Einen Joint rauchen, das wird in Deutschland für Erwachsene nun bald legal. Foto: dpa/Hannes P Albert

Der Bundestag hat es mehrheitlich beschlossen: Ab 1. April ist Cannabis-Konsum unter gewissen Bedingungen legal. Stadtjugendpfleger Dirk Maute weiß schon aus ersten Reaktionen, wie das bei so manchem Jugendlichen ankommt.

Sprüche wie „mit 18 darf ich es eh machen“ oder „das ist doch jetzt legal, ich darf kiffen“ begegnen Maute in Gesprächen mit Jugendlichen. Für Maute ein klares Signal, dass die Legalisierung von Cannabis zu einer Verharmlosung des Suchtstoffs im gesellschaftlichen Denken führt.

 

Das Gesetz solle den Schwarzmarkt zurückdrängen. Aber ausmerzen werde es ihn nicht, ist sich Maute sicher, dass Jugendliche weiterhin an Cannabis kommen werden. Vermutlich noch leichter als vor der Legalisierung. Eigenanbau in bestimmtem Maß und Anbauvereinigungen würden möglich. Über Kontakte mit Erwachsenen kämen Jugendliche auch an dieses Pflanzenmaterial. Der Jugendtreff fährt eine harte Linie gegenüber Besuchern, die regelmäßig Drogen konsumieren oder bekifft oder besoffen erscheinen. Sie haben keinen Zutritt, macht der Stadtjugendpfleger Gebrauch von seinem Hausrecht. Das habe im vergangenen Jahr eine Gruppe von etwa acht Personen betroffen.

Noch „Kurve bekommen“

Wobei Maute in diesem Zusammenhang auch Positives berichten kann. Ein paar von denen hätten ihren Drogenkonsum mittlerweile deutlich reduziert oder ganz aufgehört. Drei von den Personen habe er deshalb wieder einen Zugang zum Jugendtreff erlaubt. Maute ist sich jedoch sicher: Die Besserung der Jugendlichen habe nichts mit der härteren Gangart des Jugendtreffs zu tun. Da hätten andere Kriterien ein Umdenken bewirkt, gesundheitliche Beeinträchtigungen, ein Scheitern in Schule oder der beruflichen Ausbildung. Bei einem wäre die Situation sehr ernst gewesen. Wenn derjenige nicht die „Kurve bekommen“ hätte, dann wäre er jetzt wahrscheinlich anderswo, „im Gefängnis oder auf dem Friedhof“.

Maute sieht einen gesellschaftlichen Wandel, vielleicht auch beschleunigt durch die Corona-Pandemie und digitale Möglichkeiten. Konsum, Egoismus und Suchtstoffe würden eine immer stärkere Rolle spielen. Manche junge Leute „kommen in der realen Welt nicht mehr so richtig klar“, so sein Eindruck. Die reale Welt biete nicht so viel Abwechslung. Auf der Suche nach Spaß drifte man ab in die virtuelle Welt. „Suchtstoffe sind auch eine Flucht vor der Realität.“ Mit der jetzigen Legalisierung werde Cannabiskonsum „ein fester Bestandteil unserer Kultur. Da sehe ich schon ein Problem“, so Maute.

E-Zigaretten beliebt

Ein großer Wurf sei der Zigarettenindustrie mit den Dampf-Zigaretten gelungen. Der Konsument rieche nicht mehr nach Zigarettenrauch, sondern nach bevorzugten Duftnoten wie Waldmeister- oder Kirscharoma. Jedoch gebe es keine Langzeitstudien über deren Gefährlichkeit. Und E-Zigaretten könnten Nikotin in einem deutlich höheren Maß enthalten als Tabak-Zigaretten. Bei Jugendlichen seien E-Zigaretten, auch Vapes oder E-Shisha genannt, sehr beliebt. Das merkt Maute auch an den Raucherplätzen unweit des Jugendtreffs, wo es seit Monaten so gut wie keine Kippen mehr gebe. Für ihn ein klares Zeichen, dass von vielen Jugendlichen keine Tabak-Zigaretten mehr geraucht würden, sondern stattdessen auf Dampf-Zigaretten zurückgegriffen wird.

Wie bei allen Suchtstoffen sieht Maute die Gefahr, je früher Jugendliche oder Kinder mit dem Rauchen oder Biertrinken starteten, umso höher sei das Risiko, dass sie im Lauf der Jahre bei härteren Drogen landeten. Seine Erfahrung ist aber auch: Er schätzt, dass etwa 95 Prozent der Jugendlichen mal „einen Versuch starten“ und einen Joint rauchen. Aber deshalb werde nicht jeder von ihnen süchtig. Da spielten auch Faktoren wie Genetik und Sozialisierung eine Rolle.

Prävention ein Thema

Die Legalisierung von Cannabis ist für Maute und seine Kollegen Anlass, das Thema auf die Agenda zu nehmen. Es gebe regelmäßige Treffen von Stadtjugendpflegern im Kreis. Da könne besprochen werden, wie Präventionsmaßnahmen und eine adäquate Aufklärung von Jugendlichen aussehen könnte.