut versorgten Gebieten wohnen, sich an ihren Bürgermeister zu wenden und um Unterstützung zu bitten.

Lenningens Ziel: Eine eigene Glasfaserleitung

Ein Beispiel, dass so etwas auch in einer kleineren Gemeinde funktioniert, ist Lenningen im Kreis Esslingen. Die Kommune besteht aus sieben Ortschaften – fünf liegen am Fuß der Alb, zwei auf den Höhen. Wegen dieser schwierigen Topografie, aber auch wegen einer Vielzahl von Schutzgebieten auf der Markung hat sich bisher niemand gefunden, der dort Breitbandkabel für einen schnellen Internetzugang verlegt. Jetzt finanziert das Land die Hälfte der Kosten von 1,5 Millionen Euro – und hofft auf Erkenntnisse für andere Gemeinden im Land.

Lenningen mit seinen 8800 Einwohnern kämpft seit 2005 um eine schnelle Internetanbindung. Doch die privaten Kabelanbieter meiden Gemeinden im ländlichen Raum, die sich auf eine große Fläche erstrecken, und suchen sich jene Orte aus, wo Geld zu verdienen ist. „2009 haben wir schließlich unsere Strategie geändert“, sagt Bürgermeister Michael Schlecht. Die Gemeinde suchte sich ein Fachbüro, das eine Konzeption für das Kabelnetz erarbeitete. „Unser Ziel ist eine eigene Glasfaserleitung in alle sieben Stadtteile“, sagt Schlecht.

Die Kosten von netto 1,5 Millionen Euro kann Lenningen nicht alleine schultern. Jetzt springt das Land in die Bresche: Der Ausbau wurde als Modellprojekt genehmigt, das Land erhofft sich Erkenntnisse, die auf andere Flächengemeinden übertragbar sind.

50 MBit pro Sekunde

Der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde (Grüne), überbrachte den Bewilligungsbescheid jetzt persönlich. Er betonte, „das Modellprojekt Lenningen ist ein Meilenstein für den Breitbandausbau im ländlichen Raum Baden-Württembergs.“ Es zeige, dass ein schnelles Internet auch bei schwierigen Rahmenbedingungen möglich sei. „Sie sind regelrecht umzingelt von Schutzgebieten“, sagte Bonde. So ist Lenningen umgeben von einem europäischen Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet (FFH), von einem Vogelschutzgebiet, einem Wasserschutzgebiet und einem weiteren Naturschutzgebiet.

„Die Breitbandversorgung im ländlichen Raum ist eine zentrale strukturpolitische Frage“, so Bonde. Überall dort, wo der Markt nicht selbst aktiv werde und sich ein Anbieter finde, seien die Gemeinden erheblich belastet. „Ich bin froh, dass Sie als Gemeinde vorausgegangen sind“, sagte Bonde Bürgermeister Schlecht. Denn auch im ländlichen Raum, der ein Drittel der Bevölkerung und ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes im Land stelle, sei das Internet nicht mehr wegzudenken. Nicht nur Ingenieurbüros oder Großunternehmen hätten große Datenmengen zu verschicken, sondern auch die Landwirtschaft.

Wegen der sensiblen Landschaft sollen in Lenningen nun Techniken zum Einsatz kommen, die alle Eingriffe in die Natur minimal halten. So werden weitgehend bestehende Trassen genutzt werden, wie Radwege etwa. Ein Teil der Glasfaserkabel wird in Stahlkonstruktionen verlegt, die in bestehende Leitungen, etwa für das Abwasser, eingebaut werden. Insgesamt werden 16 Kilometer Leerrohre verlegt. Ende 2012 soll die gesamte Maßnahme abgeschlossen sein, zurzeit läuft die Ausführungsplanung. Den Haushalten und Betrieben stehen dann Bandbreiten zwischen 16 MBit und 50 MBit pro Sekunde zur Verfügung.