Eine anhaltende Inflation wird bei den Lebensversicherungen die Renditen auf Dauer schmälern, meint Thomas Magenheim. Schon jetzt sind die Policen unflexibel, intransparent und renditeschwach.
München - Stabil drei Prozent Rendite auf Lebenspolicen sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus. Schon weil immer mehr Banken von Sparern Negativzinsen verlangen. Zuletzt hat die Inflation hierzulande aber die Marke von fünf Prozent gerissen. Sie steuert dieses Jahr im Schnitt auf drei Prozent zu. Für 2022 sagen zudem in der Regel zuverlässige Wirtschaftsauguren wie das Ifo-Institut eine gleichbleibende Inflationsrate von im Jahresschnitt knapp drei Prozent voraus. Das relativiert einiges.
Selbst Versicherungsmathematiker bekommen Probleme
Wer bei der Allianz versichert ist, erleidet zumindest keine Realverluste, könnte man vorschnell argumentieren. Das stimmt aber nicht. Lebensversicherte Vorsorgesparer verlieren selbst im Fall des vergleichsweise gut dastehenden Branchenführers inflationsbereinigt: Von ihren Beiträgen werden vorab Provisionen und Gebühren abgezweigt, bevor die Gelder gewinnbringend investiert werden. Wie hoch Provisionen und Gebühren sind, hängen Versicherer aber im Gegensatz zur Gesamtverzinsung nicht an die große Glocke. Das macht es selbst für Versicherungsmathematiker nicht einfach, die Gesamtverzinsung einer Lebenspolice zu berechnen, die ihren Namen auch verdient.
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Zugleich legen sich Versicherte hier oft für Jahrzehnte fest. Lebenspolicen sind schlicht unflexibel, intransparent und renditeschwach. Letzteres hat seinen Grund im System hoher Provisionen und staatlich vielfach geforderter Verrentung fällig gewordener Policen. Bei der Verrentung haben Versicherer recht freie Hand für die Kalkulation der Lebenserwartung. Oft kann ein Kunde nicht so alt werden, dass sich sein Vertrag noch rentiert.
Ein weites Feld für die neue Bundesregierung
Die neue Bundesregierung hat hier ein weites Betätigungsfeld von enormer Bedeutung vor sich. Bisher hat aber noch jede Regierung vor der Versicherungslobby gekuscht. Ob SPD, Grüne und FDP das heiße Eisen gedeckelter Provisionen oder gar deren Abschaffung sowie das Ende von Verrentungszwängen anpacken, bleibt abzuwarten. Dringend nötig wäre es aus Kundensicht.