Eine pinke Puppe und die Geschichte des Mannes, der für die Atombombe zuständig war, die 1945 die japanische Stadt Hiroshima weitgehend zerstörte, sorgen derzeit deutschlandweit für volle Kinosäle. Doch dringt der „Barbenheimer“-Effekt bis nach Schwenningen durch?
Ein Becher Popcorn auf dem Schoß, daneben ein kühler Softdrink. Der Raum ist angenehm klimatisiert und auf der großen Leinwand läuft ein spannender Film. Das Leben im Kino kann so schön sein.
Kinos erleben mit Blick auf das Kinoprogramm derzeit eine Art Hochphase. Mit den Produktionen „Barbie“, in der die berühmte Puppe aus vielen Kindheiten zum Leben erwacht, und „Oppenheimer“, der neue Streifen des Kult-Regisseurs Christopher Nolan über den Wissenschaftler Robert Oppenheimer, füllen sich die Kinosäle – auch im Cinestar-Kino in Schwenningen gehe der „Barbenheimer“-Effekt nicht spurlos vorbei, sollte man Theaterleiter Heiko Kimmich Glauben schenken.
„Die Vorstellungen von ‚Barbie‘ und ‚Oppenheimer‘ sind derzeit nahezu ausverkauft, kürzlich wurde in deutschen Kinos das dreimillionste Ticket für den Film verkauft“, gibt Kimmich Auskunft.
Pink angezogene Kino-Fans
Und das merkt man: Wirft man in abendlichen Stunden einen Blick ins Foyer des Kinos in Schwenningen, fallen einem sofort pink gekleidete Kino-Besucher ins Auge, die augenscheinlich „Barbie“ sehen wollen und teilnehmen am Internet-Trend, sich – ganz der Barbie-Puppen-Manier entsprechend – pink kleiden. Über derartige Internet-Trends kann Kimmich nur schmunzeln. „Solange alles im sicheren Rahmen passiert, haben wir da absolut nichts dagegen“, so der Theaterleiter. „Wir freuen uns, wenn die Leute gut gelaunt zu uns ins Kino kommen.“
Das Cinestar-Kino im Le Prom in Schwenningen gibt es schon seit 2001, 2019 hat dieses seine Volljährigkeit gefeiert. 2007 stoß Heiko Kimmich zum Team, etwa seit 2013 oder 2014 – die Zeit fliegt wie er schmunzelt – leite er das Kino am Standort.
Keine Spur mehr von Einschränkungen
Doch dieses hat nicht immer nur gute Zeiten erlebt: Mit Einschränkungen der Corona-Pandemie etwa hieß es eine Zeit lang Schicht im Schacht für’s Blockbuster-Kino auf der großen Leinwand. Glücklicherweise seien mittlerweile alle Auswirkungen der Pandemie verschwunden – laut Kimmich merke man gar nichts mehr davon. „Nach Abschaffung der Maßnahmen war es ein schleichender Übergang zur Normalität“, lächelt Kimmich. Laut ihm seien auch die unzähligen Streaminganbieter, wie Netflix, Disney + und Co keine Konkurrenz für das Kino: „Die Menschen freuen sich, Filme auf der großen Leinwand mit perfektem Bild und Sound in Gesellschaft zu erleben, was einfach überhaupt nicht mit dem Filmkonsum auf dem heimischen Sofa zu vergleichen ist“, so der Theaterleiter.
Es sei zwar immer ein Auf und Ab mit der Besucherzahl – immerhin hänge der Erfolg der Kinos maßgeblich von den dort laufenden Filmen ab – doch im Großen und Ganzen sei man zufrieden mit der Entwicklung der Verkaufszahlen am Standort, so Kimmich. „Das Kino hier im ‚Le Prom‘ hat sich sehr gut etabliert“, ist Kimmich der Meinung. Auch die Mieter untereinander kämen gut miteinander klar, von Zeit zu Zeit gäbe es gar Kooperationen wie etwa mit dem Restaurant Mauritius im Erdgeschoss.
Die Leute kommen trotzdem
Von Negativ-Schlagzeilen wie etwa Randalierern im Le Prom-Parkhaus, erfahre Kimmich meist nur über die Zeitung – sonst bleibe es ruhig. „Klar gibt es manchmal mit Jugendlichen zu kämpfen, die Ärger machen. Das ist doch überall so“, gibt Kimmich zu bedenken. Die derzeitige Situation in der Schwenninger Innenstadt, sieht er neutral. Laut ihm wäre es schön, wenn sich beispielsweise gegenüber am Rössle-Einkaufscenter etwas tun würde, dennoch habe all das keine direkten Auswirkungen auf sein Kino. „Die Leute kommen trotzdem, etwa weil sie hier Filme sehen wollen“, merkt er an. „Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal hier.“
Im Gespräch mit dem Theaterleiter merkt man ihm seine Zufriedenheit mit dem Kino an. Einzig und allein das Personal mache Sorgen: „Wir haben zu wenig Kräfte“, erklärt er. Insbesondere im Service, am Einlass und bei Technik-Fragen werde Verstärkung gesucht – damit in Zukunft noch mehr Kino-Fans ihre Filme auf großer Leinwand sehen können.