Blutspenden ist nicht für jeden möglich. (Symbolbild) Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Blutspenden sind in der Medizin noch unverzichtbar. Doch nicht jeder kann dem Aufruf zu Spende nachkommen. Wir haben nachgefragt, wer nicht spenden darf und warum.

Blutspenden sind unverzichtbar in der heutigen Medizin – bei Unfallopfern, Krebspatienten und während Operationen mit hohem Blutverlust retten sie Leben. Regelmäßig werden Blutspender für ihren wertvollen Einsatz geehrt. Wie wertvoll der Einsatz ist, wird auch dadurch deutlich, dass es nicht jeder kann und darf.

 

Blutspender müssen mindestens 18 Jahre alt sein und mehr als 50 Kilo wiegen. Da sich die Blutmenge nach dem Gewicht bemisst, würde bei einer Abnahme von einem halben Liter nur noch 3,5 Liter Blut übrig bleiben. Nicht gerade viel, erklärt Michael Molitor vom DRK Nagold/Wildberg, deshalb werde diese Grenze angegeben.

Leichte Infektionen können Todesurteil bedeuten

Und vor allem: Blutspender müssen gesund sein. Denn viele Krankheiten schlagen sich auf die eine oder andere Art im Blut nieder. Infektionskrankheiten können über Blut übertragen werden. Für einen Empfänger mit einem geschwächten oder noch nicht ausgebildeten Immunsystem, wie etwa bei sehr kleinen Kindern, kann ein für einen gesunden Menschen unbedeutender Erreger das Todesurteil bedeuten, von schwerwiegenden Infektionen wie HIV oder Hepatitis ganz zu schweigen.

Chroniker und Krebskranke in der Regel ausgeschlossen

Auch nicht übertragbare Krankheiten wie Krebs können zum Problem werden. „Es lässt sich nicht vollständig ausschließen, dass sich noch zellfreie Tumorbestandteile, zum Beispiel DNA-Fragmente oder im Extremfall einzelne Krebszellen, im Blut befinden. Bei einer Übertragung könnten diese theoretisch ein Risiko für den Empfänger darstellen, insbesondere für immungeschwächte Personen“, erläutert Thilo Rünz, Chefarzt des Instituts für Labormedizin, Transfusionsmedizin und Mikrobiologie beim Klinikverbund Südwest.

Chronisch Kranke, die häufig auch auf eine dauerhafte Medikation angewiesen sind, müssen leider auf die Blutspende verzichten. Die Medikation könnte zu Wechselwirkungen oder Risiken beim Empfänger führen. „Ein Sonderfall ist Diabetes mellitus Typ 2: Hier gilt, dass insulinpflichtige Personen in der Regel nicht spenden dürfen. Menschen mit gut eingestelltem Diabetes, die ohne Medikamente auskommen, können hingegen nach individueller ärztlicher Beurteilung zur Spende zugelassen werden“, ergänzt Rünz.

Bei (überstandenem) Krebs und chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Epilepsie spielt auch der Spenderschutz eine Rolle. Eine Blutspende ist auch gesundheitlich belastend, das könnte die Krankheiten wieder aufbrechen lassen oder verschlimmern.

Infektionsquelle Zahnarzt und Tattoo

Auch stellt sich die Frage, was in der vergangenen Zeit möglicherweise ins Blut geraten ist. Nach Tätowierungen darf etwa vier Monate lang nicht gespendet werden. Ebenfalls zum Ausschluss führen kann ein Zahnarztbesuch, bei dem Keime ins Blut geraten können. Schon die Entfernung von Zahnstein kann eine potenzielle Infektionsquelle sein.

Dasselbe gilt für Endoskopie, also zum Beispiel Magenspiegelungen. Es kann zu leichten Verletzungen kommen, die nicht einmal sichtbar sind, aber Eintrittspunkt für Keime sind.

Frauen dürfen seltener spenden

Ein Unterschied besteht auch bei Frauen und Männern. Frauen dürfen im Jahr maximal vier Mal Blut spenden, Männer sechs Mal. „Weil Frauen regelmäßig Blut verlieren“, antwortet Michael Molitor vom DRK auf die Frage nach dem Grund. In dieser Hinsicht gibt es auch keine Altersgrenzen, die Menopause spielt keine Rolle.

56 Tage Abstand

Zwischen zwei Blutspenden müssen 56 Tage liegen. Dieser Abstand ist notwendig, „damit sich der Körper vollständig regenerieren kann“, erläutert Chefarzt Thilo Rünz. „In dieser Zeit werden die roten Blutkörperchen und der Eisenhaushalt wieder aufgefüllt. Diese Pause schützt Spender vor Blutarmut, Eisenmangel und Erschöpfung und stellt sicher, dass die nächste Spende gut vertragen wird.“

Endgültige Entscheidung bei der Spende

Die endgültige Entscheidung über die Spendenfähigkeit trifft ein Arzt vor Ort. Auch sei dies keine „Ganz oder gar nicht“-Entscheidung. So kann es sein, dass etwa nur das Plasma genutzt werden kann, andere Blutbestandteile hingegen unbrauchbar sind. Deshalb appelliert Molitor: Hinkommen und den Fragebogen ausfüllen.

So lange sind Blutkonserven haltbar

„Die Haltbarkeit hängt vom Blutprodukt ab. Erythrozytenkonzentrate (rote Blutkörperchen) sind etwa 42 Tage bei zwei bis sechs Grad Celsius haltbar, Thrombozytenkonzentrate (Blutplättchen) etwa vier Tage bei 22 Grad unter kontinuierlichem Schwenken und gefrorenes Plasma bis zu zwei Jahre bei -30 Grad oder kälter. Diese begrenzte Haltbarkeit zeigt deutlich, warum kontinuierliches Spenden so wichtig ist“, erläutert Thilo Rünz, Chefarzt des Instituts für Labormedizin, Transfusionsmedizin und Mikrobiologie beim Klinikverbund Südwest.