Janine und Florian Bächle verfolgen das Projekt in Lauterbach nicht mehr weiter. Foto: Dold

Mehrere Jahre Planung waren nun mehr oder weniger umsonst: Florian und Janine Bächle – die potenziellen Betreiber des Lebensmittelmarktes im Haus des Gastes – haben sich dafür entschieden, das Projekt nicht mehr weiter zu verfolgen.

Dafür gibt es mehrere handfeste Gründe, die Florian Bächle am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilt. Noch am Abend zuvor war er mit seiner Frau Janine im Gemeinderat gewesen.

 

Dabei wurden die beiden mit durchaus kritischen Fragen gelöchert – beispielsweise wurden die Gebühren für die Gemeinde für den Betrieb von manchen Gemeinderäten als zu hoch angesehen. „Wir mussten uns immer wieder rechtfertigen und hatten nicht das Gefühl, dass es in Lauterbach eine große Begeisterung für den Markt gibt“, sagt Bächle. Daher sei schon kurz nach der Sitzung die Entscheidung gefallen – das Projekt in Lauterbach wird nicht mehr weiter verfolgt.

Weitere Projekte angestoßen

Es kamen aber noch mehrere weitere Gründe hinzu: So hat das Paar vor kurzem Nachwuchs bekommen. Außerdem taten sich in den vergangenen Monaten mehrere weitere Projekte mit Lebensmittelmärkten auf, so dass Lauterbach in die Röhre schaut – auch weil lange nicht klar war, wo die Reise hin geht. Zudem leben Florian und Janine Bächle in Geislingen bei Balingen. Andere Projekte sind nicht so weit von ihrem Wohnort entfernt wie Lauterbach.

Immer wieder wurden auch die Kosten für den Umbau im Haus des Gastes thematisiert. „Lauterbach hat die Kosten gescheut. Andere Gemeinden hingegen haben solche Summen investiert und der Gemeinderat stand voll dahinter“, sagt Florian Bächle. Nun hätten seine Frau und er keine Energie mehr für den Markt in Lauterbach.

Entsprechend groß war auch der Katzenjammer bei Bürgermeister Jürgen Leichtle. „Das kam überraschend. Wir stehen nun fast wieder bei Null“, sagte er wenige Minuten nach der Absage der Familie Bächle im Gespräch mit unserer Redaktion.

365 Tage im Jahr geöffnet

Janine und Florian Bächle hatten am Abend zuvor ein Franchisekonzept vorgestellt. Sie wären dann nicht mehr selbst Betreiber gewesen. Vielmehr wäre diese Aufgabe der Gemeinde zugekommen. Mit drei Mitarbeitern, die je 5,5 Stunden pro Woche arbeiten sollten, hätte das Projekt gestemmt werden sollen, so Florian Bächle.

Öffnungszeiten waren von 5 bis 23 Uhr angepeilt – und das an 365 Tagen. Als Franchisegebühr wären acht Prozent vom Umsatz angefallen.

Durch das Franchisemodell wäre ein geringerer Umbau als ursprünglich geplant nötig geworden. Für Juli kommenden Jahres wäre der Start denkbar gewesen, stellte Bächle im Gemeinderat in Aussicht.

Auch Vandalismus sei kein Problem angesichts von 20 bis 30 Kameras. Zudem war Bächle optimistisch, Mitarbeiter zu finden.

Suche nach neuem Betreiber

Doch das ist nun alles bereits Schnee von gestern. Leichtle wägt nun die Optionen der Gemeinde ab. So müsse man sich auf die Suche nach einem neuen Betreiber machen. In der nächsten Gemeinderatssitzung müsse das weitere Vorgehen diskutiert werden.

Die Baugenehmigung für den Umbau im Haus des Gastes liege zwar vor. „Es war aber Konsens, dass das Baugesuch erst gestellt wird, wenn es einen unterschriebenen Mietvertrag mit einem Betreiber gibt“, so der Bürgermeister. Doch das ist nun in weiter Ferne: „Es ist genau das passiert, was niemand wollte“, sagt Leichtle.