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Leiter des Polizeireviers Hechingen "Respekt gegen Polizisten hat deutlich nachgelassen"

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Gerhard Schuler in seinem Büro auf dem Polizeirevier Hechingen: Den Generationswechsel gut über die Bühne bringen. Foto: Renner

Seit drei Monaten ist der Junginger Gerhard Schuler Leiter des Polizeireviers Hechingen und damit Nachfolger von Wolfgang Heller, der sich Ende 2019 in den Ruhestand verabschiedet hatte. Den Generationswechsel beim Personal sieht Schuler als Herausforderung. Mehr dazu in unserem (SB+)Artikel.

Hechingen/Jungingen - Der 57-Jährige war 17 Jahre in Balingen Leiter der Führungsgruppe und stellvertretender Leiter des Polizeireviers. Nachdem der dortige Revierleiter von Balingen nach Rottenburg wechselte, blieb er noch so lange in Balingen, bis der Nachfolger seinen Dienst antrat. Im Hechinger Revier, das neben Hechingen auch für Haigerloch, Burladingen, Bisingen, Grosselfingen, Rangendingen und Jungingen zuständig ist, hatte so lange Stellvertreter Thomas Rudolf das Sagen.

Schon früh stand für Schuler der Berufswunsch fest, auch wenn er zusätzlich mit der Bundeswehr geliebäugelt hatte. "Ich hatte einen Onkel, der Polizist in Bayern war. Der Umgang mit Menschen hat mich schon immer interessiert", erzählt Schuler. Und, wie er freimütig einräumt, in der Schule war er zwar nicht schlecht, es gab aber kein Fach, das richtig herausstach. Nachdem er das Abi am Hechinger Gymnasium 1982 in der Tasche hatte, schrieb er eine Bewerbung und wurde genommen. Somit war er zunächst bei der Bereitschaftspolizei in Biberach. "Ein sicherer Arbeitsplatz bedeutete mir viel, auch wenn ich damals in der Industrie mehr hätte verdienen können", meint er rückblickend.

Sieben Jahre später wechselte er in den Streifendienst nach Reutlingen. "Das war eine richtige Hausnummer. Vom Arbeitsaufkommen war es das Dreifache von Neuenbürg bei Pforzheim, wo ich zuvor war. Da gingen die Nächte schnell vorbei", erinnert sich Schuler.

Es folgte das Studium an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen. "Eine schöne Zeit. Ich habe die Freiheiten genossen, aber man musste auch viel lernen", so Schuler. 1995 landete er erstmals im Zolleralbkreis. "Ich wollte eigentlich nach Albstadt als Dienstgruppenleiter, hätte dort aber nur Stellvertreter werden können." Deshalb stieg er in gleicher Funktion in Hechingen ein. "Ich hatte etwas Bedenken, weil viele Verwandte dort wohnten. Aber ich habe diesen Schritt nicht bereut", meint Schuler. 2003 nutzte er die Gelegenheit, nach Balingen zu wechseln. "Ich habe mich auf die Stelle beworben, auch wenn ich wusste, dass es mir schwer fallen würde, den Schichtdienst zu verlassen", sagt Schuler, der auf 17 abwechslungsreiche Jahre zurückblickt. "Balingen war eine prägende und herausfordernde Zeit mit sehr vielen angenehmen Kontakten." Zum Oktober 2020 wagte er den Schritt nach Hechingen, das für ihn wie ein Heimkommen ist. "Ich habe mich sehr schnell eingelebt und kenne noch viele Personen von früher."

Zwei Bürgermeister muss Schuler noch besuchen

Unterschiede zwischen den beiden Städten stellte er recht schnell fest. "Ich merke, dass es im Vergleich etwas ländlicher und gediegener zugeht. Derzeit ist es wegen Corona ruhiger. Aber dafür hat man mehr Luft, andere Schwerpunkte zu setzen." Froh ist er, dass der AfD-Parteitag nicht in Owingen stattfindet, denn dafür wäre das Polizeirevier Hechingen zuständig gewesen. Da wäre er auch vor Ort gewesen, was nur bei Großereignissen der Fall ist. Schuler: "Bisher hatte ich keinen Einsatz draußen." Die Büroarbeit umfasst unter anderem die Koordination der Personaleinsätze und das Controlling. Außerdem ging es ihm in den ersten Wochen darum, Kontakte zu knüpfen.

