Alev Kahraman leitet das Rhein-Center in Weil am Rhein seit 2019. Foto: Beatrice Ehrlich

Sommerserie: Auf einen Kaffee mit Alev Kahraman, Leiterin des Rhein-Centers in Weil am Rhein.

Zum Kaffee lädt Alev Kahraman ins „Café Perfetto“ ein, das vor kurzem in einer Passage des Rhein-Centers eröffnet wurde. Der Centermanagerin des großen Einkaufszentrums im Weiler Stadtteil Friedlingen imponiert die erfolgreiche Zuwanderungsgeschichte des syrischen Paars, welches das Café führt. Sie sind erst 2015 nach Deutschland gekommen.

 

Alev Kahraman ist 1970 in Duisburg geboren und in Dinslaken am Rand des Ruhrgebiets aufgewachsen. Ihr Vater war unter den ersten türkischen Gastarbeiter im Ruhrgebiet. Er begann im Bergbau als Knappe unter Tage. Er qualifizierte sich weiter bis zum Bergbauingenieur und arbeitete schließlich in einer führenden Position in einem Schachtbauunternehmen. „Das alles hat er auch einer starken Frau zu verdanken, die ihm den Rücken frei gehalten hat: meiner Mutter“, betont Kahraman.

Die Centermanagerin liebt Kunst und Kultur. Wäre es nach ihr gegangen, hätte sie nach dem Abitur Kunstgeschichte studiert. Als sie zum Bewerbungsgespräch zum ersten Mal nach Weil am Rhein kam, führte sie ihr erster Weg in die Fondation Beyeler. Erst danach bezog sie ihr Hotelzimmer in Alt-Weil und schaute erwartungsvoll dem kommenden Tag entgegen. Sie war im Begriff, einen wichtigen Schritt in ihrem Leben zu machen: die Rückkehr nach Deutschland.

Internationales Flair und viele Geschäfte: das Rhein-Center wurde 1991 gebaut und ist eines der großen Einkaufszentren in Weil am Rhein. Foto: Beatrice Ehrlich

Knapp 20 Jahre lang hatte sie Einkaufszentren in der Türkei geleitet, erst in Antalya, dann in der Hauptstadt Ankara, zuletzt in Istanbul, als ein Headhunter-Unternehmen sie kontaktierte. Es ging darum, die Leitung des Weiler Rhein Centers als größtes Center der Edeka-Gruppe zu übernehmen. Nach einigem Nachdenken sagte sie ja.

Dem Wunsch der Eltern folgend, eine solide Laufbahn einzuschlagen, hatte sie Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Absatzhandel an der Universität-Gesamthochschule Duisburg (seit 1994 Gerhard-Mercator-Universität) studiert.

New-York-Aufenthalt weckt Lust aufs Auswandern

Als Trainee in der Textilwirtschaft verbrachte sie zwei Monate in New York, und wäre am liebsten dort geblieben. Sie bewarb sie sich für eine „Green Card“, um in die USA einwandern zu können – vergeblich.

Ihre Liebe zur Kunst hat sie aber hier und da auch in ihrer beruflichen Laufbahn einbringen können. In Ankara war sie für das damals größte Einkaufszentrum der Türkei mit zuletzt 310 Geschäften verantwortlich. Sie arbeitete damals eng mit verschiedenen Kulturinstituten anderer Länder in der türkischen Hauptstadt zusammen.

Unvergessliche Momente und Begegnungen

Einer Ausstellung, die sie zusammen mit dem italienischen Kulturinstitut organisierte – es ging um Original-Filmkostüme des Unternehmens Annamoda – verdankt sie eine Begegnung mit Ornella Muti. Sie war überrascht, dass sie sich mit ihr auf Deutsch unterhalten konnte, denn die Mutter der berühmten Schauspielerin war Deutsche.

Neue Heimat Weil am Rhein: Rhein-Center-Managerin Alev Kahraman liebt das Leben im Dreiländereck. Foto: Beatrice Ehrlich

Ein anderes Mal holte Kahraman ein Sinfonieorchester in ihr Center. Unvergesslich bleibt ihr, wie gebannt und in sich versunken die Kunden den Werken von Mozart und anderer Komponisten lauschten. Solche Momente, in denen die Grenzen zwischen Kunst, Kultur und Konsum verschwimmen, sind für Kahraman Sternstunden ihres Berufslebens.

„Mehr als heimisch“ in Weil am Rhein

Heute fühlt sie, die stets das Großstadtleben gewohnt war, sich „mehr als heimisch“ im vergleichsweise beschaulichen Weil am Rhein. Vom ersten Moment an ließ sie sich ganz und gar auf die neue Lebenssituation ein. Bewusst verzichtete sie in den ersten drei Jahren auf ein Auto. Sie erkundete zu Fuß jeden Winkel der Stadt und deren Nachbarstädte Basel, Huningue und Saint Louis. Sie besuchte Gemeinderatssitzungen. „Ich wollte die Stadt verstehen“, sagt sie.

Kahraman wurde mit offenen Armen aufgenommen. Sie knüpfte schnell Kontakte und pflegt heute viele, auch enge Freundschaften. Im Lions Club und im Stadtteilverein Weil am Rhein-Friedlingen engagiert sie sich für andere Menschen. Auch ihre Familie ist ihr sehr wichtig.

Die Familie ist ihr sehr wichtig

Oft besucht sie ihre Eltern im Ruhrgebiet, wo mittlerweile auch ihr Bruder mit seiner Frau und den zwei Kindern lebt. In Istanbul, wohin ihn auch sein beruflicher Weg zeitweise führte, hatten sie alle in einem großen Mehrgenerationenhaus zusammengelebt.

Mit ihrem Fahrrad ist Alev Kahraman schnell in der Natur, die ihr im Laufe der Zeit immer wichtiger wurde. Auch genießt sie die kulturelle Vielfalt im Dreiländereck. Als Inhaberin des Museumspasses besucht sie häufig Museen und Ausstellungen. Einen Herzenswunsch aus der Kindheit hat Kahraman, die immer schon ein Instrument lernen wollte, sich in Weil auch noch erfüllt: Sie nimmt Flötenunterricht bei der Weiler Musikerin und Musikpädagogin Barbara Leitherer.