Die Anwohner der Straße „In der Kruttenau“ sind verärgert: Zu viele Fahrzeuge fahren durch die Straße zum Baggersee, wie sie finden. Foto: Bohnert-Seidel

Der Protest gegen den Durchgangsverkehr zum Baggersee Schuttern geht in eine zweite Runde. „In der Kruttenau“ hängen wieder beschriftete Leintücher.

Nachdem sich der Mai eher verregnet gezeigt hat, nimmt der Sommer in den Pfingstferien Fahrt auf und mit ihm die Zahl der Badegäste, die zum Baggersee nach Schuttern fahren. Nicht nur die Campingplätze sind belegt, auch auf der Zeltwiese sind große und kleine Gruppen anzutreffen. Alle Gäste fahren über die Straße „In der Kruttenau“, die viele Anwohner seit drei Jahren als „Nadelöhr zum Vergnügen“ verstehen. Ihren Ärger über das erhöhte Verkehrsaufkommen und der damit einhergehenden Lärmbelästigung machen sie mit zahlreichen Plakaten erneut deutlich.

 

Im Gespräch mit unserer Redaktion betont Anwohner Peter Wölfle: „Wir sind nicht gegen die Camper oder Badegäste. Im Gegenteil: Es ist toll, wenn so ein Freizeitgebiet zur Verfügung steht.“ Der Protest richte sich mehr gegen die Verwaltung und Wölfle führte aus: „Wenn die Gemeinde schon ein Naherholungsgebiet ausbaut, dafür Werbung betreibt, dann soll sie bitte auch für die geeignete Infrastruktur sorgen.“ Sicher wurde die Kruttenau für viel Geld verkehrsberuhigt ausgebaut, so Wölfle weiter. Nur von der Verkehrsberuhigung hätten die Anwohner wenig. Mehr als 30 Jahre hatten die Anwohner zu den Stoßzeiten etwas mehr Ruhe. Bis zum Ausbau der Kruttenau und öffentlichen Übergabe im Jahr 2019 herrschte Einbahnverkehr. Über den Ort fuhren die Baggerseebesucher an den See. Abgeleitet wurden sie auf der Rückfahrt über das Gewerbegebiet „Im Segel“.

Kruttenauer wollen den alten Zustand nicht zurück

Jetzt fragen Anwohner auf einem Leintuch: „Ist Industrie und Freizeit wichtiger als wir Bürger?“ Dabei wollten die Kruttenauer keine Herstellung des alten Zustands. „Wir wissen, dass beim Arbeitsverkehr im Gewerbegebiet Gefahr mit Durchgangsverkehr besteht“, so Wölfle. Aber an den Wochenenden zur Hauptbesuchszeit am Baggersee sollte der alte Einbahnverkehr mit Ableitung über das Gewerbegebiet als Übergangslösung möglich sein, so der Wunsch. Die Betonung liegt für Wölfle auf der Übergangslösung – tatsächlich gewünscht wird von den Anwohnern eine grundsätzliche Lösung: die Umfahrung. „Umfahrung für die Kruttenau – jetzt!“, heißt es auch auf einem weiteren Banner. Dass eine sofortige Lösung utopisch sei, leuchte den Anwohnern ein. Aber die Verzweiflung über die hohe Verkehrsdichte sei immens.

Vergleiche mit anderen Durchgangsstraßen im Ort, die an 365 Tagen im Jahr eine hohe Verkehrsbelastung aushielten, will Wölfle nicht gelten lassen. „Da werden Äpfel mit Birnen verglichen“, so der Schutterner. Wölfe führte als mögliche Umfahrung den Ausbau des Brandwegs an. Jenes Wirtschaftsweges, der vor allem von den Fahrradfahrern und mittlerweile auch von den Anwohnern des Neubaugebiets „Alter Sportplatz“ als Verbindungsweg genutzt wird.

Ortsvorsteher will Argument, dass die Industrie den Vortritt hätte, nicht gelten lassen

Schutterns Ortsvorsteher Hans-Jürgen Kopf weiß um das Bedürfnis der Anwohner nach mehr Verkehrsberuhigung. „Die Situation ist mit dem Ausbau der Kruttenau besser geworden. Von Entspannung sprechen auch jene Anwohner, die an der Gabel der Kruttenau wohnen, wo ein Parkverbot eingerichtet worden ist“, sagte Kopf gegenüber unserer Redaktion und ergänzte: „Dass der Verkehr über das Gewerbegebiet abgeführt wird, ist vom Tisch. Zu hoch war das Gefahrenpotenzial in Verbindung mit dem Werksverkehr.“ Das Argument, dass die Industrie den Vortritt bekäme, will er auch nicht gelten lassen. Hunderte von Arbeitnehmern fänden dort ihren Arbeitsplatz und die Gemeinde erhalte dringend notwendige Gewerbesteuer. Den Wunsch nach einer Umfahrung über den Brandweg verstehe er sehr wohl, allein die vielen Millionen für diesen Ausbau fehlten in der Gemeindekasse. Nie bestritten hätten sowohl der Ortschaftsrat wie auch der Ortsvorsteher, dass die Bewohner in der Kruttenau während der Pfingst- und Sommerferien mit einem hohen Verkehrsaufkommen belastet werden. „Aber das sind maximal viereinhalb Monate“, so Kopf. Das sei im Sommer zu ertragen. Dann sei wieder für den Rest der Zeit Ruhe. „Eine Ruhe, die in anderen Straßen nicht zu haben ist“, so Kopf.

Umleitung

Bis 2019 sind alle Wohnmobile und Fahrzeuge mit Campingwagen über das Gewerbegebiet „Segel“ umgeleitet worden. Der gesamte rückläufige Verkehr vom Baggersee wurde ebenfalls im Einbahnverkehr über das Gewerbegebiet abgeleitet. Die wirtschaftliche Entwicklung im Gewerbegebiet haben den Werksverkehr dort um ein Vielfaches erhöht und damit auch das Unfall- und Gefahrenpotenzial.