Mehr als 30 Zentimeter gegenüber seinem ersten Hallenstart 2015 packte der USA-Rückkehre r Patrick Rädler bei den Süddeutschen Meisterschaften drauf und holte Weitsprung-Silber. Foto: Görlitz

Leichtathletik: Obertäler hat vor fünf Jahren seine sportliche Karriere beendet. Arbeiten am Doktortitel. 

Etliche Erfolge national und auch international kann Patrick Rädler aus Baiersbronn-Obertal verzeichnen. Doch seine Leichtathletik-Karriere beendete er bereits vor rund fünf Jahren. Mittlerweile widmet er sich der Krebsforschung.

Die Leichtathletik-Saison hat diesen Sommer gerade erst begonnen und schon ist sie in ihren letzten Zügen. Mit den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften stand in diesem von Corona geprägten Sommer nur ein Höhepunkt auf der Agenda, und das mit großen Erfolgen der Nordschwarzwälder Teilnehmer.

Die größte Erfolge zwischen 2007 und 2009 gefeiert

Bedenkt man nun, dass wir in den vergangenen Monaten bereits einige Athleten in der Serie "was macht eigentlich…" vorstellten, die zwar noch im besten Sportleralter wären, aber ihre Spikes mittlerweile an den Nagel gehängt haben, hätte diese Regionalbilanz noch deutlich besser ausfallen können.

Mit Patrick Rädler aus Baiersbronn-Obertal gibt es einen weiteren jungen Mann aus der Region, der bereits in der Jugend im Weit- und Dreisprung Leistungen erzielte, die bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften zu Medaillen gereicht hätten.

Der Murgtäler des Jahrgangs 1990 feierte seine größten Erfolge zwischen 2007 und 2009. Angefangen hatte alles ganz klassisch mit Fußball und beim Schulsport. Der kleine Patrick war damals schon so sprunggewaltig, dass er beim Sprung über einen Kasten zu viel Schwung hatte und gegen die Hallenwand knallte. Sportlehrer Walter Möhrle erkannte das Talent und als er Mama Rädler davon erzählt hatte, brachte diese ihn ins Leichtathletik-Training zu Sabine Burkhardt beim SV Mitteltal-Obertal. Später folgten dann Frank Möhrle und Ursula Mast als Trainer. Unter Mast erfolgte ab etwa 2003 die Spezialisierung in Richtung Weit- und Dreisprung, die sein späterer Trainer Helmut Mast noch intensivierte.

Bereits im Jahr 2005 zeichnete sich schon ab, dass da etwas "Großes" heranwächst. Zunächst wurde Rädler Süddeutscher Schülermeister im Dreisprung und ließ im gleichen Jahr sogar einen Württembergischen U15-Rekord folgen. 2007 sollte aber endgültig der Knoten des Rotschopfs platzen. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm gewann Rädler am ersten Wettkampftag die Weitsprung-Goldmedaille. Tags darauf ließ er dann Gold im Dreisprung folgen und war als zweifacher Deutscher Meister der erfolgreichste Teilnehmer dieser Meisterschaften. Im gleichen Sommer qualifizierte sich der damals noch 16-Jährige für die U18-Weltmeisterschaften in Ostrava, wo er mit Platz sieben bei seinem ersten internationalen Auftritt auf sich aufmerksam machte.

Mit Platz vier im Weitsprung bei der U20-Europameisterschaft im serbischen Novi Sad gelang dem Obertaler 2009 der größte internationale Erfolg in seiner kurzen, aber erfolgreichen Laufbahn. Nur elf Zentimeter fehlten in jenem EM-Finale zu Bronze. Wäre er im Finale an seine damalige Bestleistung von 7,81 Meter herangekommen, hätte es sogar zum Sprung aufs Podium gereicht. Der damalige Sieger Alexandr Menkov aus Russland sollte 2013 mit dem WM-Titel und dem Hallen-EM-Titel sowie seinen 8,56 Metern im Weitsprung später einer der Superstars der Springerszene werden. Ebenfalls 2009 holte Rädler mit dem Sieg im Weitsprung bei den Deutschen U20-Meisterschaften sein drittes Gold auf nationaler Ebene.

