Der Bedarf an Vollzeitpflegestellen für Kinder und Jugendliche ist groß. Der Ortenaukreis hat nun eine Anpassung der Richtlinien für einmalige Beihilfen und Zuschüsse beschlossen – auch das Pflegegeld wurde in diesem Zuge erhöht.
Die Erhöhungen seien deswegen nötig geworden, um gestiegenen Lebenshaltungskosten und neuen gesetzliche Vorgaben entsprechen zu können: „Vollzeitpflege bietet vielen Kindern und Jugendlichen eine stabile Umgebung und familiäre Geborgenheit. Es ist unsere Verantwortung, Pflegefamilien die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu bieten“, so Heiko Faller, Sozialdezernent des Ortenaukreises.
Pflegeeltern, die Kindern und Jugendlichen ein Zuhause geben, sind eine unverzichtbare Säule der Jugendhilfe. „Pflegefamilien leisten einen wichtigen Beitrag für das Wohl von Kindern und Jugendlichen, die nicht in ihrem Elternhaus aufwachsen können. Mit der Anpassung der Beihilfen und Zuschüsse setzen wir ein Zeichen der Anerkennung und Unterstützung“, erklärt Melanie Maulbetsch-Heidt, Leiterin des Jugendamts.
Laut den neuen Richtlinien steigen einmalige und jährliche Beihilfen und Zuschüsse. Darunter fällt die Erstausstattung für Pflegefamilien. Bisher gab es 1800 Euro, wenn ein Kind neu zu einer Pflegefamilie kam, seit dem 1. März sind es 2100 Euro.
Der Kreis folgt den Empfehlungen des Kommunalverbands
Auch die Pauschale für die Erstausstattung für Bekleidung wurde erhöht: Mittlerweile werden 700 Euro statt wie bisher 600 Euro gezahlt. Auch die Zuwendungen für besondere Anlässe werden angehoben. Der Weihnachtszuschuss beläuft sich nun auf 45 Euro (bisher 31 Euro), die Urlaubsbeihilfe auf 735 Euro (bisher 630 Euro).
Die Unterstützung für Bildungsmaßnahmen und besondere Fähigkeiten wird monatlich gezahlt. Die Pauschale steigt von ehemals 90 Euro auf jetzt 120 Euro. Darüber hinaus hat der Ortenaukreis auch das Pflegegeld erhöht und die Beiträge zu den Sozialversicherungen angepasst. Damit folgt der Kreis den Empfehlungen des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS).
Zahl der Vollzeit-Pflegekinder bleibt stabil
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Vollzeitpflege bleibt im Ortenaukreis auf gleichbleibendem Niveau. Zum 31. Dezember 2024 wurden laut Mitteilung des Landratsamts 350 junge Menschen in Pflegefamilien betreut – mehr als die Hälfte der insgesamt fremdunterzubringenden Kinder.
Dass die Zahlen konstant sind, bedeutet aber nicht, dass kein Bedarf da ist. Im Gegenteil ist seit Jahren die Nachfrage im Kreis höher als das Angebot, wie der Pressesprecher des Ortenauer Landratsamts Kai Hockenjos, auf Nachfrage der Redaktion bestätigt. Manche Kinder wohnten zwischenzeitlich in einer Notfallpflegefamilie, bis eine Vollzeitpflegefamilie für sie gefunden ist.
„Andere Kinder jedoch leben langfristig in einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, weil zu wenige Vollzeitpflegefamilien zur Verfügung stehen“, so Hockenjos.
So wird man eine Pflegefamilie
Auch für die Zukunft sucht der Landkreis Familien, die Kinder vorübergehend oder dauerhaft aufnehmen möchten. Doch was müssen Interessierte mitbringen, um eine Vollzeitpflegestelle werden zu können? Generell könne man das nicht sagen, so Hockenjos, denn die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen seien unterschiedliche. Generell wünscht sich das Jugendamt „Pflegefamilien, die in ganz unterschiedlichen Familienformen leben. Ganz gleich in welcher Familienform Menschen leben: alle Arten von Familien, die Energie, Zeit und den Wunsch haben, sich um Kinder und Jugendliche zu kümmern, sind erst einmal willkommen.“ Trotzdem werden Anwärter vorher auf ihre Eignung geprüft und sollen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören neben der Fähigkeit zur (Selbst)-Reflexion auch der Wille zum Autausch und der stetigen pädagogischen Betreuung durch die Pflegekinderhilfe. Erfahrung in der Erziehung und Betreuung von Kindern wird empfohlen. Das Pflegekind wird durch das Jugendamt finanziert (gestaffelt je nach Alter des Kindes), dazu gibt es eine Vergütung für die Pflge und Erziehung (der KVJS empfiehlt 430 Euro im Monat).