Gewerkschaftschefin Monika Stein fordert eine Entlastung der Schulleiter im Land. Foto: dpa

Jede Menge Aufgaben und viel emotionaler Stress – das sind Themen, die den Alltag von Schulleitern im Land belasten. Die Ergebnisse einer neuen Studie im Detail.

Die große Menge der zu bewältigenden Aufgaben, hohe emotionale Anforderungen und die Tatsache, dass die Arbeit in die Freizeit am Abend oder am Wochenende ausufert, belastet Schulleiter in Baden-Württemberg im Alltagsleben deutlich stärker als Lehrkräfte ohne Leitungsfunktion oder Beschäftigte im öffentlichen Dienst sowie in anderen Branchen insgesamt. Das hat eine repräsentative Studie der Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften ergeben, die die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an diesem Mittwoch in Stuttgart vorgestellt hat.

 

GEW pocht auf Entlastung

Die GEW-Landeschefin Monika Stein fordert die grün-schwarze Koalition deshalb erneut auf, die bereits von der vorigen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) geplanten Entlastungsmaßnahmen für Schulleiter umzusetzen und den Rektoren im Land mehr Stunden für ihre Führungsaufgaben an den Schulen einzuräumen. „Wir brauchen die von Frau Eisenmann geplanten 230 Stellen spätestens im nächsten Schuljahr“, sagte sie und verwies bei der Pressekonferenz darauf, dass im Land seit langem viele Rektorenstellen unbesetzt bleiben. Nach ihren Angaben sind aktuell landesweit 233 Rektorenstellen unbesetzt. Mehr noch: Von 2017 bis 2022 haben laut Monika Stein 119 Schulleiter ihr Amt wieder zurückgegeben.

Bei der Befragung durch die Freiburger Forscher haben mehr als 1400 Schulleiter im Südwesten allerdings ein insgesamt gemischtes Bild von ihren Arbeitsbedingungen gezeichnet, das neben vielen Belastungsfaktoren auch positive Aspekte enthält. Die Wissenschaftler ordnen die Einschätzungen der Befragten auf einer Skala von 0 bis 100 ein. Mit einem Wert von 73 taxieren die Rektoren die Arbeitsmenge deutlich höher als Angehörige des öffentlichen Dienstes (55), Beschäftigte in anderen Branchen (54) oder Lehrkräfte ohne Leitungsfunktion (64). Auch die emotionalen Anforderungen an die Rektoren sind deutlich höher (83) als in den anderen Vergleichsgruppen.

Normale Lehrkräfte ohne Funktion im Rektorat haben allerdings noch mehr Probleme damit, dass die Arbeit ausufert (75) als die Rektoratsmitglieder (71). Positiv heben die Schulleiter (79) und überhaupt die Pädagogen an den Schulen (74) die Entwicklungsmöglichkeiten in ihrem Beruf hervor; sie erreichen damit deutlich bessere Werte als der öffentliche Dienst (67) oder die Arbeitswelt in Deutschland insgesamt (64).

Die Rektoren und Lehrkräfte schätzen die Bedeutung ihrer Arbeit (mit 81 und 83) deutlich höher ein als andere Berufsgruppen und bekunden (mit 71 und 65) außerdem auch eine höhere Verbundenheit mit ihrem Arbeitsplatz. Der Gedanke an einen Stellenwechsel ist in allen Vergleichsgruppen ähnlich präsent: Die Schulleiter erreichen den Wert 19 auf der Bewertungsskala, bei den Lehrkräften insgesamt und im gesamten öffentlichen Dienst sind es 18, in den übrigen Berufsgruppen 20.

Ähnliche Werte in ganz Deutschland

Die Freiburger Wissenschaftler haben ihre Daten bundesweit erhoben und dabei keine großen Unterschiede zwischen den Bundesländern feststellen können. So pendeln die Anforderungen an die Arbeitsmenge zwischen 71 und 75. Die Arbeitszufriedenheit der Rektoren ist in Rheinland-Pfalz (mit 60) am niedrigsten und in Bremen am höchsten (66). Die Rektoren in Baden-Württemberg erreichen einen Wert von 64. Die Arbeitszufriedenheit in allen Berufsgruppen in Deutschland erreicht ähnliche Werte zwischen 64 in der Arbeitswelt insgesamt und der Verwaltung mit 67.