Eine Ikone der Neuhauser Fastnacht geht in den Ruhestand. Dietmar Kammerer von der Neuhauser Narrenzunft beendet seine legendären Auftritte auf der Bühne bei den Zunftbällen.
Als Kind kam Dietmar Kammerer mit seinem Bruder und den Eltern nach Neuhausen. Nach dem Besuch der Grund- und Hauptschule ging es ins Berufsleben als Feinmechaniker. Seine erste „Liebe“ galt der Musik.
1969 trat er dem Musik- und Trachtenverein Neuhausen bei. Nach dem Bau des Vereinsheims wirkte er hier jahrelang als „Hausmeister“. Nach anfänglichen Versuchen mit dem Tenorhorn wechselte er auf das größte Instrument – die Tuba.
Ein paar Jahre wirkte er auch in Führungsämtern. Mit knapp über 70 Jahren ist er immer noch aktiver Musiker. Nebenher hat er in jungen Jahren auch dem Leder auf dem grünen Rasen nachgejagt, im Jugendbereich beim FC Kappel und nach Gründung des FC Neuhausen 1972 in der dortigen zweiten Mannschaft.
Ein Gründungsmitglied
1981 wurde die Narrenzunft in Neuhausen gegründet. Bereits drei Jahre zuvor war er im Häs zu sehen. Das Gründungsmitglied hatte den Wolfsnarro ausgesucht. Eines seiner schönsten Erlebnisse hatte er bei einem Narrentreffen in Bad Cannstatt, schon alleine wegen tausender Zuschauer am Straßenrand. Sein Bühnenleben begann er bei den Zunftbällen, die 1979 ihre Anfänge in der Schulaula hatten. Dietmar Kammerer und Alfons Ohnmacht hatten hier als Dorfbachbrunzer ihre Premiere. Das Duo wirkte als Bänkelsänger. Mit ihren Vorträgen sangen sie sich in die Herzen des Publikums.
Unvergessen sind unzählige Auftritte
Die beiden gelten als Legenden der Neuhauser Saalfastnacht. Unvergessen sind die unzähligen Auftritte mit Roswitha Rottler als Mutter und Sohn, als Straßenkehrer, als Erna und der große Klaus oder als Ehemann von Roswita. Mit Loni Schlenker als Bühnenpartnerin imitierte er unter anderem ein sehr erfolgreiches Duo aus dem Fernsehen.
Und nicht genug damit. Als Solist glänzte er als Büttenredner. In Rollen als Haschbruder oder Pedro der Feuerwehrmann strapazierte er die Lachmuskeln der Besucher bei den Zunftbällen.
Bis zum heutigen Tag ist er Mitglied bei den Stammtischbrüdern. Hier kamen Gegebenheiten aus dem Dorfgeschehen ans Tageslicht. Die vier halten seit Jahren stets Augen und Ohren auf, um nichts zu verpassen.
In Erinnerung blieben Erlebnisse, die für den namentlich Genannten nicht immer lustig, aber kurios waren. Es führte einmal eine falsch eingestellte Zeituhr dazu, das der Fuchs auch Einlass im Hühnerstall fand. Die Geschichte eines klingelnden Handys aus der Waschmaschine fand auch den Weg zu den Stammtischbrüdern. In Corona-Zeiten war Kammerer auch digital zu sehen. Nicht ungewöhnlich war es, dass er beim Zunftball zwei oder drei Auftritte mit seinen verschiedenen Rollen hatte.
Starke Truppe der Baumholer
Des Weiteren gehört Kammerer seit 1979 zu der starken Truppe der Baumholer. Diese stellen dann mit weiteren Mitgliedern der Narrenzunft den Narrenbaum auf dem Rathausplatz. Außerhalb seines „Bühnenlebens“ war er acht Jahre stellvertretender Vorsitzender sowie mehrere Jahre Kassenprüfer und Beisitzer.
Dietmar Kammerer, die Legende der Neuhauser Saalfastnacht, wie er beim letzten Auftritt in diesem Jahr bezeichnet wurde, hatte sich als Ziel gesetzt, nach seinem 70. Geburtstag von der Bühne bei den Zunftbällen abzutreten. Dies wurde nun mit großem Bedauern aufgenommen. Die Zunft kann jedoch weiter auf das Mitwirken seinerseits bei anderen Aktivitäten rechnen.