US-Trainingssystem macht dem Springer zu schaffen

Im Jahr darauf zog es Rädler zum Studium in die USA. An der University of Nebraska in Lincoln erhielt der Schwarzwälder ein Sportstipendium und studierte dort Biochemie. Seit 2014 darf er sich Bachelor nennen und arbeitet seitdem an seiner Doktorarbeit im Bereich der Krebsforschung, speziell an einer besonders aggressiven Form von Brustkrebs. Das Thema Krebs ist für Rädler ein ganz besonderes, da drei seiner Großeltern dieser Krankheit zum Opfer fielen. Seine Doktorarbeit wird er kommenden Dezember verteidigen.

Sportlich kam der talentierte Springer allerdings mit dem US-Trainingssystem nicht wirklich zurecht. Legte man beim Training in der Heimat viel Wert auf Technik und Dynamik, war es in USA eher das Krafttraining. Dadurch litt allerdings sein Sprungstil und Verletzungen wurden ein ständiger Begleiter. Trotz der Verletzungsprobleme, die ihn immer wieder zurückwarfen, steigerte Rädler seine persönliche Bestweite in der Hallensaison 2013 auf 7,87 Meter und kam damit ein weiteres Stück an seinen Traum heran, nämlich die magischen acht Meter zu überspringen, was ihm allerdings verwehrt bleiben sollte. Zwar konnte Rädler bei den US-Studentenmeisterschaften in der Halle noch zweimal Platz fünf und einmal Platz acht im Freien erspringen, die erhofften Erfolge blieben allerdings aus.

Trotz der verpassten Ziele ist Patrick Rädler der University of Nebraska heute sehr dankbar, dass man ihm dort das Biochemie-Studium ermöglichte und er parallel seiner sportlichen Leidenschaft nahezu unter Profibedingungen folgen konnte. Der schönste Nebeneffekt seines US-Studiums ist allerdings die Heirat mit seiner Frau Mara, die ebenfalls an der University of Nebraska für das Leichtathletikteam startete. Kurioserweise hatten sich die beiden bereits bei der Jugend-WM 2007 kennengelernt, als die von Barbados stammende Sprinterin über 400 Meter und in der Staffel im Einsatz war. Bereits damals hatte Mara Weekes ein Auge auf den "großen Deutschen mit den roten Haaren" geworfen, und wie es der Zufall wollte, landeten die beiden an der gleichen Universität. 2018 gaben sich die beiden das Ja-Wort.

Sportlich hatte Rädler seinen letzten großen Auftritt bei den deutschen Hallenmeisterschaften 2015 in Karlsruhe. Nach seinem zweiten Platz bei den Süddeutschen wenige Tage zuvor war Rädler als einer der Mitfavoriten in die Europahalle gereist. Dort lief es für den Geheimfavoriten allerdings nicht wie erhofft. Der neunte Platz markierte damals den sportlichen Schlusspunkt seiner Karriere. Mit drei deutschen Meistertiteln in der Jugend, einem vierten Platz bei den Junioren-Europameisterschaften, unzähligen Medaillen bei Süddeutschen und Baden-Württembergischen Meisterschaften sowie seinem US-Stipendium kann Rädler auf eine tolle Zeit im Sport zurückblicken. Diese wäre aber, wie er immer wieder betont, ohne die Unterstützung seiner Eltern, unter anderem auch mit den unzähligen Fahrdiensten ins Training und zu Wettkämpfen, so nie möglich gewesen.

Heute hat Rädler kaum noch Kontakt zur Leichtathletik. Mit Beachvolleyball, Joggen, Krafttraining und auch ab und zu mal Fußball hält sich der 29-Jährige neben seiner Doktorarbeit fit. Wo es den Schwarzwälder mit seiner Frau Mara in Zukunft hinverschlägt, steht derzeit noch offen. Ganz so glücklich sind die beiden derzeit aufgrund der politischen Situation in den USA nicht. Vielleicht sorgt jedoch auch die anstehende US-Präsidentenwahl dafür, den sympathischen Rotschopf bald wieder bei uns in der alten Heimat begrüßen zu dürfen.

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