Gustav Adolf Lörcher wird an diesem Mittwoch 90 Jahre alt. Foto: Birgit Heinig

Der Villinger Gustav Adolf Lörcher hat Lehrer ausgebildet, Nachhilfe für Flüchtlingskinder gegeben und sich für Frieden eingesetzt. Nun wird er 90 Jahre alt.

Seinen Geburtstag verbringt er in Helsinki und dort schmökernd in einer Bibliothek. Gustav Adolf Lörcher wird an diesem Mittwoch 90 Jahre alt. Seine Frau, die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Christa Lörcher, wird Ende des Monats 85, und im Oktober feiert das Paar die Eiserne Hochzeit nach 65 gemeinsamen Jahren.

 

Erst dann, sagt Lörcher lächelnd, werde ein großes Fest gefeiert. Das vierte von 14 Kindern und erster Sohn von Bernhard und Lenelotte Lörcher war stets wissensdurstig und hat sich die Neugier auf das Leben bis heute erhalten. Besonders Sprachen haben es dem Sohn einer sprachbegabten Mutter angetan. Neben Englisch, Französisch und Latein lernte er in jungen Jahren auch Schwedisch, Finnisch, Dänisch, Armenisch, Russisch und Chinesisch, sagt dazu heute aber bescheiden: „Keine Sprache kann ich so richtig“.

Sein Finnisch zum Beispiel reicht aber, um sich – siehe oben – in einer finnischen Bibliothek zurechtzufinden. Als die Frage nach dem Beruf aufkam, folgte Gustav Adolf Lörcher zunächst den Erwartungen seiner Eltern und studierte Theologie. Sein Vater war von 1947 bis 1969 Pfarrer in Schwenningen. 1961 wurde der Sohn Vikar und heiratete seine Christa. Neben ihr, einer Mathematiklehrerin, setzte sich seine Leidenschaft für Zahlen durch, er nahm in Tübingen ein zweites Studium auf und wurde ebenfalls Mathematiker.

Unvorstellbar tragisch: Das junge Paar musste den Tod sowohl einer Tochter als auch eines Sohnes ertragen. Das Mädchen starb im Alter von zwei, der Junge von neun Jahren. Beide erlagen der Krankheit Mukoviszidose, aufgrund derer die Familie 1972 nach Villingen-Schwenningen und dessen guter Luft gezogen war.

Als Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg tätig

Bis 2002 war Gustav Adolf Lörcher als Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg tätig und bereitete Lehrer auf ein Fachgebiet vor, das ihm immer am Herzen lag. Dass er einerseits die Geometrie und andererseits das japanische Origamie besonders liebt, zeigt sich beim Blick ins Wohnzimmer der Lörchers. Auf Regalen an einer Wand lagern 700 Ikosidodekaeder, von ihm selbst aus jeweils fünf Papierstreifen in unterschiedlichen Farben gefaltet. Noch einmal so viele verschenkte er und tut das noch immer, auch wenn er statt früher 20 inzwischen mehr als 30 Minuten dafür braucht.

Auch noch nach seiner Berufstätigkeit schrieb er Mathematikbücher und entwickelte neue Lehrmethoden. Dazu nutzte er die Erfahrungen aus seinem unentgeltlichen Nachhilfeunterricht, den er bis vor zwei Jahren insbesondere Flüchtlingskindern und -jugendlichen gab.

In den Vereinen Pro Asyl und Stolpersteine VS aktiv

Das Geburtstagskind ist ein leiser, ein bescheidener Mensch. Und ein durch und durch sozialer. Er engagiert sich in den Vereinen Pro Asyl und Stolpersteine VS sowie in der örtlichen Friedensbewegung. Auch im hohen Alter fährt er noch täglich Fahrrad, spielt Geige und verbringt mit seinem weiteren Hobby, der Ahnenforschung, viel Zeit am Computer. „Das ist wie das Legen eines Puzzles. Aus einzelnen Anhaltspunkten wird ein ganzes Bild.“