Blickt auf die Heim-Europameisterschaft in Berlin: Christoph Kessler. Foto: Eibner

Leichtathletik: Donaueschinger hat Norm für EM in Berlin schon erfüllt, Ticket aber noch nicht ganz in der Tasche.

Der 11. August 2018 soll sein Tag werden. Wenn dann im Berliner Olympiastadion um 20.35 Uhr die besten 800-Meter-Läufer Europas um die Medaillen kämpfen, will der Donaueschinger Christoph Kessler die deutschen Farben vertreten. Die Norm hat der 23-Jährige schon erfüllt.

"Ich bin derzeit der zweitbeste deutsche Läufer des Jahres über die 800 Meter. Deshalb gehe ich fest davon aus, dass ich vom Deutschen Leichtathletik Verband für die EM vornominiert werde", weiß Christoph Kessler aber, dass er seine Leistung von Regensburg (1:46,11 Minuten) bei der deutschen Meisterschaft in Nürnberg (20. bis 22. Juli) bestätigen muss. Erst nach der DM wird endgültig klar sein, welche drei Vertreter der DLV über die beiden Stadionrunden zur Heim-Europameisterschaft entsendet.

Natürlich rechnet der Donaueschinger, der für die LG Region Karlsruhe startet, aber damit, dass er am Donnerstag, 9. August, mit dem deutschen Trikot im Berliner Olympiastadion auflaufen wird. Ab 11.30 Uhr stehen in der Heimstätte des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC dann die Vorläufe über 800 Meter auf dem Programm. Und diese möchte der 23-Jährige auf jeden Fall überstehen. "Mein Mindestziel ist das Halbfinale", kennt Christoph Kessler natürlich auch die europäische Jahresbestenliste (siehe Info).

Dort wird er derzeit mit seiner Regensburger Zeit auf dem 18. Rang geführt. "Allerdings stehen gleich sieben Briten vor mir – und pro Land dürfen ja nur drei Teilnehmer antreten", sieht der Donaueschinger auch Chancen, das Finale am 11. August zu erreichen. "Und in einem Finallauf kann immer viel passieren, gerade über die 800 Meter", verweist Kessler darauf, dass Tagesform, etwas Glück im Rennverlauf oder Taktik großen Einfluss auf die Endplatzierung haben können.

Klar ist aber, dass die starken Spanier und Briten in Berlin favorisiert sind. Auch mit dem Polen Marcin Lewandsowksi – Europameister von 2016 – muss immer gerechnet werden. Mit Marc Reuther (1:45,42 Minuten, Wiesbaden) hat zudem ein Deutscher die Marke von 1:46 Minuten schon deutlich unterboten.

Dies ist auch das Ziel von Christoph Kessler. Spätestens im kommenden Jahr soll die 1:45 auf der Anzeigetafel aufleuchten. "Dafür muss einfach auch der Lauf und die Zusammenstellung der Athleten passen", weiß der Student der Verfahrenstechnik am KIT (Karlsruher Institut für Technologie), dass bei Meisterschaften eben oft sehr viel taktiert wird, so schnelle Zeiten über die 800 Meter die Ausnahme sind.

Um für die DM und die EM gerüstet zu sein, wird sich Kessler in den kommenden Tagen und Wochen intensiv auf diese beiden Höhepunkte der Saison vorbereiten. Zunächst in Karlsruhe, dann – sollte der Donaueschinger endgültig für die Heim-Europameisterschaft nominiert werden – mit dem gesamten deutschen Leichtathletik-Team vor den Toren Berlins. Wenn auch während der EM alles optimal läuft, dann hat Christoph Kessler am 11. August um 20.35 Uhr in Berlin seinen ganz großen Auftritt.

Bestenlisten

Deutschland

Bisher haben drei DLV-Läufer die EM-Norm (1:46,50 Minuten) über 800 Meter erfüllt. Die deutsche Jahresbestenliste über die zwei Stadionrunden führt derzeit Marc Reuther (Wiesbaden) mit 1:45,42 Minuten an. Dahinter folgt der Donaueschinger Christoph Kessler, der am 3. Juni in Regensburg nach 1:46,11 Minuten das Ziel erreichte. Auch Benedikt Huber (Regensburg) ist unter der Norm (1:46,31) geblieben. Bis zu drei Athleten pro Einzeldisziplin, sofern die Normanforderungen erfüllt wurden, können vom DLV nominiert werden. Es können zusätzlich zwei weitere Athleten mit erfüllter DLV-EM-Norm als Ersatz gemeldet werden. Übrigens: Nachwuchsmann Tim Assmann (Jahrgang 2000) vom TV Villingen belegt derzeit mit einer Zeit von 1:49,70 Minuten bei den Männern den starken 17. Rang.

Europa

Bisher haben zwei Läufer, beide aus Spanien, in diesem Jahr die 800 Meter unter 1:45 Minuten bewältigt: Saul Ordonez (1:44,36) und Alvaro de Arriba (1:44,99). Dahinter folgen in der europäischen Jahresbestenliste 15 Zwei-Stadionrunden-Spezialisten, welche die Marke von 1:46 Minuten unterboten. Christoph Kessler belegt derzeit in Europa mit seiner Zeit von 1:46,11 Minuten den 18. Rang.

Welt

Die Weltjahresbestenliste führen acht (!) Kenianer an. Nummer 1 ist derzeit Michael Saruni (1:43,25).

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