Nach nur wenigen Minuten ist weißer Rauch aufgestiegen in den Reihen des Stiftungsrates: Aus deren Mitte wurde Hans-Peter Schreijäg zum Vorsitzenden gewählt.
Die Bisinger Hohenzollernhalle war rappelvoll bei der Mitgliederversammlung – und das lag nicht an den in Aussicht gestellten Maultaschen aus eigener Produktion der Lebenshilfe: Die Mitglieder wählten den Stiftungsrat neu. 78 Stimmberechtigte waren im Saal, sie alle stimmten in allen Punkten einstimmig ab.
Eine der ersten Amtshandlungen im neuen Posten: Schreijäg, ehemaliger Chefredakteur des Schwarzwälder Boten, verabschiedete seinen Vorgänger Eberhard Wiget aus dem Amt. Für Lacher im Saal sorgte ein Detail: Die eingerahmte Urkunde für Wiget, zugehörig zur goldenen Ehrennadel, war bereits mit dem Namen „Schreijäg“ unterschrieben.
Eine ganz besondere Überraschung
Der bisherige Stellvertreter von Wiget hatte für den Ehrenamts-Ruheständler noch eine Überraschung parat, die bei Wiget sichtlich für Tränen der Rührung sorgte: Der Lebens-hilfe-Neubau in der Bisinger Bahnhofstraße wird künftig „Eberhard-Wiget-Haus“ heißen.
Wiget hätte seinen Posten gerne behalten – aber im Dezember wird er 75 Jahre alt und erreicht damit das in der Satzung festgeschriebene Höchstalter. „Das habe ich damals so mitbeschlossen“, sagte er in seiner Abschiedsrede. Die Anwesenden quittierten das mit einem Schmunzeln.
„Das sind riesige Fußstapfen“
„Das sind riesige Fußstapfen“ in die er da trete, meinte der frisch gewählte Stiftungsratsvorsitzende Hans-Peter Schreijäg. Die Stiftung stehe vor immensen Herausforderungen, auch wenn sie finanziell gut aufgestellt sei, wie vom Vorstandsvorsitzenden Holger Klein und seiner Stellvertreterin Monika Betz zu erfahren war.
Und das kräftig investieren muss, wie Klein betonte, um sich auf dem Markt behaupten zu können. Dazu gehöre nicht nur die Anschaffung modernster Maschinen, sondern auch der Bau neuer Produktionsflächen wie in der Balinger Fischerstraße oder der Neubau und Erwerb von Wohnraum. „Man könnte den Eindruck bekommen, dass wir eine Baufirma sind“, scherzte Wiget über die Lebenshilfe, die mittlerweile 50 Jahre alt ist.
Es gibt auch Problemkinder
Zwei „wirtschaftliche Problemkinder“ nannte Holger Klein den Mitgliedern allerdings: Das Kaffeewerk und die neu gegliederte Kabelkonfektion in Lautlingen, die unter anderem auf Medizintechnik ausgerichtet wurde.
Zwei Vertreter des Landesverbands Lebenshilfe Baden-Württemberg waren extra nach Bisingen gereist, um Eberhard Wiget nach langen Jahren der Zusammenarbeit zu ehren. Aufsichtsratsvorsitzender Peter Benzenhöfer und Vorstand Christian Sigg bescheinigten Wiget, die „Verbandsrolle“ wie kein Zweiter verstanden zu haben.
Standing Ovations zum Abschied
Landrat Günther-Martin Pauli und Sozialdezernent Georg Link – quasi Wigets Nach-Nachfolger auf diesem Posten waren ebenfalls angereist und hatten reichlich Lob und Dank im Gepäck. Link: „Herr Wiget, sie haben mit viel Einsatz und Herz das Leben vieler Menschen mit Behinderungen bereichert.“
Hans-Peter Schreijäg hatte für seinen Vorgänger noch ein Bonbon parat: Wiget wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Dieser wollte den offiziellen Teil mit den Worten „Sodele, s’Meischte isch gschafft“ beenden – auf das Büffet musste er allerdings noch warten. Die Mitglieder ehrten in mit Minuten langem kräftigem Applaus.
Die Mitglieder des Stiftungsrates der Lebenshilfe
Vorsitzender
ist Hans-Peter Schreijäg.
Zweiter Vorsitzender
ist Christian Geisser.
Die weiteren Mitglieder
sind Otto-Paul Bitzer, Sabine Fleiner, Brigitte Höhn, Jasmin Jetter, Hubert Schiele und Petra Spranger.