Auch wenn der Austausch mit den Ordnungsämtern am intensivsten ist, will er alle Bürgermeister persönlich kennenlernen. Ein Besuch bei den beiden Neuen in der Region, also Davide Licht (Burladingen) und Friedbert Dieringer (Grosselfingen), steht noch aus. Und der Junginger Bürgermeister? "Oliver Simmendinger kenne ich schon sehr lange", schmunzelt Schuler.

Nun gilt es für ihn, den Generationswechsel erfolgreich über die Bühne zu bringen. Einige Kollegen werden in den nächsten Jahren ausscheiden, junge Leute rücken nach. "Ich bin gespannt, ob wir das Niveau halten können", erklärt der Revierleiter. Die Ausbildung wurde verkürzt, außerdem ist für ihn das aktuelle Homeschooling mit Präsenzunterricht nicht zu vergleichen. Schuler hofft, dass der Nachwuchs die ausscheidenden Kollegen nicht nur ersetzt, sondern dass der Personalkörper auch aufgestockt wird. "In den vergangenen Jahren waren die Reviere personell extrem auf Kante genäht. Aber es gibt die Aussicht, dass sich die Situation verbessert."

Sein eigener Ruhestand ist auch nicht mehr in ganz weiter Ferne, mit 61 könnte er in Pension gehen. Doch daran will er aktuell noch nicht denken. Zu umfangreich sind die Aufgaben. "Den Generationswechsel will ich so gut wie möglich hinkriegen. Der wird mindestens drei Jahre dauern. Wenn ich das geschafft habe, mache ich mir Gedanken über die Rente."

Betrügereien an Senioren sind für ihn frustrierend

Und welche Veränderungen hat er in seinen 38 Dienstjahren wahrgenommen? "Die Menschen sind schwieriger geworden, der Respekt gegenüber der Polizei hat deutlich nachgelassen" urteilt Schuler. Die Internet-Kriminalität habe zugenommen, es wandere viel Geld auf ausländische Konten. Er wünscht sich, dass Polizei verschiedener Länder mehr zusammenarbeitet. Und: "Es ist frustrierend, wie alte Menschen betrogen werden", denkt Schuler an den Enkeltrick und Gewinnspielversprechen. Momentan sei die Gesellschaft gespalten. Dass Leute, die um ihre Existenz bangen, auf die Straße gehen und demonstrieren, könne er jedoch nachvollziehen.

Um von der Arbeit abschalten zu können, ist er zuhause in Jungingen viel an der frischen Luft. Er kümmert sich um seinen Garten, geht wandern oder mit dem Hund Gassi. Im Musikverein Eintracht Jungingen war er früher schon Vorstand und will nun wieder aktiver am Vereinsgeschehen teilnehmen, indem er Bariton spielt.

Und dann wäre da noch der Fußball? Schuler, der früher selbst gekickt hat, ist Fan und Mitglied des 1. FC Köln. "Mitte der Siebziger Jahre waren alle Fan von Borussia Mönchengladbach, Bayern München oder dem VfB Stuttgart." Doch er entschied sich für den Verein vom Rhein, der damals Wolfgang Overath oder Heinz Flohe in seinen Reihen hatte. Selten ist er bei Heimspielen, an das letzte erinnert er sich allerdings noch. "Ein 4:0-Sieg gegen Freiburg."

Wenn er im Ruhestand ist, wird er für diese Hobbys womöglich mehr Zeit haben. Dann wird der Namen Schuler bei der Polizei allerdings nicht von der Bildfläche verschwinden, denn sein 22-jähriger Sohn hat die gleiche Berufslaufbahn wie sein Vater eingeschlagen. Er habe ihm allerdings weder diese Arbeit schmackhaft gemacht noch davon abgeraten. Seine Tochter (29) ist übrigens Lehrerin – genau wie die Mutter.

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