Auch wegen Corona sind viele Innenstädte wie ausgestorben. Die IHK will, das sich das ändert. Foto: Wüstneck

Totenstille in den Innenstädten, Schockstarre bei den Einzelhändlern und das Wasser, das "bis über die Nase" steht – Claudius Fichter von Optik Fichter in St. Georgen, Jens Krön von Lederwaren Krön in Schramberg und Benedikt Wagner von "Traumform" in Trossingen finden im Pressegespräch der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg einige Sinnbilder, um ihre Lage zu beschreiben.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Wie man es auch formuliert, der Schluss bleibt der gleiche: Der Lockdown macht nicht nur den Händlern, Gastronomen und Dienstleistern zu schaffen; er trägt auch dazu bei, dass es in den Innenstädten noch ruhiger wird als ohnehin schon. "Die Not ist größer denn je", sagt Philipp Hilsenbek, der bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg den Geschäftsbereich Standortpolitik leitet.

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Was den Einzelhändlern neben den Kunden vor allem fehlt, ist die Perspektive, sagen sie. "Immer wieder wird man vertröstet", beschreibt Krön die Situation. Öffnung im Januar? Im Februar? Vielleicht im März? "Wir sind müde, haben keine Kraft mehr", sagt Wagner. Trotzdem steht er auch in Woche zehn des Lockdowns noch jeden Morgen auf und geht in seinen geschlossenen Laden, um da zu sein, falls das Telefon klingelt. "Ich freue mich über jeden, der anruft und auch nur eine Kleinigkeit braucht" – dann sei der Tagesumsatz immerhin nicht ganz bei null. Irgendwie versuche man ja trotz allem, noch ein bisschen Umsatz zu machen – auch durch Angebote wie "Click and Collect". "Beim einen kommen noch zehn Prozent raus, beim anderen vielleicht noch fünf", meint Wagner.

Große Hoffnungen

Auch Krön winkt beim Thema "Click and Collect" ab. Das mache man eigentlich vor allem, "damit man etwas zu tun hat. Vom Kostendecken sind wir das weit entfernt." Die Gesamtlage in der Schramberger Innenstadt bezeichnet er als "desaströs": Die Kundenfrequenz bei denjenigen Händlern, die geöffnet haben, sei "ganz, ganz weit im Keller" – von allen, die ihre Türen geschlossen halten müssen, ganz zu schweigen. Zusätzlich liegen die Aktivitäten der Handels- und Gewerbevereine zu einem großen Teil brach – von einigen Lichtblicken einmal abgesehen. "Was man machen wollte, ist alles nicht erlaubt", bilanziert Fichter, der auch zweiter Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins St. Georgen ist.

Das Hinfiebern auf die Zeit nach dem Lockdown ist also groß. Was diese bringen wird, weiß aber keiner genau. Trotzdem sagt Wagner: "Wir haben große Hoffnungen, dass wenn wir öffnen dürfen – unter welchen Bedingungen auch immer – die Kunden dann auch wieder zu uns kommen" und nicht gänzlich oder größtenteils zur Online-Konkurrenz abwandern. Soziale Kontakte seien schließlich beim Kauf über das Internet nicht möglich, und wie wichtig diese seien, habe die Pandemie gezeigt. Auch Fichter ist überzeugt, dass das Leben nach dem Lockdown wieder in die Innenstädte zurückkehren kann – aber erst dann, wenn auch Cafés, Restaurants und Co. wieder öffnen dürfen. "Erst dann macht’s wieder Spaß", sagt er über das Einkaufserlebnis.

Genau das soll ein Besuch in der Innenstadt künftig sein, wenn es nach der IHK und den Händlern geht: ein Erlebnis. Deshalb müssen man die Innenstadt als Ganzes, als Gesamtpaket sehen, meint Krön. IHK-Geschäftsbereichsleiter Hilsenbek stimmt ihm zu: "Erlebnischarakter", sagt er, "klappt nur gemeinsam", wenn Einzelhändler, Kommunen und alle anderen Betroffenen an einem Strang zögen.

Resolution soll helfen

Die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg hat deshalb die Resolution "Pro Innenstadt" erstellt, in der sie elf Handlungsansätze für eine "kurzfristige Stabilisierung der Innenstädte" darstellt. Diese reichen von der Beibehaltung geänderter Satzungen – etwa für die Verwendung von Heizpilzen vor Gaststätten – über die Möglichkeit, leerstehende Räume schnell und kurzfristig umzunutzen, den Erhalt standortübergreifender Marktplätze wie entsprechender Online-Plattformen bis zum Ratschlag, Neues auszuprobieren und Scheitern in Kauf zu nehmen.

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