Sie schreibt kreuz und quer über alles Mögliche, sagt Marina Sigl – mit Erfolg. Die gebürtige Donaueschingerin gehört zu den erfolgreichsten Poetry-Slammerinnen des Landes.
Das Mikrofon steht vor ihr. Dahinter sitzt das Publikum. Es lauscht gespannt. „Die Welt ist nicht klein“, beginnt Marina Sigl auf der Bühne und trägt ihren Text über das Reisen vor. Der Text hat den Titel „Signorina“.
Sigl stellt bei ihrem Auftritt die greifbare Wirkung ihrer lyrischen Kunst, die gleichzeitig humorvoll und tiefsinnig ist, präzise unter Beweis. Die gebürtige Donaueschingerin hat schon an die 400 Bühnenauftritte als sogenannte Poetry-Slammerin hinter sich. Dabei sei sie damals eher über diese Art der Dichtkunst gestolpert, wie sie es formuliert.
Die Dichterin, 1996 in Donaueschingen geboren und dort aufgewachsen, studierte in Konstanz die Fächer Deutsch und Chemie auf Lehramt. Heute arbeitet sie als Lehrerin in Stuttgart.
„Literatur und das Schreiben war schon immer meine Leidenschaft“, erzählt Sigl. Schon im Alter von 13 Jahren versuchte sie sich an einem eigenen Roman, erzählt sie. Im Laufe der Zeit habe sie die verschiedenen Formen des Schreibens ausprobiert. Damals habe sie eigens hierfür einen Blog betrieben und beinahe täglich Texte produziert, wie sie erklärt. In ihrer Studienzeit suchte die Autorin Gleichgesinnte und gründete eine eigene Hochschulgruppe, in der verschiedene Leute mit derselben Leidenschaft für Literatur zusammenkamen. Mit dieser Gruppe besuchten sie eines Tages einen Poetry-Slam-Abend. Für Marina Sigl war an diesem Abend klar: „Das ist es!“ Noch am selben Abend sei sie zum Moderator gegangen und habe gesagt, sie wolle ebenfalls auf die Bühne. Bei der nächsten Veranstaltung war es so weit.
Marina Sigl ist bei der Agentur Dichterwettstreit-deluxe unter Vertrag und bekommt verschiedene Aufträge. Durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Leiter der Agentur, Elias Raatz, und der Stadt Donaueschingen, konnte sie so schon viele Auftritte in der Region als Künstlerin mit lokalem Bezug bestreiten. „Mir macht es besonders Spaß, in meiner Heimat aufzutreten. Da habe ich das Gefühl, ich bin zu Hause.“
Bei „Bühne frei“ dabei
Künstlerisch mit Poetry Slam vertreten ist sie zum Beispiel bei „Bühne frei“ in der Donauquellstadt. Noch weiß sie nicht genau, wann sie wieder in Donaueschingen auftreten wird, doch grob sei sie alle halbe Jahre in ihrer Heimat.
Jeder sei beim Poetry Slam willkommen, betont Sigl. „Poetry Slam ist zwar immer ein Wettbewerb und man tritt gegen die anderen Kandidaten an. Doch man freundet sich an und knüpft viele neue Kontakte“, erklärt sie. Für die junge Frau als Textnerd sei das genau der richtige Ort. Viele nennen die Szene auch ganz liebevoll Slamily, eine Kombination der Wörter Slam und Family, also Familie, so Sigl.
Eine der schönsten Sachen beim Poetry Slam sei, dass man sich immer wieder neu erfinden müsse. Es gehe darum, auf der Bühne einen individuellen, einzigartigen Eindruck zu hinterlassen. So versuche sie, in ihren Texten Themen aus einem originellen Blickwinkel zu beleuchten. Die Themen seien deshalb komplett unterschiedlich, erklärt die Dichterin. Sie schreibe kreuz und quer über alles Mögliche. Sie selbst betrachte sich auf der Bühne als Dienstleisterin für die Zuschauer, die sie mit ihrer Kunst unterhalte.
Zeit für etwas Neues
Ihre Leidenschaft bringt sie auch beruflich ein. In ihrer Schule in Stuttgart unterrichtet sie die Unterrichtseinheit Poetry Slam. Sie habe sogar eine eigene Poetry-Slam-AG organisiert. Marina Sigl hat schon fast 400 Auftritte hinter sich, von denen sie, wie sie sagt, in etwa jeden dritten gewann. Zeit für etwas Neues: Aktuell will sich die Lehrerin wieder neu erfinden und sich an Hochzeitsreden probieren.
Was ist Poetry Slam?
Eine kurze Einführung
Poetry Slam setzt sich aus den Worten Poetry (dt. Dichtung) und Slam (dt. schlagen) zusammen und wird sinngemäß mit Dichterwettstreit übersetzt. Es bezeichnet einen literarischen Wettbewerb, in dem verschiedene Künstler individuelle selbstverfasste Texte innerhalb einer bestimmten Zeit vortragen. Meist besteht die Jury aus dem zusehenden Publikum.