So bunt und bewegend kann Kirche sein: Nach zehnjähriger Pause gab es in Nagolds Stadtkirche am Reformationstag endlich wieder eine Churchnight. Das Programm sprach alle Generationen an.
Nach zehnjähriger Pause rief die Churchnight der evangelischen Kirche ein breites Echo unter der Bevölkerung hervor. Die Menschen zogen scharenweise am frühen Abend des Reformationstages in die Nagolder Stadtkirche, welche in diesem Jahr ihr 150-jähriges Jubiläum feiert.
Auffallend viele Kinder waren dabei, da der Projektleiter der Churchnight, Co-Dekan Tobias Geiger, sein Event an jedermann und an alle Altersgruppen richtete. Sein Herzenswunsch, den Menschen, Familien und Vereinen für einen Abend einen gemeinsamen Begegnungsort zu bieten, ging in Erfüllung, und zwar mit Überschuss.
Bereits im Vorfeld weckte eindrucksvolle Außenbeleuchtung des neugotischen Kirchengebäudes – das Werk des Religionslehrers und Hobby-Lichtkünstlers Albrecht Schlierer - die Neugier der Passanten. Noch intensiver und üppiger gestaltete Schlierer die Farbenspiele im Innenraum, sodass die Wände und die Decke über dem Chorraum in Blau, Rot, Pink und Grün-Gelb abwechselnd eintauchten. Der erste positive Eindruck galt also den Augen und auch die andere Sinne kamen nicht zu kurz.
Gaumenfreuden zu moderaten Preisen
Das Aroma des Popcorns kitzelte die Nasen und vor den Ständen mit Grillwürstchen, Waffeln, Pommes, Maultaschen und Getränken (zu moderaten Preisen) bildeten sich lange Menschenschlangen. Entweder im Stehen oder an den Tischen in den Nebenschiffen kosteten die Gäste die Leckereien aus und die Kürbis-Suppe – Renate Teufel stellte 200 Portionen zum Verzehr zur Verfügung – rundete die Gaumenfreude ab.
Die größte Aufmerksamkeit der Besucher zog die Bühne vor dem Altar an, wo der Kinderkirchenchor zum ersten Mal öffentlich auftrat. Der fröhliche Gesang der Jüngsten zwischen fünf und zwölf Jahren ließ die Zuhörerherzen schmelzen und schnell stellte sich eine richtig familiäre und lustige Atmosphäre ein.
Dann riss die Chorleiterin Eva Magdalena Ammer das Publikum zum Mitmachen mit und alle in den voll besetzten Zuhörerreihen sangen, schunkelten, sprangen in die Luft, stampften mit den Füßen und klatschten in die Hände - spaßeshalber gegen den Takt. Ein riesiges Vergnügen für alle mit viel Lachen und einem begeisterten Applaus.
„Ein bisschen Halloween in der Kirche“
Zu der langen Kirchennacht hatte Geiger auch das Komiker-Duo „Die fliegenden Holländer“ eingeladen. Seine alten Bekannten aus Filderstadt, Tobias Leiser und Ulrich Schäffer, amüsierten das Publikum mit leichtem, kindgerechtem Humor, mit einfachen, clownesken Handlungen und absichtlich unbeholfenen Tricks nach dem Motto „ein bisschen Halloween in der Kirche“ muss sein. Die unterhaltsame Show schloss Leiser ganz ernst ab und verwies auf Christus als die einzige heilende Kraft.
Zwischen den Programmpunkten gab es genügend Zeit für zwischenmenschliche Kontakte und Gespräche. Nach der nächsten langen Pause betrat die Bühne der etwa 20-köpfige Nagolder Chor „Come Together“ mit der Dirigentin Sieglinde Geißler an der Spitze und unterhielt die Zuhörer zu Gitarrenbegleitung von Claus Wiencke mit einem freudig gesungenen „bunt gemischten Lieder-Potpourri“ (Geißler).
Ein fröhlicher und teils bewegender Abend
Zur späten Stunde, während vor dem Kirchenhaupteingang zwei Feuerstellen mit Scheinwerferlicht um die Wette brannten, trat im Innenraum die Stadtkapelle Nagold unter ihrem Dirigenten Michael Kraus auf. Den eindrucksvollen Abend schloss Pfarrer Matthias Trumpp mit Lobpreisliedern zum Mitsingen zur Begleitung einer kleinen Band ab.
Es war ein fröhlicher und teils bewegender Abend, der die Geschlossenheit der Nagolder Gesellschaft mit Erfolg auf den Prüfstand stellte.