Er hat sich Schritt für Schritt ins Leben zurückgekämpft: der 27-jährige Alex, der an Leukämie erkrankt war. Foto: DKMS

Beim Heimspiel der Schwenninger Wild Wings gibt’s neben Sport die Chance, Leben zu retten: Der Förderkreis Südostkurve sucht mit der DKMS potenzielle Stammzellspender.

Beim Heimspiel der Schwenninger Wild Wings am Sonntag, 8. März, gegen die Augsburger Panther steht in der Helios Arena nicht nur der Sport im Mittelpunkt: Der Förderkreis Südostkurve organisiert mit der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine Registrierungsaktion für mehr potenzielle Stammzellspender.

 

Unter dem Motto „Schwenningen hält zusammen“ können sich Fans direkt im Stadion als potenzielle Stammzellspender registrieren lassen – und so vielleicht einem erkrankten Menschen eine zweite Lebenschance schenken, heißt es in einer Mitteilung.

Wie viel hinter der Aktion steckt, zeigen die Geschichten von zwei Mitgliedern des Förderkreises: Alex, 27 Jahre, der 2019 an Akuter Myeloischer Leukämie (AML) erkrankte, sowie die 23-jährige Sophia (23), leidenschaftliche Eishockeyenthusiastin und Stammzellspenderin.

Sie ließ sich mit 17 Jahren wegen der Erkrankung von Alex registrieren und spendete 2022 Stammzellen für eine junge Patientin in Frankreich – mit Erfolg: Die Frau lebt.

Chemotherapien und Monate im Krankenhaus

Was mit Fieber, geschwollenen Lymphknoten und zunehmender Schwäche begann, entwickelte sich bei Alex innerhalb weniger Tage zur lebensbedrohlichen Situation. Im März 2019 erhielt der 20-Jährige die Diagnose AML. Es folgten Chemotherapien, Monate im Krankenhaus und Nebenwirkungen. Erst im September konnte Alex die Klinik verlassen. In der Reha kämpfte sich der Sport- und Gymnastiklehrer Schritt für Schritt zurück. „Ein gesunder Mensch hat tausend Wünsche, ein kranker nur einen einzigen“, sagt Alex. „Diese Zeit hat meinen Blick auf‘s Leben komplett verändert.“

Heute arbeitet er selbst in der Onkologie-Rehabilitation und begleitet Krebspatienten auf ihrem Weg zurück in den Alltag. „Ich kann zeigen, dass nicht alle Hoffnung verloren ist. Dafür bin ich das lebende Beispiel, wenn ich vor meinen Patientinnen und Patienten stehe.“ Während seiner Erkrankung war für ihn der Rückhalt aus der Eishockey-Community enorm. Der Förderkreis wurde für ihn und seine Familie zu einer tragenden Säule. „Die Gemeinschaft aus der Kurve war mein größter Halt – moralisch und auch im Alltag.“

Für junge Frau gespendet

Sophia erlebte Alex Krankheitsgeschichte hautnah mit. Die 23-Jährige ist seit ihrer Kindheit eng mit dem Eishockey verbunden. Als Alex erkrankte, war die Themen Blutkrebs und Stammzellspende plötzlich ganz nah, auch wenn die beiden sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich kannten. „Ich habe gemerkt, wie sehr es das gesamte Umfeld mitnimmt. Da war für mich klar: Ich will helfen.“ Sophia fieberte ihrem 17. Geburtstag entgegen, dem frühsten Zeitpunkt, um sich bei der DKMS zu registrieren. Kurz darauf ließ sie sich als potenzielle Spenderin aufnehmen. Zunächst geriet die Registrierung bei ihr in den Hintergrund. Schon drei Jahre später kam im Februar 2022 der Anruf: Sie passt als Spenderin für einen an Blutkrebs erkrankten Menschen.

Stammzellen gingen an eine junge Frau nach Frankreich

Nach umfangreichen Untersuchungen in Freiburg stand fest: Sie kann wirklich spenden. Anfang Mai 2022 folgte die Stammzellentnahme. Der Tag war für sie emotional: „Neben mir wurden Patienten versorgt, denen man ihre Erkrankung angesehen hat. Da wurde mir noch einmal bewusst, wie wichtig diese Spende ist, die einer kranken Person irgendwo auf der Welt das Leben retten kann.“ Sophia erfuhr, dass ihre Stammzellen an eine junge Frau Mitte 20 nach Frankreich gingen, fast im gleichen Alter wie sie. Später kam die Nachricht: Die Patientin lebt. „Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, weil man mit seinem genetischen Zwilling mitfiebert.“ Im Juni 2023 spendete Sophia ein zweites Mal. „Ich hatte nur positive Erfahrungen. Wenn ich helfen kann, dann mache ich das definitiv.“

Diese positive Haltung hat auch Alex. Er setzt sich seit seiner Erkrankung privat für die DKMS ein. Ab 2020 sammelte er jedes Jahr an seinem Geburtstag, dem 5. November, Spenden – statt Geschenken wünscht er sich Unterstützung für den Kampf gegen Blutkrebs. Bis heute sind rund 8000 Euro zusammengekommen. Damit ermöglicht er die Finanzierung weiterer Registrierungen potenzieller Spender.

Zeichen für Zusammenhalt

Die Erfahrungen von Sophia und Alex sorgten unter anderem dafür, dass die Registrierungsaktion im Stadion ist. Die Wild Wings ermöglichen die Aktion am Spieltag in der Helios Arena. „Eishockey-Fans sind eine große Familie. Daher unterstützen wir gerne die DKMS“, erklärt die Fanbeauftragte Jasmin Özdemir. Zudem gibt es eine Geldspendenaktion zugunsten der DKMS, um Typisierungen zu finanzieren.

Für Sophia und Alex ist die Aktion ein starkes Zeichen für gelebten Zusammenhalt. „Eishockey war immer ein Teil meines Lebens“, sagt Sophia. „Wenn wir diese Gemeinschaft nutzen können, um Leben zu retten, dann ist das etwas ganz Besonderes.“ Alex ergänzt: „Ich weiß, wie es ist, auf Hilfe angewiesen zu sein. Wenn wir am 8. März auch nur eine zusätzliche Registrierung erreichen, kann das irgendwann ein ganzes Leben bedeuten.“

Aktion richtet sich an Zuschauer mit Eintrittskarte

Bereits zum fünften Mal in Folge unterstützt der Zusammenschluss aus der Fankurve damit ein gesellschaftlich wichtiges Projekt. An der Registrierungsaktion können ausschließlich Personen mit gültiger Eintrittskarte für das Spiel teilnehmen. Die Aktion läuft von 17.15 bis 19 Uhr.