Das Beethovenhaus wurde vor rund 100 Jahren als Sängerheim vom Liederkranz erbaut. Vor acht Jahren wurde es zuletzt genutzt. Foto: Mareike Kratt

Während das Quartier drumherum inzwischen saniert ist, steht das Schwenninger Beethovenhaus seit acht Jahren leer und verlassen da. Wann wird es verkauft und abgerissen?

Im Januar 2018, als der letzte Eröffnungsball der Schwenninger Narrenzunft über die Bühne gelaufen ist, ist zwischen Beethoven- und Marienstraße eine Ära zu Ende gegangen.

 

Hier wurde nicht nur Fasnet gefeiert, hier wurden auch andere fröhliche Feste veranstaltet, ebenso wie Gemeinderatssitzungen oder weitere Informationsveranstaltungen.

Auch die Briefmarken- und Münzensammler hatten regelmäßig zu Großtauschtagen eingeladen.

Und allen voran für den Liederkranz sollte die Schwenninger Veranstaltungshalle eine neue Heimat für Proben und Konzerte werden – war es doch der Gesangsverein, der 1925, also vor rund 100 Jahren, das Haus als Sängerheim bauen ließ und es 1927 eingeweiht hat. 1968 wurde es jedoch an die Stadt verkauft und umfassend saniert.

Abriss ist besiegelt

Frisch saniert ist das Quartier um das Beethovenhaus herum. Foto: Mareike Kratt

Die Zukunft des Beethovenhauses wurde derweil durch einen Gemeinderatsbeschluss im Jahr 2021 besiegelt: Dieser sieht vor, das Gebäude abzureißen und das rund 2134 Quadratmeter große Grundstück zu verkaufen, um Wohnbebauung und Gewerbeflächen zu ermöglichen.

Dies alles, und allen voran die Ausschreibung der Konzeptvergabe, sei aber erst möglich unter Voraussetzung einer „ordnungsgemäßen Erschließung“, hatte die Stadt im Spätsommer 2024 auf Anfrage mitgeteilt.

Beethovenstraße schon saniert

Und diese ist inzwischen realisiert: Denn bekannterweise ist die Beethovenstraße im Zuge eines neuen Quartierskonzepts saniert worden. Zwischen Planungsbeschluss (2021) und Fertigstellung (Mai 2025) liegen rund vier Jahre.

Die Beethovenstraße nimmt im Radverkehrskonzept der Stadt eine zentrale Rolle ein. Foto: Mareike Kratt

In dieser Zeit sind Mischwasserkanal sowie Versorgungsleitungen für Strom, Gas, Nahwärme und Breitband neugebaut und der Straßenraum mit Herstellung eines neuen Kreisverkehrs an der Kreuzung zum Mühlweg und zur Mozartstraße grundlegend umgebaut worden. Zudem sind barrierefreie Bushaltestellen, großzügigere Gehwege und eine umfangreiche Begrünung entstanden.

Seither soll die neugestaltete Beethovenstraße auch im Radverkehrskonzept der Stadt VS eine zentrale Rolle einnehmen, hatte es bei der Eröffnung geheißen. Als Vorrangroute innerhalb des Radwegenetzes soll sie den Radverkehr durch Schwenningen bündeln.

Und die alte Veranstaltungshalle? Eigentlich sollte sich in Sachen Abriss bereits im vergangenen Jahr etwas tun, hatte die Stadt im September 2024 mitgeteilt. Doch Neuigkeiten gab es bisher erst einmal keine.

Gutachten steht aus

Das Projekt werde von der Wirtschaft, Tourismus und Räume VS GmbH (WIR) verfolgt, informiert Madlen Falke, Pressesprecherin der Stadt Villingen-Schwenningen, auf Anfrage unserer Redaktion. Aktuell sei ein Gutachten zur Altlastenuntersuchung beauftragt, dessen Ergebnisse im März erwartet würden.

Anschließend werde der Aufsichtsrat der WIR im Frühjahr über das weitere Vorgehen bezüglich des Verkaufs zu entscheiden haben. Und die Chancen, dass dieser bald über die Bühne gehen könnte, stehen laut der Pressesprecherin gar nicht so schlecht: Es gebe bereits Interessenten mit flexiblen Konzepten. „Wir sind zuversichtlich, dass ein Verkauf gegen Ende des Jahres möglich sein könnte.“

Dennoch dürfte klar sein: Seinen 100. Jahrestag der Einweihung wird das Beethovenhaus wohl noch erleben.