Fabian Roßmanith leitet seit fünf Monaten die städtische Abteilung Grün und Umwelt. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt er, was er in Lahr vorhat und wie es nach dem Fällen der Bäume neben dem LGS-See dort weitergeht.
Fabian Roßmanith hat ein umfangreiches Aufgabengebiet, die Abteilung Grün und Umwelt ist verantwortlich für die gesamte Grünplanung der Innenstadt und der öffentlichen Außenanlagen.
Herr Roßmanith, wann kommen die Ersatzpflanzungen im Seepark?
Die neuen Bäume werden möglichst noch dieses Jahr im Herbst, je nach Witterung auch in den Folgemonaten gepflanzt. Die „Allee der Vielfalt“ zeichnet sich dann durch Klimabäume aus, also Bäume, die der Klimaerwärmung standhalten sollen. Es werden unterschiedliche Bäume gepflanzt, direkt in die Wiese, dort können sie sich viel besser entwickeln.
Es werden schattenspendende Bäume – verschiedene Eichenarten – im Bereich des Sandstrandes und der Liegewiese sein. Auch Blütenbäume, unter anderem Kirsche, als Nährgehölz für Insekten und Vögel sind vorgesehen. Einige Bäume wie Lederhülsenbaum oder Schnurrbaum sind auch sehr schön anzusehen und zeichnen sich durch ein besonderes Blattwerk aus.
Was hat Sie an der Aufgabe in Lahr gereizt?
Nach über acht Jahren Projektleitung bei der Senatsumweltverwaltung in Berlin wollte ich etwas Neues wagen. Meine Vorstellung war es, im kommunalen Bereich mit mehr Bürgernähe und Personalverantwortung für die Stadt kommunal zu wirken. Ich will meine bisherigen Erfahrungen einbringen und verbessern. Lahr hat viel Potential – insbesondere für den Freiraum. Die Stadt Lahr haben meine Familie und ich uns auch deshalb ausgesucht, da wir zurück in unsere schöne Heimat ziehen wollten.
Was haben Sie angepackt?
Mir war es wichtig, zusammen mit der Neuformierung der Abteilung Grün und Umwelt Impulse zu setzen, Bestehendes zu überdenken und unser sehr gut aufgestelltes Team neu auszurichten. Ich bin überzeugt, dass dieser erste Schritt gelungen ist. Alles Neue bezieht sich auf die Zukunft: der Nutzerdruck einer wachsenden Mittelstadt, Klimaerwärmung mit allen Folgen, die innovativ durch die Freiraumarchitektur gelöst werden kann, Personalknappheit, Einsparungen wie auch stark steigende Baupreise, der schöne Stadtpark, das moderne LGS-Gelände, schützenswerte Bäume und ökologisch wertvolle Flächen, Spiel- und Sportanlagen und so weiter – alle damit verbundenen Arbeiten müssen nun angepasst werden.
Es ist vorgesehen, das Themenfeld „Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit“ in die Abteilung zu integrieren. Was steckt dahinter?
Die neustrukturierte Abteilung umfasst das Sachgebiet Grünplanung und das Sachgebiet Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit. Die drei großen Schlüsselthemen Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit bekommen durch die Neuansiedelung einen höheren Stellenwert – sind im Baudezernat nun fest verankert und die Themen können direkt in die Fachbehörden kommuniziert werden.
Die Inhalte lassen sich gut in die Abteilung Grün und Umwelt integrieren und spielen zukünftig eine immer wichtigere Rolle. Unsere Aufgabe ist es, dies nach außen wie auch nach innen zu tragen, zu sensibilisieren.
Auf Sport- und Freizeitanlagen gibt es Ärger durch Müll. Was kann man da tun?
Verantwortliche zu finden oder zu ertappen ist nahezu unmöglich – leider. Unsere Abteilung sensibilisiert auch hier die Bürger mit Hilfe von Aufklärung, Gesprächen, Beschilderungen und Kampagnen wie dem Lahrer Stadtputz, der große Beliebtheit erfährt. Weiterhin müssen wir dann zum Leid der Stadtkasse mehr investieren: häufiger Mülleimer und Hundekotbeute aufstellen, das Ordnungsamt muss mehr Kontrollen durchführen und Müll muss engmaschiger aufgesammelt werden.
Diese Mehrinvestitionen fehlen dann schlussendlich an anderer Stelle, zum Beispiel bei den Ausstattungen wie Bänken, Spielplätzen und Ähnlichem. Das ist sehr schade und fällt auf den Bürger zurück.
Ein weiteres Problem ist der Vandalismus.
Auch hier versuchen wir gegenzusteuern. Zum Beispiel durch Graffiti-Kurse: Die Sprayer können auf dafür vorgesehenen Wänden legal sprühen. Oder auch durch den Einsatz mit Bürgern – durch gemeinsames Bauen schafft man Identifikation für das Geschaffene, es wird dann nicht so schnell kaputt gemacht. Ansonsten bleibt nur, auch aus Sicherheitsgründen, das Kaputte zu ersetzen – aber bei Wiederholungen beziehungsweise wenn keine Finanzmittel übrig sind, müssen leider auch Bänke, Spielgeräte, Bäume et cetera ersatzlos zurückgebaut werden.
Ist Lahr ausreichend mit Grünflächen versorgt?
Das Angebot an Parks und Grünanlagen finde ich ausreichend, das ist zumindest mein jetziger Eindruck. Bei den Qualitäten der Angebote wie Aufenthalt, Spiel, Sport und Naturerfahrung gibt es noch Luft nach oben. Hier sehe ich auch eine Aufgabe: die Parks- und Grünanlagen den Bedürfnissen der Nutzer noch mehr anzupassen und dadurch zu verbessern.
Ende Oktober beginnt die 25. Chrysanthema, deren Themenbeete ein letztes Mal Richard Sottru entworfen hat. 2025 kommt diese Aufgabe auf Sie zu.
Die Chrysanthema ist für mich Neuland. Dass Herr Sottru dieses Jahr seine Ideen für die diesjährige 25. Chrysanthema noch einmal umsetzt ist, absolut wichtig. Ich werde mir die Chrysanthema dieses Jahr erst einmal ansehen. Eigene Akzente will ich aber zukünftig schon setzen, ich denke, dies ist bei einem Wechsel der Verantwortlichkeit auch angemessen. Zudem wird es so sein, dass aufgrund der immer engeren Personalverfügbarkeit und den steigenden Kosten für die Umsetzung die Gestaltung angepasst werden muss.