Katharina Jaiser startet nach langer Leidenszeit bei der Leichtathletik-EM der Masters in Torun. Und die schnelle Frau aus Gechingen zeigt der Konkurrenz die Hacken.
„Whoooohoooo!“, jubelt Katharina Jaiser. Denn es ist vollbracht. Mit einiger Unsicherheit, wo sie derzeit steht, fuhr die Gechingerin ins polnische Torun, um sich mit den besten Masters-Läuferinnen Europas zu messen. Also dorthin, wo eine Woche zuvor die Aktiven ihre Besten gekürt hatten.
Und dann das: Sie holt am Ende Gold! „Wer mich kennt weiß: Manchmal läuft‘s wild“, sagt sie lachend.
Und das „ein bisschen chaotisch“, das sie nachschiebt bezieht sich nicht so sehr auf ihr taktisch und läuferisch perfektes Rennen, das mit deutschen W40-Rekord über 3000 Meter endete. Sie denkt dabei eher zurück auf die „wilde, chaotische“ Anreise nach Polen.
Wilde Anreise
„Wir in Warschau, Koffer in München“, fasst sie zusammen. So verpasste sie die Eröffnungsfeier, aber zum Glück nicht das Rennen, denn der Koffer kam „mit dem nächsten Flieger“, aber auf den letzten Drücker.
Sonst wäre das Ganze noch wilder verlaufen. Zur Sicherheit hatte sie „vorausschauend“ ihre Wettkampfsachen im Handgepäck verstaut: „Ist doch besser, wenn alles da ist.“ Aber die Umstände und die Hektik, die sie verursacht haben, sorgten für erhöhten Puls schon vor dem Rennen.
Beeindruckt von der Halle
Dann aber: Ab in eine der beste Leichtathletik-Hallen Europas. „Vor dem Start war ich einfach extrem beeindruckt von der Arena Torun. Zwei Stockwerke, ein bisschen wie eine Oper“, schwärmt die 39-Jährige, „nur anders.“
Hektik vor dem Rennen
Dann wurde es noch mal hektisch, denn ihr Rennen wurde ein wenig nach vorne verlegt – und sie war fast zu spät im Callroom. „Aber ich bin ja schnell“, erzählt sie lachen, „da war ich dann auch gleich noch mal wärmer als warm. Auch innerlich.“
Die Konkurrenz
Wenig überraschend waren drei Polinnen im Starterfeld, doch bei Katharina Jaiser meldete sich das Gewissen: „Ich hatte da fast ein schlechtes Gewissen, die Gastgeber bewusst stehen lassen zu wollen“, meint sie zwinkernd und setzt dazu: „Aber nur kurz.“ Und lacht.
Volle Pulle los
So fiel in ihrem Rennen der Startschuss. Und: „Obwohl ich mir vorgenommen hatte, nicht gleich vorzugehen und den Tempodepp zu spielen, hat mich mein innerer Monk dazu angestiftet.“
Also handelte sie nach dem Motto: „Tempomat und Abfahrt!“ Sie legte konstante 40-Sekunden-Runden auf die blaue Bahn, „bis ich gemerkt habe, dass die Polin hinter mir sich ziehen lässt.“
Auf der Jagd
Nach rund 800 Metern ließ sie sie vorbei, „um jetzt meine neue Rolle als Jäger zu testen“, meint sie augenzwinkernd.
Und Vollgas
Doch die Konkurrentin hält nicht lange durch. „Ab 1800 Meter hat sie das Tempo gedrosselt, und da war die einzige Chance für eine anständige Zeit und eine eindeutige Platzierung, dass ich Gas gebe.“
Gesagt, getan. Katharina Jaiser ging vorbei, und legte gleich einen deutlichen Abstand zwischen sich und der am Ende auf Platz 2 einlaufenden Andzelika Dziegiel-Poslada. „Dieser Tempoverschärfung konnte sie nicht folgen“, meint die Gechingerin trocken.
Mit „sadistischer Art“
Allerdings: „Wenn du Tempo gibst, also wirklich fast Anschlag, und dann die letzten 500 Meter noch mal kicken möchtest, dann tut das schon ein bisschen weh, und man braucht dringend ein bisschen eine sadistische Art.“
Schnelle letzte Runde
Die hat Katharina Jaiser nicht erst, seit sie als Trainer den vollen Einsatz ihrer Schützlinge fördert und fordert. „Die habe ich mir erfolgreich angeeignet, und somit war die letzte Runde dann auch noch mal eine 34.“
Darüber kann sie sogar selbst staunen. „Schon ein bisschen unvorstellbar, so im Nachhinein“, gibt sie zu. Und auch über ihr Gold-Rennen insgesamt war sie ein bisschen erstaunt: „Heute habe ich mich selbst überrascht. Klar bin ich schon schneller gelaufen, aber das hat absolut gereicht. Sogar für den deutschen Rekord.“ Und der liegt jetzt bei 9:48,55 Minuten.
Mit Rückenwind in die Saison
„Mit diesem Rückenwind kann jetzt eine gute, neue Saison losgehen“, sagt Katharina Jaiser und dankt ihrem Umfeld: „So viele Menschen sind heute mit mir an der Startlinie gestanden. Die dieses Rennen möglich gemacht haben. Und denen diese Medaille auch gehört!“
Mission Goldmädchen
Stolz zieht sie ihr Fazit: „Mission Goldmädchen: completed!“