Physik-Genie Albert Einstein war gerne und mehrfach in Benzingen. Foto: Schackow

Für die Benzinger war das Jahr 2020 ein doppelter Schlag, denn sie mussten nicht nur die Coronavirus-Pandemie ertragen, sondern auch ihr 800-Jahr-Jubiläum absagen. Das Festbuch gibt es dennoch.

Winterlingen-Benzingen - 800 Jahre Benzingen auf 134 Seiten: Das Festbuch zum Jubiläumsjahr ist an alle Benzinger Haushalte kostenfrei verteilt worden und ab sofort auch für fünf Euro in der Benzinger Filiale der Bäckerei Sauter erhältlich.

Walter Sieber, Ellen Wiehl und Axel Wagner waren die Redakteure des Werks, für das auch Kreisarchivar Andreas Zekorn, Heimatforscher Heiner Schuler aus Winterlingen sowie die Benzinger Vereine und Institutionen Beiträge geliefert haben. Grußworte stammen von Bürgermeister Michael Maier – der Schirmherr des Festjahres zitiert stolz dessen Motto "Benzingen – lebenswert seit 1220" – sowie von Ortsvorsteher Ewald Hoffmann und Landrat Günther-Martin Pauli.

Wie aus Zekorns geschichtlichem Abriss hervorgeht, haben natürlich schon vor 1220 Menschen dort gelebt, wo heute Benzingen steht. Den Albertshof habe Gräfin Adelheid von Sigmaringen 1220 – die Schenkungsurkunde, enthalten im "Codex diplomaticus Salemitanus", ist die erste schriftliche Erwähnung des Ortes – dem Kloster Salem vermacht. Um sich dort eine Grabstätte und gleichzeitig ihr Seelenheil zu sichern. Im 13. Jahrhundert gehörte der Ort zunächst den Grafen von Veringen, wurde spätestens 1291 an die Habsburger verkauft, kam kurz darauf zurück zur Grafschaft Veringen und hatte gar eigenen Ortsadel, die Herren von Benzingen. Unterhalb des Friedhofs zeugten Spuren einer abgegangenen Burg noch davon, berichtet Zekorn.

Interessant: Die Österreicher waren es, die bei Streitigkeiten mehrmals Vermittler waren bei gewaltsamen Auseinandersetzungen der Benzinger mit den Grafen von Hohenzollern-Sigmaringen, was 1686 gar zur Abschaffung der Leibeigenschaft in der Grafschaft Veringen führte.

1807 kamen Benzingen und Harthausen zum Oberamt Sigmaringen, 1827 und 1854 zu Gammeringen mit einem Intermezzo ab 1840 beim Oberamt Straßberg. Ab 1925 gehörte der Ort zum Kreis Sigmaringen, ab 1973 zum Zollernalbkreis und erst ab 1975 auch zur Gemeinde Winterlingen.

Seine "Schlaglichter" – tatsächlich ist es eine ausführliche und kurzweilige Abhandlung der Geschichte – hat Zekorn reich bebildet, geht auf innerdörfliche Konflikte und politische Mitwirkung ebenso ein wie auf archäologische Aspekte und Verträge.

Die Einwohnerzahlen – 1836 bei 717 – erreichten 1998 mit 1240 ihre Spitze und liegen 2020 bei 1073. Kein Einwohner, aber ein gern gesehener Gast bei seinem Freund Camillo Brandhuber, einem begabten Redner und Abgeordnetem der Zentrumspartei – im Pfarrhaus, war kein Geringerer als Physik-Nobelpreisträger Albert Einstein, an den noch heute eine Tafel am Gebäude erinnert. Wie es dazu kam, berichtet Heiner Schuler: Einstein hatte über seine Cousine und zweite Ehefrau Elsa verwandtschaftliche Beziehungen nach Hechingen und hat dort wohl Brandhuber kennengelernt, der von 1906 bis 1908 Stadtpfarrer in Hechingen war. Als Mitglied des Preußischen Landtags besuchte der Geistliche das Ehepaar Einstein wohl öfter in seiner Wohnung in Berlin, wofür Einstein sich mit mehreren Urlauben in Benzingen revanchierte, ehe er in die USA emigrierte.

Ein ganzen Jahr in Bildern – und alle Vereine sind dabei

Kleine Episoden aus dem Benzinger Alltag im Lauf der Jahrhunderte haben die Autoren im "Findbuch" mit Zeichnungen versehen – zusammengetragen aus Zeitungen, Tagebüchern und Archiven.

Gebäude wie Wasserturm, Rathaus, Schule, Kirche, Pfarrhaus und Kaplaneihaus, reich bebildert, bekommen eigene Artikel, und auch der Weiler Blättringen wird bildreich gewürdigt.

Wie die Autoren ihr Werk überhaupt fleißig illustriert haben mit Postkarten und alten, aber auch jüngeren Fotos. Originell: Letztere zeichnen auch einen üblichen Jahresablauf im Ort nach – vom Häsabstauben der Alten Germanen über den Suppensonntag und das Vatertagsfest der Musikkapelle, das Reitturnier des RC Blättringen und den Backtag im Backhaus bis zum Benzinger Avent.

Alle Vereine stellen sich mit Logo und Fotos vor, so dass das Festbuch auch als Nachschlagewerk, sogar für Zugezogene, hilfreich ist. Erkennbar stolz sind die Benzinger auf ihren Erfolg im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft", bei dem sie die Silbermedaille im Landesentscheid 2015 geholt hatten – mit vereinten Kräften und einem Leitbild nach den Buchstaben "Benzingen lebt".

Herausgeberin des Werkes ist die Gemeinde Winterlingen, Ortschaftsverwaltung Benzingen, die es gegen Aufpreis auch versendet: Bestellungen sind möglich unter der E-Mail-Adresse ortsvorsteher @benzingen.de.

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