Die Lebenshilfe Zollernalb steht in den Startlöchern, um auf den Hechinger Firstwiesen ein neues Wohnheim für Menschen mit Behinderung zu bauen.
Die Lebenshilfe Zollernalb braucht einen Ersatz für ihr in die Jahre gekommenes Sickinger Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Die Standards würden nicht mehr erfüllt, sagte Vorstandschef Holger Klein, als er in der jüngsten Sitzung des Hechinger Bauausschusses zu Gast war. „Spätestens 2032 dürfen wir das Wohnheim nicht mehr vollumfänglich belegen.“
Einen Ersatzneubau plant die Lebenshilfe auf den Hechinger Firstwiesen gleich hinter dem Fürstin-Eugenie-Familienzentrum.
Projektiert ist auf einer Fläche von 36 Ar eine dreieinhalbgeschossige Wohn- und Tageseinrichtung für Menschen mit Behinderung sowie für Senioren.
Tagespflege im Erdgeschoss
Johannes Weippert vom Eninger Büro Hank und Hirth, das den Architektenwettbewerb gewonnen hatte, stellte den Stadträten die Entwurfsplanung unter dem Motto „Inklusives Wohnen in moderner Architektur“ vor. Das Erdgeschoss soll die Tagespflege für den Förder- und Betreuungsbereich sowie für Senioren mit insgesamt 26 Plätzen beherbergen. In den Obergeschossen sind 26 Wohngruppenplätze, zwölf Einzelappartements und großzügige Gemeinschaftsräume vorgesehen. Im dritten Obergeschoss soll es darüber hinaus Wohnungen für Mitarbeitende und Auszubildende geben.
Der Beitrag der Stadt Hechingen bestünde darin, die Fürstin-Eugenie-Straße, die bisher hinter der Kindertagesstätte endet, zu verlängern, um die Erschließung des Neubaus zu gewährleisten. Die Kosten für den damit einhergehenden Lückenschluss im Wegenetz würden zu 95 Prozent über Erschließungsbeiträge an die Anwohner weitergegeben.
Räte üben Kritik am Bauplatz
Apropos Anwohner: Die hatte in der Diskussion der Freie Wähler Jürgen Staib im Sinn, als er darauf verwies, dass der geplante Neubau fast 15 Meter hoch werde: „Das wird ein sehr massiger Baukörper. Mich stört das. Das wird Diskussionen unter den Anwohnern geben.“ Staib kritisierte außerdem, dass hier ein innerstädtisches „Filetstück“ aus der Hand gegeben werde, wenn die Stadt die Grünfläche an die Lebenshilfe verkauft. Staib: „Das ist eine der wenigen Ecken in der Oberstadt, wo Platz für einen Nahversorger wäre.“ Oder für ein Café, das nach Staibs Ansicht „auch schön wäre“.
Holger Klein erwiderte, die Lebenshilfe habe es sich mit der Grundstückssuche nicht leicht gemacht. Die Firstwiesen seien ideal. „Für Leute, die nicht so mobil sind, ist Stadtnähe wichtig.“ Das ehemalige Aviona-Areal an der Runkellenstraße, das theoretisch ebenfalls infrage käme, sei „sehr schattig und schwierig mit dem Bus zu erreichen“. Zu Staibs Café-Idee sagte Klein: „Wir hätten im damals geplanten Stadthaus auf dem Obertorplatz gerne ein Café eröffnet. Stand jetzt würden wir nirgendwo im Zollernalbkreis ein Café aufmachen.“ Zur Erinnerung: Das Stadthaus war zusammen mit der Obertorplatz-Tiefgarage gescheitert.
„Und warum nicht auf dem First-Parkplatz?“, fragte der Freie Wähler Alexander Vees. Für ihn wäre dieser Standort naheliegender: „Bevor ich die grüne Wiese umpflüge, würde ich den Schotterparkplatz nehmen.“ Winfried Rullof (Bunte Liste) pflichtete bei und bekannte „Bauchweh“, die Firstwiese herzugeben: „Die Stadt hat noch andere Gebiete. Der Killberg wird auch an die Buslinie angeschlossen.“
Standort befürwortet
Bei so viel Kritteln am Standort sah sich Holger Klein genötigt, in die Offensive zu gehen: Über die Firstwiesen habe doch weitgehend Einigkeit geherrscht, rief er in Erinnerung. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte die Lebenshilfe keinen Architektenwettbewerb gestartet. „Die Mehrfachbeauftragung“, betonte Klein, „hat uns einiges gekostet“. Erste Beigeordnete Dorothee Müllges gab dem Bauherren recht: „Wir haben den Standort befürwortet.“
SPD-Stadtrat Felix Miller immerhin fand den Standort „sehr gut“, insbesondere für die zukünftigen Bewohner, „die Teilhabe am öffentlichen Leben brauchen“. Zur von Staib kritisierten Höhe merkte er an, dass es in der Nähe noch mehr hohe Gebäude gebe. Auch sein Fraktionskollege Manfred Bensch wehrte Alternativvorschläge ab. Ein Dienstleister, so meinte er, „passt nicht in eine Sackgasse“. (Woraufhin Dorothee Müllges klarstellte, dass die Fürstin-Eugenie-Straße künftig keine Sackgasse mehr sein werde: „Die Straße wird durchgeführt.“)
Mit klarer Mehrheit votierte der Bauausschuss schließlich dafür, das Projekt der Lebenshilfe zu befürworten und die Verwaltung mit der Einleitung des Bebauungsplanverfahrens zu beauftragen. Dagegen stimmen Alexander Vees und Jürgen Staib, Winfried Rullof enthielt sich.
Wie geht es nun weiter?
Als Nächstes wird die Stadt den Grundstückskaufvertrag mit der Lebenshilfe klarmachen. Ein weiteres Jahr könnte es dauern, bis der Bebauungsplan steht. Dann kann die Lebenshilfe das Baugesuch einrichten. Fertig sein soll das neue Wohnheim allerspätestens 2032 – als Ersatz für Sickingen.