Bedirhan Bedir in seinem Klassenzimmer (links) und am Set mit Schauspieler Richy Müller. Foto: Bedirhan Bedir

Ein Lehrer aus Waiblingen spielt im neuen Stuttgarter „Tatort“ mit. Bedirhan Bedir unterrichtet Englisch und Sport in Bad Cannstatt – und steht regelmäßig vor der Kamera.

Ein Toter im Steinbruch, ein gestohlener Wagen und zwei junge Frauen, die mehr verbindet, als es scheint. Am 22. Mai findet die Premiere des neuen Stuttgart-Tatort mit dem Titel „Lucys Geburtstag“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz statt. Mit dabei ist der Gymnasiallehrer Bedirhan Bedir – auf der Leinwand.

 

In Geislingen an der Steige geboren, in Würzburg studiert, wohnt der 39-Jährige nun seit sieben Jahren in Waiblingen. Als Lehrer unterrichtet er Englisch und Sport an den privaten Lessing-Schulen in Stuttgart-Bad Cannstatt. Doch durch sein Leben zieht sich neben dem Unterrichten eine weitere große Leidenschaft: Das Theaterspiel.

Lehrer von der Theater-AG zum Tatort-Darsteller

„In der Realschule waren meine Freunde und ich dafür bekannt, dass wir sehr turbulent und lustig unterwegs waren. Unsere stellvertretende Schulleiterin war schlau und hat unsere Energie in eine Theater-AG gelenkt. Seitdem spiele ich“, erzählt Bedir.

Auch nach seinem Umzug nach Waiblingen suchte er sich eine Gruppe und landete bei der Amateurschauspieltruppe „Hegnacher Kuckuck“. Dort spielte er zunächst eine Nebenrolle, dann die Hauptrolle. Das positive Feedback bestärkt ihn. Die Idee entsteht: Warum nicht auch Film?

Lehrer ist großer Fan von İlker Çatak

Doch wie kommt man als Quereinsteiger ins Filmbusiness? „Ich habe viel im Internet recherchiert und dann zunächst als Komparse angefangen“, sagt der zweifache Familienvater. „Wichtig war auch, mit Leuten aus der Branche zu sprechen, teilweise über Instagram. So bin ich auf wichtige Portale gestoßen. Außerdem habe ich in professionelle Fotos und Bewegtbildmaterial investiert.

Bedir merkt schnell, dass er sich vor der Kamera wohlfühlt. Er übernimmt eine Kleindarstellerrolle in einem Kinofilm. „Am Anfang wusste ich gar nicht, für welchen Film ich mich da bewerbe. Es handelte sich um das Politdrama „Gelbe Briefe“ des Berliner Regisseurs İlker Çatak, das unter anderem mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. „Das war eine große Ehre“, sagt Bedir und schwärmt von Çatak, der so bodenständig sei und mit allen Darstellern sehr respektvoll umgehe.

Ermitteln im Stuttgart-Tatort: Sebastian Bootz (Felix Klare, links) und Thorsten Lannert (Richy Müller) Foto: SWR/Benoît Linder

Gemeinsam mit Richy Müller vor der Kamera im Stuttgart-Tatort

Seine Schauspielerfahrungen versteckt er nicht vor seinen Schülerinnen und Schülern. Im Gegenteil: Ist der Unterricht mal etwas trocken oder schweifen die Schüler ab, erzählt er ihnen von seinen Castings, Drehs und neuen Projekten. Allgemein haben der Lehrer- und Schauspielberuf Gemeinsamkeiten.

„Ich möchte die Aufmerksamkeit von meinem Publikum als auch von meinen Schülern. Mir ist wichtig, dass die Schüler Spaß haben, auch wenn der Stoff manchmal trocken ist. Wie auf der Bühne möchte man das Publikum erreichen.“

Mit dem „Tatort“ steht für Bedir nun ein größeres Fernsehprojekt an. Viel darf er über seine Rolle nicht preisgeben. „Ich spiele eine neutrale Figur und führe einen Laden“, sagt er. Es ist eine Episodenrolle, also mehr als ein kurzer Auftritt im Hintergrund. Er hat eigenen Text und steht auch mit Richy Müller vor der Kamera. Selbst verfolgt er die Krimireihe kaum. „Wir sind eher mit türkischen Serien aufgewachsen“, sagt er.

Tatort vs. Klassenzimmer – „Ich liebe meinen Beruf. Er gibt mir Stabilität“

Seinen weiteren Weg plant er pragmatisch. „Ich gehe in kleinen Schritten vor“, sagt Bedir. Neben seiner Arbeit als Lehrer und dem Familienleben bleibt nur begrenzt Zeit. Aktuell arbeitet er an einem Showreel, einem Zusammenschnitt seiner bisherigen Rollen, mit dem er sich bei Agenturen bewerben will.

Auf die Frage nach großen Zielen nennt er einen Namen: Robert De Niro. Dessen Gangsterrollen hätten ihn geprägt. Gleichzeitig setzt er sich Grenzen. Sehr intime Szenen schließt er für sich aus. „Nicht wofür meine Frau mir die Ohren langziehen Würde.“

Egal wie seine Karriere weitergehen wird, den Lehrerberuf möchte er nicht aufgeben. „Ich liebe meinen Beruf. Er gibt mir Stabilität“, sagt er. Perspektivisch könne er sich vorstellen, die Stunden zu reduzieren, falls mehr Dreharbeiten dazukommen. Einen wichtigen Anstoß für seinen Weg nennt Bedir am Ende selbst: seinen Onkel. „Er hat mich immer wieder ermutigt, es zu versuchen.“