Der Deutsche Aktienindex hat am Dienstagvormittag erstmals die Hürde von 20 000 Punkten übersprungen. Foto: dpa/Daniel Reinhardt

An der Börse ereignet sich Historisches: Der Leitindex Dax überspringt die Marke von 20 000 Punkten. Der offenkundige Widerspruch zur Tristesse in der deutschen Wirtschaft ist erklärbar, meint Matthias Schiermeyer.

Wie kann das sein? Die deutsche Wirtschaft versinkt in Tristesse. Gleichzeitig knackt der Börsenleitindex Dax die historische Marke von 20 000 Punkten – mit der erfreulichen Aussicht, dass es bei der gar nicht so unüblichen Jahresendrallye noch weiter nach oben gehen könnte. Allzeithoch statt Rezessionstiefpunkt – Aktienwelt und Realwirtschaft haben sich anscheinend gänzlich voneinander gelöst.

 

Donald Trump beflügelt Anlegerfantasien

Dafür gibt es Gründe: Insbesondere wird wird der Dax von den US-Börsen angetrieben. Schon der breit aufgestellte Index S&P 500 erklomm zuletzt immer neue Rekordhochs. Hinzu kommt, dass der Fokus des künftigen US-Präsidenten Donald Trump voraussichtlich auf Steuersenkungen und regulatorische Lockerungen liegt. Das befeuert Aktienkurse und lässt Anlegerfantasien global blühen.

Ferner sind die 40 Dax-Konzerne längst nicht nur auf dem deutschen Markt unterwegs. Ungefähr vier Fünftel der Umsätze werden im Ausland erwirtschaftet; speziell das US-Geschäft hat sich als Wachstumsmotor erwiesen. Die Konzerne profitieren von einer wachsenden Weltwirtschaft, was sie für die Schwächen hierzulande resistent macht.

Vor allem ist der Dax nicht mit der Automobilindustrie gleichzusetzen – von deren Strukturproblemen sind eher wenige Unternehmen um Mercedes, VW & Co. erfasst. Vielmehr ist ein Großteil der 40 im Leitindex versammelten Unternehmen erfolgreicher, als es die ökonomische Misere bei oberflächlicher Betrachtung annehmen lässt. Für sie geht es weiter aufwärts – aufgrund von Sonderkonjunkturen oder Restrukturierungsmaßnahmen etwa. Als Beispiele sind der Rüstungskonzern Rheinmetall, aber auch Dax-Elefanten wie Allianz oder SAP zu nennen. Auch Siemens, die Deutsche Telekom und andere erzielen nie erlebte Gewinne.

Dass all die positiven Tendenzen mit erheblichen geopolitischen Risiken verbunden sind, liegt auf der Hand. Die aktuellen Sparwellen zeigen es an: Etliche Unternehmen, die noch den Dax antreiben, wappnen sich für turbulentere Zeiten. Darauf sollten sich bei aller Euphorie über die 20 000 Punkte auch die Anleger im neuen Jahr einstellen.