Hans-Peter Schreijäg hat als junger Mann seinen Zivildienst in der Bisinger Werkstatt geleistet. Nun wurde er zum Vorsitzendes des Stiftungsrates gewählt.
Ruhig spricht Hans-Peter Schreijäg, jedes Wort wählt er mit Bedacht und so kommen druckreife Statements und Erzählungen aus seinem Mund. Kein Wunder: 45 Jahre lang arbeitete er als leidenschaftlicher Journalist, zuletzt bis zum Renteneintritt im Jahr 2021 als Chefredakteur des Schwarzwälder Boten. „Mit dem Journalismus habe ich abgeschlossen“, sagt Schreijäg beim Besuch in seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Wohl auch mit einem Laster der Redakteure – statt Kaffee zu trinken, begnügt er sich mit einem Glas Wasser.
„Ich würde die Fragen lieber diktieren“, scherzt der Ex-Redakteur. Jetzt „auf der anderen Seite“ zu sein und um Interviews gebeten zu werden sei für ihn „noch ungewohnt“.
Als Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Lebenshilfe Zollernalb freilich wird Schreijäg, neben seinem Stellvertreter Christian Geisser, nun öfter in den Medien präsent sein. Wie er das findet? Wieder blitzt da diese Bescheidenheit durch: „Es ist der Job von acht Leuten.“
Team aus acht Leuten
Jeder im Stiftungsrat bringe seine berufliche Erfahrung mit ein, manche auch die Erfahrung als Eltern eines behinderten Kindes. „Wir sind verschiedene Fachleute“, betont Schreijäg, dem es besonders wichtig ist, dass die Eltern gehört werden. Der Familienmensch erinnert sich an seine Zeit als Zivildienstleistender. „Ich war schockiert, wie wenig ich wusste, wie es Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft geht. In seiner Nachbarschaft hätten Gleichaltrige mit Behinderung gelebt. „Ich habe sie gar nicht zur Kenntnis genommen.“
Zivis hatten eine starke Rolle
Ein wenig Befangenheit, aber doch mit Neugier sei er in das Abenteuer Zivildienst gestartet. Damals, erinnert sich Schreijäg, hätten die Zivis eine starke Rolle in den Werkstätten gespielt, die noch im Aufbau waren. Er selbst war im damals größten Bereich, der Kabelkonfektion, eingesetzt. Zu seinen Jobs gehörte es die Beschäftigten anzuleiten und zu betreuen und Fahrdienste zu machen.
Im kommenden Jahr wird der Freizeitclub Bisingen 50 Jahre alt – der heutige Stiftungsratsvorsitzende war maßgeblich an der Gründung beteiligt. Denn ihm und seinen Kollegen war es zu wenig, den Beschäftigten „nur“ Arbeit zu geben, aber keine Freizeitangebote. „Das hat ideologische Grabenkämpfe mit der Werkstattleitung ausgelöst“, erinnert sich Schreijäg und grinst verschmitzt.
Zivi im Vorstand
Die ersten Freizeiten und kleinen Wochenendreisen waren „von Freund zu Freund“ geplant, quasi als wie wenn eine Clique einen Trip unternimmt. Es wurde gemeinsam gekegelt, gewandert und Musik gemacht.
Als sich herausstellte, wie umfangreich das Programm wurde und wie viel Raum es einnehmen würde war klar, dass ein Verein gegründet werden musste. „Es wäre gut, wenn auch ein Zivi mit im Vorstand wäre“, erklärt Schreijäg im Rückblick. Und so hatte er plötzlich ein Mandat.
Seit 1983 bei der Lebenshilfe
1983 war das, seit dem ist er der Lebenshilfe treu geblieben. Das tut er aus voller Überzeugung und mit Überzeugungen. „Ich glaube, dass behinderte Menschen in unserer Gesellschaft noch viel mehr Inklusion erfahren müssen“, sagt er. Und er setzt sich dafür ein, dass auch sie gute Chancen für eine persönliche Entwicklung haben. Dafür schaffe die Lebenshilfe auch das finanzielle Fundament. Was er sich wünscht? „Wieder mehr diesen Spirit aus den Anfangsjahren.“