Die Aussegnungshalle in Bieselsberg wird zu einem Gebäude umgebaut, in dem künftig auch Chöre auftreten können. Die Veranstaltungen müssen aber dem besonderen Charakter des Ortes entsprechen. Foto: Krokauer

Die Gemeinde Schömberg will die Leichenhalle in Bieselsberg modernisieren. Dabei wird das Gebäude nicht nur auf den neuesten technischen Stand gebracht.

Derzeit ist das Friedhofsgebäude in Bieselsberg nicht einmal an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Das soll sich mit der Modernisierung des Gebäudes ändern. Außerdem bekommt die Aussegnungshalle einen Anschluss an die Wasserversorgung. Künftig sollen Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer zum Gebäude und Friedhof kommen können. Derzeit sind diese Zugänge nicht barrierefrei. Außerdem sind eine behindertengerechte Toilette und ein WC für alle Geschlechter geplant.

 

Mit Licht durchflutet

Funktionen: Damit nicht genug: Die Aussegnungshalle wird zu einem Multifunktionsgebäude. Geplant sind ein Raum zur Einstimmung auf und zur Vorbereitung von Predigten durch Geistliche. Darüber hinaus sind eine kleine Küche und ein Lagerraum vorgesehen. Nach den Vorstellungen der Schömberger Gemeindeverwaltung darf das durch bodentiefe Fenster lichtdurchflutete Multifunktionsgebäude für Trauerfeiern, als Trauerkaffee, für Chorgesang und klassische Konzerte genutzt werden.

Kosten und Zuschuss: Der Bieselsberger Ortsvorsteher und Gemeinderat Michael Nothacker (UWV) sagte in der jüngsten Sitzung des Schömberger Gemeinderates, dass dieses Vorhaben nur mit der Unterstützung der Verwaltung möglich gewesen sei. Er freute sich über einen Zuschuss in Höhe von knapp 115 000 Euro vom Land (Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum). Die Gesamtausgaben sollen laut dem Haushalt für 2023 bei aktuell 240 000 Euro liegen. Nothacker geht von einem Baubeginn im September aus: „Die Freude in Bieselsberg ist groß.“ Er versicherte, dass es nur Veranstaltungen in dem Gebäude gebe, die dem Charakter des Ortes entsprächen. „Discoabende“ schloss er aus.

Ehrenamtliches Engagement

Konkurrenz zu anderen Gebäuden? Doch im Gemeinderat wurde das Vorhaben nicht einhellig freudig aufgenommen. So bestand CDU-Fraktionschef Joachim Zillinger auf einer Kostenobergrenze, die dann auch eingehalten werde. Er geht davon aus, dass sich die Bieselsberger Bevölkerung bei dem Vorhaben ehrenamtlich engagiere. Angesichts eines Investitionsvolumens von einer Viertelmillion Euro für das Projekt gebe es hoffentlich kein „Windhundrennen“. Sieben Veranstaltungsräume in Bieselsberg seien mehr als genug.

Kritische Töne dazu kamen auch von Gemeinderat Andreas Ehnis (CDU), Ortsvorsteher im benachbarten Schwarzenberg. Er erinnerte an das geplante Gemeindehaus der evangelischen Verbundkirchengemeinde Schwarzenberg-Bieselsberg neben der Petruskirche in Bieselsberg. Ehnis äußerte die Befürchtung, dass die Eigenleistung nur einmal erbracht werde. Er hoffe nicht, dass damit das Projekt der Kirchengemeinde wegfalle. Ehnis sprach von einem Überangebot von ähnlichen Gebäuden im Umkreis von 500 Metern. Diese Bedenken wischte Nothacker vom Tisch. Das Multifunktionsgebäude bleibe vor allem eine Aussegnungshalle. Sie bedeute einen Mehrwert für die Gesamtgemeinde und ein Aushängeschild. „Du brauchst nicht schwarzzusehen“, sagte Nothacker zu Ehnis gewandt. Andere Hallen würden vor allem gewerblich genutzt. Diese dagegen habe keine kommerzielle Funktion.

Planung: Letztlich stimmte der Gemeinderat dem Bauvorhaben einstimmig zu. Darüber hinaus vergab das Gremium die Objekt- und Tragwerksplanungen an das Ingenieurbüro Herbert Müller in Simmersfeld und beauftragte die Verwaltung mit diesem Büro einen Honorarvertrag abzuschließen. Des Weiteren stellt die Gemeinde Schömberg in diesem Jahr 20 000 Euro für Planungsleistungen zur Verfügung. Das Geld wird bei der Erschließung des Baugebiets Hausäcker in Schömberg eingespart.